Urlaub in Schweden (3): Mölle, da wo Schwedens hellster Leuchtturm steht

Meine mittägliche Kaffeerunde von einst: Heute schlürften wir mal wieder einen gemeinsam.

Meine mittägliche Kaffeerunde von einst: Heute schlürften wir mal wieder einen gemeinsam.

Gesellte ich mich doch heute Mittag zu einer liebenswerten Runde, in der ich in den zurückliegenden Jahren manches besprach, vieles angeregte, noch mehr beklagte und ganz viel Persönliches von mir gab, aber eines niemals geschah: Nichts verließ diese bunt zusammengesetzte Schar, zumindest nichts, was sie nicht hätte verlassen dürfen. Also ich saß da im Freundeskreis, der urlaubs- und krankheitsbedingt ein wenig ausgedünnt war, zudem an ungewohnter Stelle tagte und Kaffee schlürfte und hatte meine diesjährige Urlaubsregion preisgegeben, was schnell zu allerlei Einwürfen führte.

Besonders belustigte ich die Runde mit der Kurzfassung meines E-Bike-Verlustes in schönen Ystad. „Wie, hat Wallander nicht aufgepasst?“ „Und, wie sieht die Polizeiwache aus, gbt’s da einen gläsernen Vorbau?“ Und so heiter, ich beschrieb meinen ersten Tag auf skandinavischem Boden zum Entzücken meiner Runde und spottete demütig jeder Beschreibung. Einer griff allerdings den Schweden-Trip begeistert auf, einer, über den ich zu erzählen noch in Schweden beschlossen hatte, einer, nach dem dort eine ganze Stadt benannt ist, einer, zu dem Busse fahren.

Ich rede vom weitaus besten Kämmerer von allen: Karl-Gustav Mölle. Dass ihm als Namenszusatz auch noch ein „Adolf von Schweden“ zu geben nötig sei, war mir zwar neu, aber er hat es sich verdient. Oli und Hartmut glitten vorübergehend in die Rolle von Zuhörern, was sie aber nicht weiter verunsicherte.

Unvermittelt schwärmten der Herr der Unnaer Finanzen und ich unisono von Stockholm, „der schönsten Stadt Europas“, von „unendlichen Weiten“ (nicht im Weltraum, sondern in urigen Mischwäldern) von „freundlichen Menschen“, von historischen Dampfschiffen, die mit knorrigen Holzscheiten befeuert werden“, vom „Götakanal, auf dem einige dieser Dampfschiffe verkehren“ und vielem mehr, was uns zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Stellen, aber ohne inhaltliche Unterschiede begegnet war.

Dabei wollte ich, das hatte ich vor Ort beschlossen, eigentlich nur von dem kleinen Ort erzählen, der offenbar nach Karl-Gustav Mölle benannt worden war. Von dem unsagbar guten Kuchen, den ich dort verspeiste, von Fahnen, die über Mölle das beste verkündeten, von Bussen, die dorthin fahren, vom Örtchen Mölle eben, nahe bei Höganäs in der Provinz Schonen, wo an der Landspitze des Naturreservates Kullaberg Schwedens kleinster, aber hellster Leuchtturm steht (seine Fresnel-Linse muss der Wahnsinn sein).

Für Karl-Gustav wird sogar die Fahne gehisst.

Für Karl-Gustav wird sogar die Fahne gehisst.

Karl-Gustav, heute Mittag in Schwedenfarben gekleidet (reiner Zufall) und ich waren uns einig: Das Land ist jede Wiederholung wert.

Zurück zu Mölle: Nach dort und durch es hindurch führt der Italienskavägen, der nicht von ungefähr seinen Namen trägt, denn bei gefühlten 34 Grad Außentemperatur an einem bestimmten Aussichtspunkt öffnet sich ein Blick, den man sonst nur aus dem ligurischen Teil der italienischen Riviera kennt. Was viele Reisende veranlasst, dort anzuhalten und den Blick fotografisch zu konservieren. So kam es denn auch, dass in Mölle so um 1909 eine prachtvolle Villa entstand, Villa Italienborg, ganz im ligurischen Stil (oder, was man dafür hielt).

Wer hier Kuchen oder sonstige Speisen genießt, wird jedes Vorurteil über Schwedens Küche beerdeigen.

Wer hier Kuchen oder sonstige Speisen genießt, wird jedes Vorurteil über Schwedens Küche beerdeigen.

Mölle muss man kennen, der Ort und seine nähere Umgebung lassen den Besucher zweifeln, dass er aufs Skagerag-Ufer blickt, der Kuchen, der Kaffee und die übrigen Speisen in der Krukmakeri und Café sind mit köstlich nur unzureichend beschrieben. Mölle wirkt wenig spektakulär, aber ist unvergleichlich, wenn man es erfahren will. Aber dazu muss man sich die Mühe machen und rund um es herum fahren. Zum Beispiel nach Ladonien, wo Nimis zu bewundern ist, aber das ist eine andere Geschichte.

 

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