Hab‘ mich da wohl verhört: Geniale Idee, das Schumacher-Museum verkaufen

Hagen. Manches kommt mal wieder, Gutes sieht man gern wiederkehren: Am Sonntag wird im Hagener Emil Schumacher-Museum eine Ausstellung mit Zeichnungen und Plakaten aus dem Werk von Henri de Toulouse-Lautrec eröffnet. Einige der Kunstwerke waren vor 100 Jahren schon mal in Hagen, ehe sie eine Kriegs- und Nachkriegsirrfahrt durch halb Europa antreten mussten. Hagens OB nennt es eine Ehre, diese Ausstellung eröffnen zu dürfen, Erik Schulz hat einen erkennbaren Sinn dafür, was seiner Stadt zur Ehre gereicht.

Aber, es gibt da auch andere, die sich aktive Bürger nennen und ganz genau wissen, womit sie den Mit-Bürgerinnen und Bürgern der Stadt etwas Gutes tun können. Die forderten wie ich unlängst sah, man möge das Emil Schumacher-Museum verkaufen, hatten dazu sogar ein Plakat entworfen, in seiner sinnbildlichen Demagogie sogar besser als jedes ihrer Plakate zum Kommunalwahlkampf.

Sorry, aber etwas Dämlicheres habe ich seit langem nicht mehr gelesen.

Erstens: Die Hagen Aktivposten suggerieren, dass es der Stadt bares Geld einbringen könnte, würde das Museum an wohlhabende Frau oder Mann gebracht. Das ist schon mal ziemlicher Quatsch – wer kann sich schon ein Museum leisten? Wer hierzulande reich genug ist, der ist das dadurch geworden, dass er sein Geld für sinnvollere Dinge ausgegeben hatte. Aktien oder so was. Wer zuviel Geld hat, der steckte das früher mal in die Kultur, wie Karl Ernst Osthaus, aber heute ist das anscheinend anders. Denn zuviel Geld gibt es entweder nicht oder es fließt in Luxusyachten oder so.

Zweitens: Die aktiven Posten wollen ihren Followern weiß machen, man könne einfach so ein Objekt verkaufen, das mit Landesmitteln erbaut wurde. Klar, kann man versuchen, aber man sollte sich von vorn herein wünschen, dass daraus nix wird. Denn Hagen hätte gar nicht das Geld übrig, diese Landesmittel wieder zurück zu zahlen, denn dazu wäre die Stadt verpflichtet, würde sie auf den krausen Gedanken kommen, dass die Grundidee der Aktiven eine gute sei.

Drittens: Die Aktiven Aktionisten plustern sich selbst und ihre angebliche Bürger-Meinung auf, als wären sie die Sparkommissare mit den rettenden Einfällen. Auf die hört zwar keiner, aber für den Stammtisch sind die Argumente ja gut zu gebrauchen. Schumacher-Museum, Stadttheater, Osthaus-Museum in einem ersten Schritt, es folgen dann Hohenhof, Volkshochschule, Muschelsalat, die Kultur und Bildung werden versilbert, das ist doch gern das bürgerliche Credo: kostet alles doch nur und bringt nichts ein.

Bürgers Meinung sollte man sich schon anhören und ihre Inhalte nicht überhören, sondern mit einfließen lassen in sie betreffende Entscheidungen. Aber bei solchem Flachsinn wie dem auf dem Plakat der Aktiven sollte man sich erst mal sagen: Hab‘ mich da wohl verhört.

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