Man glaubt es baut: Die Bahn hat den Denkmalwert des Hagener Bahnhofs wieder entdeckt

Hagen. Die mit Recht so häufig kritisiert Deutsche Bahn hat sich mit eben solchem Recht ein Lob verdient. Sie widmet sich derzeit mit Hingabe eines ihrer Juwels, dem Hagener Bahnhof. Tatsächlich wurde ein knappes Jahrzehnt nach der jüngsten 1,2 Millionen teueren Restaurierung erkannt welchen Blödsinn man in der neobarocken Wartehalle angestellt hatte. Die halbfertigen Verunstaltungen werden derzeit beseitigt.

EDEKA lockt die Kundschaft nun mit einem Angebot. da wo früher es öde Schleckerte. - Fotos: Rudi Bernhardt

EDEKA lockt die Kundschaft nun mit einem Angebot. da wo früher es öde Schleckerte. – Fotos: Rudi Bernhardt

Die zum Teil mit drolligen Trockenbauteilen verborgenen Bögen über inzwischen fast historischen Werbeblöcken wurden freigelegt und neu eingefasst. Üble Vergangenheitssünden wurden verbessert. Der Innenraum wird aufgeräumt, draußen darf auch darauf gehofft werden, dass die eine oder andere Macke ausgebessert wird, eingerüstet ist dafür.

Und beinahe glitzernd fand sich inzwischen auch ein Ersatz für den „Verlust“ aus den Schleckerei-Pleiten. Da, wo lange Zeit ein Service-Loch klaffte, da öffnet sich den Reisekunden nun ein EDEKA to go vom allerfeinsten. Glücksgriff, Chapeau Deutsche Bahn!

Friedrich Harkort, dessen Namen der 1931 fertiggestellte Ruhrstausee im Dreistädteeck Hagen/Wetter/Herdecke trägt, sorgte noch im 19. Jahrhundert dafür, dass das Bergische Land via Hagen mit dem industriellen Dortmund im wachsenden Schienennetz verbunden wurde.

Im Revolutionsjahr 1848 war Hagen daran angeschlossen, entwickelte sich fortan zum ausgewachsenen Logistikstandort, blieb es bis heute. Als 1861 in Ruhr-Sieg-Strecke hinzu kam, war Hagen ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, hatte erste Höhepunkte im industriellen Aufbau und alles rief danach, dass dieses immer wohlhabender werdende Hagen einen repräsentativen Bahnhof im Stadtkern brauche.

Es dauerte indes noch bis zum 14. September 1910, dann wurde das Empfangsgebäude seiner Bestimmung übergeben. Repräsentativ war es und eine Zierde für die einstige Prachtstraße (heute B7), die vom Reichtum stolzer Bürger kündete und sich durch die ganze Stadt zog; eine Kathedrale der mobilen Welt, mit einem „Glockenturm“ neben dem Eingang, der auch heute noch den Reisenden die Zeit zeigt, bevor sie in das gewaltige Tonnengewölbe der Empfangshalle treten. Weiter führt der Weg zu den Gleisanlagen, die von einer zweischiffigen Halle überspannt werden, die im Ruhrgebiet und in Westfalen einzigartig ist, in ganz Deutschland zu den Raritäten zählt. Prachtvoll eben.

1911 war es Karl-Ernst Osthaus, der sicher war, dass dem Bahnhof ein weiteres Juwel zugeeignet werden müsste. Er sorgte dafür, dass der Holländer Jan Thorn-Prikker ein riesiges Glasgemälde für den Eingangsbereich schuf: „Der Künstler als Lehrer für Handel und Gewerbe“. Hagens Hauptbahnhof wurde so Spiegel der erfolgreichen und reichen Industriestadt ebenso wie der Kulturstadt mit paneuropäischer Anziehungskraft.

Das Industrie- und Kulturdenkmal Hauptbahnhof Hagen wurde von der ausgesprochen eher mal Denkmal scheuen Deutschen Bahn wieder entdeckt. Gut gemacht und weiter so.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.