Stadt und Land, Hand in Hand – oder Faust auf Faust?

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen ist schon eine wunderliche. Grün-Weiß-Rot ganz flaggoffiziell seit 1953, nur noch Rot-Grün seit 2012 in der Leitung der Ministerien und offenkundig an diversen Schaltstellen offenbar eher schwachsichtig wenn es darum geht, sich zumindest nur gerecht mit den eigenen Hochburgregionen zu beschäftigen. Der gesamte Kreis Una darf als eine solche gelten, Unna selbst ebenso, aber dass Grün wie Rot behutsam mit Stadt oder Kreis umgehen, kann wirklich nicht behauptet werden.

Da fuhrwerkten schon zu Zeiten der Koalitionsverhandlungen die Allwissenden in schier vorsteinzeitlichen Planungen herum, die mühsam zwischen Kreis, Stadt Unna und Dortmund in Kompromisse gegossen wurden und strichen auseinander, was zusammen gehörte – Tangentenpläne gerieten zur Makulatur, neue Kompromisse rochen arg nach überaltertem Camenbert, Unna wurde nicht gefragt, aber koalitionsfriedlich geopfert.

Dann machte in Düsseldorf zum allgemeinen Erstaunen die Kunde von schwellenden Flüchtlingszahlen die Runde und innenministeriell erinnerte man sich daran, dass es ja Platz in Massen gäbe, massenhaft sogar. Daran zu denken hatte Unnas vorausdenkender Bürgermeister schon verbal gemahnt, als christliberale Vorgängerregierungen die Existenz der Landesstelle für beendet erklärten und war gerüffelt worden, weil man Ministern nicht keine Widerworte geben dürfe, weil die ja schließlich allwissend sind.

Jetzt hätte man annehmen können, dass zwischen den vergangenen Ministern und den heutigen ein wesentlicher Unterschied bestehe, nämlich, dass die aktuellen klüger wären. War aber nicht so, auch die aktuellen sind anscheinend allwissend. Und so stellten sie sich nicht nur gegen die Interessen der Stadt, sondern auch gegen das geltende Recht und fingen sich diesmal deutliche Rüffel von den Verwaltungsrichtern ein. Lerne: Allwissenheit schützt vor Fehleinschätzungen nicht.

Noch so ein Flachsinn in der gerechten Behandlung: Statistisch wurde durch einen so genannten Mikrozensus Unna unversehens auf eine Einwohnerzahl runter gerechnet, die so logisch begründbar ist wie die frühgeschichtliche Menschheitsvorstellung, die Erde sei eine Scheibe. Beharrlich klammern sich die Rhein-Bürokraten indes daran, dass alles stimmig und schlüssig errechnet worden sei, der Zensus zwar mikro war, aber von höheren Mathematikern erfunden, als so eine revierrandlagernde Mittelstadt sie hervorbringen könnte.

Und schon wetterleuchtet wieder eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen Stadt und Land, na, das geht ja mal so richtig Hand in Hand. Innenminister Ingo Wolf war’s glaube ich, der sich rühmen durfte in seiner 5-jährigen Amtszeit am häufigsten prozessuale Niederlagen erlitten zu haben. Der rheinische Ex-Bundesligahockeycrack kann Konkurrenz bekommen, von einer rot-grünen Landesregierung, die sich anscheinend vorzugsweise mit einer Stadt herum balgt, die strukturell ebenfalls zu rot-grünen Mehrheiten tendiert.

Wunderlich.

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