Buchdruck, Buchbinden, Buch lesen – Eine Verwechslung macht noch niemanden Qualitäts unfähig

Nun muss ich ja mal die Kolleginnen und Kollegen von heute etwas in Schutz nehmen. Las ich heute im doppelwacholder, dass die heimischen Gazetten (eigentlich ist es ja nur noch eine aus dem Hause Funke in Essen) eine Veranstaltung im Freilichtmuseum angekündigt hätten, bei der es um die Geschichte der Handwerkskunst des Buchbindens gehe. Blöderweise stand aber in besagten Gazetten, die ja eigentlich nur noch eine ist, etwas vom Buchdruck, was ganz und gar nicht dem entsprach, das im Freilichtmuseum gewürdigt werden sollte.

Kühn schloss der Verfasser nun von der BuchbindenBuchdruckenVerwechslung auf den mählichen Verlust an Qualitätsjournalismus in der Republik im Allgemeinen und in Hagen im besonderen. Es ginge bergab, lautete sein Fazit, und auf Journalisten, die qualifiziert ihrer Arbeit nachgingen, könne man ja anscheinend auch verzichten.

Nun bin ich weit entfernt davon, die persönliche Feststellung zu treffen, dass die Qualität in den Medien ganz allgemein seit meiner aktiven Zeit zu sprunghaften Gipfelstürmen geneigt hätte. Zu solchem geben statistisierende Fußballkommentatoren der Neuzeit ebenso wenig Anlass wie devote Propaganda-Follower der Polit-Szene. Ich vermute mal, die Zeitunger an täglich erscheinenden Printmedien können eigentlich mehr, dürfen aber nicht so viel, weil Zeit Geld ist und das wollen die Banken verdienen, denen die Verlage unterwürfig sind, weil die Verleger da Geld geliehen haben, und man den Machern kaum Zeit lässt, sich der Qualität des Produktes, das sie täglich mit mehr oder minder geschliffenen Zeilen füllen, ausreichend zu widmen. Aber es erscheint mir mehr als verwegen, noch dazu unter Namensnennung einzelner Mitarbeiter und dazugehöriger -innen, aus der doofen Verwechslung zu schließen, dass natürlich Verfasser oder dazugehörige -in von Qualität frei durch ihre tägliche Arbeit marschierten.

„Wer Tippfehler findet, darf sie behalten!“ Meine stets wiederkehrende Antwort, wenn Leser und…  (Sie erraten es) und dazugehörige -innen mich meinten darauf aufmerksam machen zu müssen, dass da oder dort ein Komma fehle. Die BuchbindenBuchdruckenVerwechslung kann doch nun wirklich zwischen zwei oder mehr Telefonaten zur Welt gekommen sein, die Autorin oder Autor führten, während der Beitrag entstand und die Tatsache, dass sie, die Verwechslung niemandem auffiel, kann ja auch daher rühren, dass niemandem mehr Zeit blieb, in aller Seelenruhe mal Korrektur zu lesen, weil Zeit ja Geld ist und sie den Gebern ihrer Arbeitskraft von den Nehmern der selben nicht gewährt wird.

Wem das alles zu kompliziert sein sollte, dem empfehle ich mal einen Tag Hospitanz mit eigener Aktivierung in einer Redaktion. Ein kritischer Lokalpolitiker ließ sich mal auf dieses Experiment in meiner Redaktion ein, mit der Folge, dass er am Arbeitstagsende, als wir gemeinsam noch ein Pils genossen nach Luft schnappte und in der Folge seinen Parteifreunden gern verklickerte, sie mögen doch mal erst mitmachen, bevor sie allzu voreilig urteilten.

Es hat sich vieles verändert bei den Tageszeitungen, das meiste davon führte nicht zu einer erkennbaren Verbesserung der Verhältnisse, jedenfalls nicht für die Beschäftigten, und die sind es nach wie vor, die das Produkt fertigen. Klar, auch die Verlegerseite hat sich verändert und meist nachweislich nicht zum Besseren, und auch die Geschäftsführer werden immer kurioser – bis hin dazu, dass sie Zeitungen meucheln und hohle Titel erscheinen lassen oder ihre journalistischen Beschäftigte öffentlich derart beschimpfen, dass man glauben möchte, sie hätten den Verstand verloren.

Wie dem auch sei: Ich vermeide es nach wie vor peinlich von einer Dusseligkeit Einzelner darauf zu schließen, dass alles dusselig sei, was ein Berufsstand so ausbrütet. Sonst müsste ich ja auch glauben, dass die gesamte deutsche Kommunalpolitik unzurechnungsfähig sei, nur weil der eine oder die andere Person, die eine solche vor Ort – wo immer der auch sei – repräsentiert, so wirkt, als sei ihm oder ihr der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen.

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