Grundsätzlich ganz schlau: Dietmar Thiesers Traum von einer eigenen Zeitung

Dietmar Thieser hat da am Parteitagswochenende seiner Hagener SPD eine eigentlich recht gut Idee formuliert. Er rief nach einem Publikationsorgan, malte das Bild von einer „eigenen Zeitung“ in die Zukunft. Hat was, ja. Und wirkt wie ein Rückgriff in die Vergangenheit, aber das wäre nun keineswegs ein Mangel in meinen Augen. Vielleicht kommt hier ein Anstoß, in kleinerem Rahmen etwas wieder aufzubauen, was die deutsche Sozialdemokratie einmal hatte: Ein ebenso beachtliches wie stets beachtenswertes Medienimperium.

Das wurde mal unter kundiger Leitung des damaligen obersten SPD-Schatzmeisters Alfred Nau klein gekriegt. Rudimente konnte man bis vor Kurzen noch besichtigen, die Westfälische Rundschau, deren leerer Hülle inzwischen die unmittelbar bevorstehende Insolvenz angeredet wird, von den kundigen Managern der WAZ, die sich anscheinend mittlerweile abmühen ähnlich kundig zu wirken wie einst Alfred Nau.

Der Ruf nach „eigener Zeitung“ wird immer dann besonders laut, wenn Zeitungsvielfalt erprobte Menschen am jeweiligen Ort irgendwann nur noch eine Zeitung vorfinden und sich dann nicht mehr ausreichend inhaltlich wieder finden. Das ist verständlicherweise nun bei Hagens SPD der Fall, und daher kommt Dietmar Thiesers Gedanke nicht von ungefähr. Aber bevor er ihn weiter verfolgt, sollte der Hasper Bezirksbürgermeister sich über noch etwas Gedanken machen.

Ein Medium, von dem der geneigte Leser oder die kritische Medienrezipientin weiß, dass es von einer Partei ins immer dürrer informierte Rund verlegt wird, ein solches Medium kann nur dann wirklich Erfolg haben, wenn es vor allem einem Kreis nicht – ich wiederhole nicht – gefällt: den Funktionären dieser Partei.

Erinnert sei an die „ZaS“ (Zeitung am Sonntag). Das war ein wirklich cooles Wahlkampfinstrument der SPD – allerdings nur so lange, wie richtige Profis sie bearbeiteten und der Charakter des Informationsinstrumentes Zeitung sogleich erkennbar war. Als mit der Machtentfaltung von Wolfgang Clement (ausgerechnet ein ehemaliger Zeitungsmann) begonnen wurde, aus der „ZaS“ ein Applaus-Organ für vermeintlich besonders erfolgreiche Parteiobere zu machen, stürzte sie ab, weil keiner das Zeugs mehr lesen wollte.

Zeitungen haben es derzeit verdammt schwer, sich zu behaupten, das liest und hört man allenthalben. Parteiliche Zeitungen werden sich nicht einmal in den eigenen Kreisen halten, es sei denn, sie wären gut gemacht – besonders gut. Sie müssen sich deutlich abheben aus dem lokalen bzw. regionalen Brei. Sonst bringt das nur Geld, das aus dem Fenster geworfen wurde.

Ok, aber ich nehme mal an, dass Dietmar Thieser in dieser Richtung etwas vorschwebt. Und immer Achtung: Sobald die Funktionäre ihre Fundamentalkritik am Organ einstellen, ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Sind die zufrieden, haben die Zeitungsmacher was falsch gemacht.

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