Unterm Rathausturm: Michael Grzeschista verlässt die SPD und besteht auf sein Mandat im Hagener Rat

Hagen. Womit hat Hagen es nur verdient? Nach über 30 Jahren macht einem Bericht im lokalkompass zu Folge Michael Grzeschista, nun ehemaliger SPD-Ortsvereinsvorsitzender in Eilpe, wahr, was er vor Tagen angekündigt hatte. Er werde die gerade erst frisch vom Wähler bestimmte SPD-Ratsfraktion verlassen. Das sei Folge der vergangenen Klausurtagung , heißt es. 

Die Kommunalpolitik ist in ihrer Nachwahl-Findungsphase von gewisser Inkontinuität geprägt. Im Kreise der Sozialdemokraten hätte man eigentlich erwarten können, dass sie selbstbewusst und insofern gelassen in ihre eigene Konstituierung übergehen. Stattdessen sind auch sie nun völlig mit sich selbst beschäftigt und seit Michael Grzeschista offensichtlicher Tiefenverletzung auch noch reduziert, und das nach einer Art Wahlerfolg.

 Dass „man in der SPD Hagen endlich wieder anders mit den Mitgliedern umgeht“, hofft  Michael Grzeschista laut lokalkompass. „Endlich“, das lässt vermuten, dass in der Hagener SPD die Umgangsformen seit geraumer Zeit weitab vom Stimmigen sind. „Hoffen“, das lässt auf wenig ausgeprägte Zuversicht schließen. Und mit der Nennung der SPD Hagen wird innerhalb der großen Partei eine so konkrete Verortung ausgesprochen, dass keine Zweifel mehr aufkommen können, wo was nicht mehr stimmt.

Unsouveräner Umgang mit dem sicher als anstrengend anzusehenden Peter Demnitz, vorwahlkämpferisches Personal-Trara mit arg amateurhafter Begleitmusik, mitten im Wahlkampf ein Parteiaustritt wie ein Fußtritt ins Funktionärsgesäß: Gerold Vogel, Gewerkschafter-Denkmal,  viele Jahre Betriebsratsvorsitzender bei Hoesch Hohenlimburg und Europäischer Betriebsratsvorsitzender der ThyssenKrupp AG stellte nach 22 Jahren Parteizugehörigkeit fest: “Das ist nicht mehr meine SPD!”

Und nun meldet sich Michael Grzeschista ab, demnächst, wie er ankündigte, auch aus der Partei. Angeblich sieht er sein neues Ziel in einer Zusammenarbeit mit der FDP. Die personelle Erneuerung in der Sozialdemokratie ist sicher vielerorts angezeigt, dass sie sich in Hagen dergestalt vollzieht, dass ein mählicher Mitgliederschwund mit ihr einher geht, wirkt irgendwie absurd bis kontraproduktiv.

Das Ratsmandat wird Michael Grzeschista behalten: „Ich bin sehr darin bestärkt worden, meine Arbeit für die Stadt Hagen fortzusetzen“, wird er im lokalkompass zitiert. Mal sehen, wie die Partei den Verlust von 30 Jahren Ratsarbeit wegsteckt, vor allem, da diese Erfahrung dem Rat der Stadt erhalten bleibt.

Hagens SPD zeigt nach wie vor wenig konstruktive Inhaltlichkeit, dafür umso mehr denkwürdige Umbaubemühungen, denen es aber an einer lesbaren Handschrift fehlt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.