Erik ist jetzt O = Oberbürgermeister von Hagen

Hagen. Wer es als Überraschung wahrgenommen hatte, dass Erik O. Schulz (so, nun sag ich es deutlich, das O. schenke ich mir jetzt endgültig) am 15. Juni 2014 einen souveränen Erfolg bei den Stichwahlen ums Oberbürgermeisteramt in Hagen einfuhr, der war ebenso realitätsfern wie Düsseldorfer, die überzeugt blieben, dass ihr famoser Dirk sich gegen seinen sozialdemokratischen Herausforderer Thomas Geisel durchsetzen würde. Erik Schulz fackelte eine professionelle und durchdachte Kampagne ab, korrigierte Fehler und Mängel in deren Verlauf beinahe unmerklich, versprach nichts, was er nicht halten würde (um es deutlich zu sagen, klugerweise versprach er so gut wie nichts, das sich konkret fassen ließe) und sandte die Signale von Dynamik, Kompetenz und Entschlossenheit in die Wählerschaft. Und so räumte er mit einem soliden Vorsprung ab.

Horst Wisotzki war ein ehrenwerter Gegner, wirkte stets fair und grundsolide, aber konnte kaum ausgleichen, was ihn umrankte: Es gelang weder ihm noch der ihn begleitenden SPD so etwas wie Aufbruch oder Neuorientierung zu vermitteln. Die Hagener SPD gerierte sich durch ihr Führungspersonal entweder prollend als verbaler Haudrauf oder mächtelnd bis hin zum billigenden Akzeptieren personell ursozialdemokratischen Substanzverlustes: Wie im Falle von Gerold Vogel, wahres Gewerkschafter-Denkmal,  viele Jahre Betriebsratsvorsitzender bei Hoesch Hohenlimburg und Europäischer Betriebsratsvorsitzender der ThyssenKrupp AG. Wenn so einer nach 22 Jahren Parteizugehörigkeit sagt: „Das ist nicht mehr meine SPD“, dann sollte jedermensch darüber ernsthaft nachdenken, wie der wohl zu einer solch schwerwiegenden Erkenntnis gelangen konnte.

Erik Schulz zieht nun als OB ins Rathaus ein. Er wird sich das wohl überlegt haben, denn da wartet eine Aufgabe auf ihn, die Modellathleten bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit fordern würde. Die jamaiköse Unterstützerriege des Wahlkampfes wird er beieinander halten müssen, was schwer genug sein dürfte. Mehrheiten zu zimmern für inhaltlich-realistische Wege aus der bejammernswerten Lage der Stadt Hagen, das wird seine Herkulesarbeit tagtäglich werden. Und es sei ihm eine glückliche Hand gewünscht, dass dies so oft wie möglich gelingt. Und a l l e n Parteien sei gewünscht, dass sie beim Handeln für Hagen helfen und nicht nach jedem sich bietenden Knüppel fahnden, dass man sie zwischen vermeintlich gegnerische Beine schmeißt.

Denn eines braucht Hagen, brauchen alle Städte und Gemeinden in ähnlicher Situation auf keinen Fall: Parteien, die sich um ihrer selbst und der Karrierechancen Einzelner Willen ins politische Katzbalgen stürzen und dabei die wahren Probleme in ihrer Stadt ungelöst lassen.

Ich bleibe bei meiner alten Erkenntnis: Das Unwichtigste an der Kommunalpolitik sind die kommunalen Politiker, das Wichtigste sind die Menschen in den Städten, für die sie antreten, kommunale Politik zu machen.

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