Urlaub in Schweden (2): Zu Gast bei zwei Tirolern in „Ulrices Hafen“ am Åsunden

Ich hab’s ja gewusst – da bin ich doch wieder zeitspringend mitten drin anstatt ordentlich sukzessive unseren Reiseweg abzuarbeiten. Aber das Folgende wollte ich schnell erzählen, weil es des Erzählens wert ist, oder ich es für werthaltig erachte, ach egal. Ich erzähl’s einfach.

Ich erhielt bisweilen die verantwortungsvolle Aufgabe, mit mobilem Telefon während der Fahrt hin zum gewünschten Zielort beim auserkorenen Campingplatz anzurufen und dort zu versuchen, einen hübschen Parkplatz für unser Gefährt zu reservieren. Meist klappte das, bisweilen wurde meinem Ansinnen auch bescheinigt, dass es fehlgeleitet sei, weil der eine oder andere Platz vorauseilende Bestellungen nicht berücksichtigte.

Hört sich eigentlich ganz leicht an, bedenkt man indes, dass mein einst geschliffenes Hochenglisch sich heute eher rostig anhört, war es zu Beginn der Reise schier (zumindest mir) peinlich, diesen schwedischen Perfektionisten meine Holperidiomatik anzubieten. Aber je länger ich übte, desto flüssiger wurde das verzweifelte Kramen in den Erinnerungsecken und desto verständlicher konnte ich mich auch machen.

Ein kleine Fußgängerzone im Herzen des traditionellen Badeortes.

Ein kleine Fußgängerzone im Herzen des traditionellen Badeortes.

Wir hatten einen Tag Aufenthalt in der Nähe des alten Badeortes Ulricehamn eingeplant. Das liegt so halberwegs zwischen Ost- und Westküste, ca. 100 Kilometer von Göteborg entfernt, hieß mal Bogesund, schmiegt sich an einen See namens Åsunden und wurde dann zu Ehren der Königin Ulrice Eleonora umgetauft. „Ulrices Hafen“ eben. Selma Lagerlöf kurte da gern mal, muss wohl recht nett sein, die Gegend, wenn Nils Holgerssons geistige Mutter den Ort so mochte.

Also funkte ich den Platz Skottekgarden nahe „Ulrices Hafen“ an und versuchte mein Glück. Schon besser geschmiert knarzte ich britisch los, überhörte in meinem Eifer den Umstand, dass meine Gesprächspartnerin am anderen Ende mir freundlich anbot, auf gut Deutsch mit ihr zu kommunizieren und bat um ein Plätzchen. Die gute Dame gab es schließlich auf, konterte meine übereifrige Hartnäckigkeit ebenfalls in britischer Zunge und bot mir an, doch einfach zu kommen, Platz sei ausreichend. Erst als unser Gespräch beiderseits beendet wurde, keimte in meinem Bewusstsein der Verdacht, dass ich was falsch gemacht haben könnte.

Was soll’s, wir werden Platz finden, schön ist es an jedem See, an jedem Ort in dem Gastgeberland, wird schon.

Wenig später umkurvten wir den beschaulichen See, fuhren am ebenso beschaulichen Ufer entlang, lernten die Beschaulichkeit des Hafens von Ulrice kennen und folgten auf beschaulichen Pfaden den Vorwegweisern hin zu Skottek, wo uns, wir waren kaum aus dem Fahrzeug gestiegen, ein freundlicher Herr in Empfang nahm, uns in österreichischer Zunge einen freien Platz zuwies, dessen beengte Ausdehnung aber wenig zusagend wirkte. Mieser Anfang eines später immer besser werdenden Aufenthaltes.

Während unser alpiner Freund noch durch das Umlagern von Wasserfahrzeugen um die Schaffung von Mehrplatz bemüht war, enterte ich die hübsch und fantasievoll eingerichtet Rezeption, wo die Dame, die mir deutsche Kommunikationsfähigkeit angeboten hatte und an meinem sprachlichen Übereifer gescheitert war, mir einen Platz anzeigte, etwas ab vom Kerngeschehen, aber dafür umso schöner. Auf einer kurzgeschorenen Wiese, umstellt von baumriesigen Schattenspendern, völlig verschont von jeglicher Nachbarschaft, nur Strom gab’s da keinen. Kein Problem, Strom machen wir selbst auf dem Dach – der Platz wird unser.

Wir richteten uns häuslich ein, sorgten für Sitzmöglichkeiten und schnauften durch. Nach ersten Zweifeln, die durch Ort und Weise des Restaurants, wo wir später das Abendmahl zu uns nahmen, noch genährt wurden (Essen war auch nur … na ja, dafür begleitet von miserabler Housemusic), begann indes dieser Platz mit seinen Stärken auf uns zu wirken und führte noch am Ankunftsabend dazu, dass wir die Verlängerung beschlossen. 28 Grad im Schatten der Bäume, Seeblick unverstellt, die vorüber fahrenden Autos störten auch  nicht weiter, das sollte es erstmal sein.

Johanna und Günter Eillinger, zwei die sowohl in Tirol als auch am schwedischen Binnensee beste Gastgeber sind.

Johanna und Günter Eillinger, zwei die sowohl in Tirol als auch am schwedischen Binnensee beste Gastgeber sind.

Unsere beiden vom Begrüßungskomitee stellten sich als Johanna und Günter Ellinger heraus, aus Tirol. Günter war schon vor Jahrzehnten als „Vorhut“ nach Südschweden gekommen (Die hübschen Mädel halt), hatte sich ins Sprachstudium gestürzt und parlierte alsbald Schwedisch fließend, zumindest akzentfreier als Arnold Schwarzenegger sein Amerikanisch zu knödeln weiß. Die Sommerzeit verbringen sie in Europas Norden, den Winter genießen sie daheim, genauer gesagt in Götzens an der Burgstraße 7, wo das „AlpArtHotel“ steht und die Ellingers ein ebenso individuelles Konzept verfolgen wie auf der Skottek-Anlage. Das „Art“ im gastlichen Namen findet sich da nicht von ungefähr, Design und Art bestimmen das gesamte Ambiente.

Zu Winterszeiten wird der Platz in Schweden aber nicht etwa dicht gemacht. „Wir haben eigentlich Ganzjahresbetrieb“, berichtet Günter Ellinger, denn rund um den See finden sich hervorragende Skigebiete, sowohl für Langläufer als auch für Abfahrer. Der Betrieb wird dann in Abwesenheit der Chef-Familie von „dem sehr guten Personal“ weiter geführt, bis die beidem im nächsten Sommer wieder am Åsunden  aufschlagen.

Einschub: Ist vielleicht nicht für jedermensch so ganz wesentlich, aber ich rühmte noch am Ort die bis dato besten sanitären Anlagen der Nordlandfahrt, die bei den Ellingers. Vorbildlich!

Wir blieben länger als zunächst geplant, blickten abends gern auf de See, fingen uns ein paar unfeine Mückenstiche ein und bereiteten uns auf Göteborg vor, wo es den größten Freizeitpark Nordeuropas gibt, wo eine gewisse „Helix“ steht, über die ich ganz gewiss nicht fahren würde, denn sie wird in einschlägigen Fernseh-Magazinen als Anziehungspunkt für Adrenalin-Junkies beschrieben. Aber davon später.

 

2 comments for “Urlaub in Schweden (2): Zu Gast bei zwei Tirolern in „Ulrices Hafen“ am Åsunden

  1. Werner
    1. Juli 2016 at 15:33

    Hallo 01.07.2016, Werner 3.Tag in Skottek Ulrichehamn. Ich kann das Gute über den Platz nur bestätigen. Neu ist der Pächter der Gaststätte, mit einem hervorragendem schwedischem „Dagens Lunch“ ist der Platz erst richtig rund.

    • 2. Juli 2016 at 11:31

      Hallo, ich nehm‘ einfach mal Werner. Freut mich wahnsinnig, dass alles rund um diesen Platz so gefiel. Es gehört zu den besten Erinnerungen die ich an den gesamten Aufenthalt in Schweden hatte. Genial auch die Betreiber, Klasse, dass wir da einer Meinung sind. Weiterhin eine wunderbare Zeit. LG.

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