Otto Piene ist tot: Da werden Erinnerungen an seinen Bruder Reinhold und meine Schulzeit wach

 von Heinrich Peuckmann

Unna. Otto Piene, Lichtkünstler und Mitbegründer der bekannten Künstlergruppe „Zero“ (Uecker, Mack) ist einen Tag nach Eröffnung einer großen Ausstellung in Berlin nach einem Herzinfarkt in einem Taxi gestorben. Es gab eine Zeit, da war er regelmäßig in Unna, denn sein Bruder Reinhold Piene war Mathe- und Physiklehrer am damaligen Aufbau-, dem heutigen Ernst-Barlach-Gymnasium.

Dort war der Reinhold auch mein Lehrer, und in meiner Schulerzählung „Der Reiseschüler“ (aus: Der Vorwärtsfahrer) habe ich ihm einen kleinen Abschnitt gewidmet:
„Also lernte ich in meinen schwächeren Fächern wie Mathe immerhin so viel, dass es für die „Zwei des kleinen Mannes“ reichte, wie wir das damals nannten. Für die Vier also. Auch in diesem Fach hatte ich einen interessanten Lehrer. Reinhold Piene, den Bruder von Otto Piene, dem Lichtkünstler. Er gab mir in manchen Mathearbeiten immer noch den einen oder anderen Punkt für meinen „kreativen“ Ansatz, wo andere Mathelehrer nichts verteilt hätten.“

Ottos Tod rief in mir Erinnerungen wach: So war es halt. Mathe gehörte nicht zu meinen Stärken, deshalb war ich froh,  solche „Kreativpunkte“ von unserem Reinhold zu bekommen. Reinhold Piene war damals Junggeselle, was ihm nicht in jeder Hinsicht gut bekam. Seine Einsamkeit versuchte er, mit Alkohol zu kompensieren. Wenn er mittwochs seinen Kegelabend hatte (bei „Ruck“ in Königsborn, wie ich mich recht erinnere), sangen wir: Wenn die bunten Fahnen wehen … Piene zeigte dann in Physik spannende Filme, etwa über die Magnetfelder und schlief ein.

Irgendwann knutschte einer meiner Mitschüler seine Hand, Piene schrak auf, machte das Licht an und kommandierte: Jungen und Mädchen getrennt. Danach lief der Film weiter und Piene döste wieder.

Manchmal, wenn ihn die Einsamkeit zu sehr übermannte, rief die Schulleitung seinen Bruder Otto an und schlug vor, dass er sich mal um seinen Bruder kümmern müsse. Otto kam dann auch nach Unna. Viel geholfen hat es wohl nicht, denn Otto trank auch gerne mal. Allerdings nicht ausufernd, denn er ist alt geworden.

Für mich gehört Reinhold zu den positiven Erinnerungen an meine Schulzeit am Aufbaugymnasium. Peuckmann, auf diesen Ansatz ist keiner außer dir niemand gekommen, erklärte er, du hättest nur so und so weiterrechnen müssen …Ich freue mich, wenn ich an diesen Satz denke. Er hat mich ein paarmal weitergebracht in meinem schwachen Fach. Reinhold Piene ist übrigens nicht sehr alt geworden. Alle, die ihn kennen, kennen auch seine Schwäche. Aber dass er ein schlechter Mathematiker gewesen sei, hat noch niemand behauptet.

Heinrich Peuckmann, geb. 1949 in Kamen. Besuch des Aufbaugymnasiums in Unna, Abitur 1968. Viele Jahre lang Lehrer am Gymnasium in Bergkamen. Daneben rege Schreibtätigkeit. Inzwischen fast 50 Einzelpublikationen: Romane, Erzähl- und Gedichtbände, Kinder- und Jugendbücher. Zuletzt erschienen der Ruhrgebietsroman „Saitenwechsel“ und der Krimi „Angonoka“, der sich mit den üblen Machenschaften der Tiermafia auseinandersetzt. Peuckmann hat auch einen Roman geschrieben, der in Unna spielt, weil er sich dieser Stadt sein Schulzeiten verbunden fühlt. „Heimkehr“ heißt der Roman, der einen Soziologieprofessor für einen Vortrag nach vielen Jahren zurück in seine Heimatstadt Unna führt, wo er ermordet wird. Gelegentlich fliegt Peuckmann nach China und hält an Universitäten in Shanghai und Xi´an Vorträge über deutsche Literatur vor chinesischen Germanistikstudenten. Inzwischen kennt er sich dort so gut aus, dass er über China geschrieben hat, unter anderem den Liebesroman „Rückkehr nach Shanghai“. Peuckmann ist Mitglied im Schriftstellerverband, in der Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ und im PEN-Zentrum Deutschland, in dem er vor einem Jahr ins Präsidium gewählt wurde.

Heinrich Peuckmann, geb. 1949 in Kamen. Besuch des Aufbaugymnasiums in Unna, Abitur 1968. Viele Jahre lang Lehrer am Gymnasium in Bergkamen. Daneben rege Schreibtätigkeit. Inzwischen fast 50 Einzelpublikationen: Romane, Erzähl- und Gedichtbände, Kinder- und Jugendbücher. Zuletzt erschienen der Ruhrgebietsroman „Saitenwechsel“ und der Krimi „Angonoka“, der sich mit den üblen Machenschaften der Tiermafia auseinandersetzt. Peuckmann hat auch einen Roman geschrieben, der in Unna spielt, weil er sich dieser Stadt sein Schulzeiten verbunden fühlt. „Heimkehr“ heißt der Roman, der einen Soziologieprofessor für einen Vortrag nach vielen Jahren zurück in seine Heimatstadt Unna führt, wo er ermordet wird. Gelegentlich fliegt Peuckmann nach China und hält an Universitäten in Shanghai und Xi´an Vorträge über deutsche Literatur vor chinesischen Germanistikstudenten. Inzwischen kennt er sich dort so gut aus, dass er über China geschrieben hat, unter anderem den Liebesroman „Rückkehr nach Shanghai“.
Peuckmann ist Mitglied im Schriftstellerverband, in der Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ und im PEN-Zentrum Deutschland, in dem er vor einem Jahr ins Präsidium gewählt wurde.

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