Hagener Theater, Wechselbälger wandern willkürlich durch die Parteienkulisse

Hagen. Es muss ein Virus sein, oder was ähnliches. Kaum sind die kommunalen Wahlen vorüber, kaum offenbaren sich den mittelmäßigen unter den mäßigen Mitgliedern von Hagens demokratisch gewählten Vertretungen die offensichtlichen Folgen der neuen Konstellationen, schon überfällt einen Teil von ihnen die plötzliche Erkenntnis: „Ups, ich habe ja für die falsche Partei kandidiert!“

Jacques Kempkens, der noch während des Wahlkampfes ganz Aktiv für Hagen war, robbte sich jetzt auch Siegfried Piotrowski, dessen unvergleichliche Liberalität noch vor Wochen über jeden Zweifel erhaben war, nach einer offenkundigen Infektion mit dem Erreger der blitzartigen Hellsichtigkeit bei der „Alternative für Deutschland “ ans Standbein und bereicherte deren Mitgliedschaft um seine Anwesenheit. Damit der Herr Kempkens nicht so allein bei denen ist, vielleicht. Kempkens hatte sich kurz zuvor noch zum stellvertretenden Stellvertretenden Bezirksbürgermeister  für Hagen-Mitte wählen lassen, hat aber inzwischen von dem Job Abstand genommen. Siegfried Piotrowski mangelt es zwar sehr an kommunalpolitischer Prominenz, für die schwindsüchtige FDP reichte es aber, ihn als Direktkandidaten für den Wahlkreis 13 (Kabel/Bathey/Garenfeld) zu nominieren.

Nun ist de AFD nicht gerade in einer Situation, auf Neumitglieder verzichten zu können, aber es hat den Anschein, als seien sie bereit, wirklich alles zu nehmen, was so auf dem Markt frei wird. Da sie inhaltlich ohnehin kaum konturierbar ist, hauptsächlich dadurch auffällt, dass im Zusammenhang mit ihr immer häufiger mit dem Begriff „Rechtspopulismus“ operiert wird, schert es sie natürlich wenig, dass Neumitglieder, so deren Person denn das Interesse der Medien weckt, inhaltlich nichts Entscheidendes zu bieten haben.

Es stört sie auch wenig, dass bei diesem Nachwahl-Bäumchen-Wechsel-Dich-Gehopse der ohnehin schwindenden Wählerschar ein Bild der Beliebigkeit von Partei und Person vorgespielt wird. Da plappert man von Würfeln, die schon vor der Wahl gefallen seien, oder schwatzt von internen Ereignissen, die nicht näher bezeichnet werden, die aber unüberbrückbare Gräben ausgeschachtet hätten – was soll’s, unglaubwürdig bleibt das alles und unwürdig sowieso.

Bei den Wählerinnen und Wählern bleibt indes haften:

  • Für unsere Probleme interessiert sich ohnehin keiner.
  • Respektvoller Umgang mit demokratischen Gremien ist nicht mehr gefragt.
  • Politisches Interesse amateurhafter Individualinteressenvertreter fokussiert sich auf persönliche Interessen der jeweiligen Person.
  • „Gemeinwohlverpflichtung“ bewegt sich in die Nähe eines Begriffes aus irgendeinem außerirdischem Sprachraum.

Was in den vergangenen Wochen so alles geboten wurde, ist mit beschämend nur unzureichend beschrieben. Und provinziell reicht auch nicht aus.

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