GEDANKEN, DIE SICH KARL FELDKAMP GERN MACHT: Unerkennbare Rechtsabbieger

Als Teilnehmer des öffentlichen Straßenverkehrs fällt nicht nur mir in den letzten Jahren immer häufiger auf, dass viele Autofahrer es nicht mehr für nötig erachten, beim Abbiegen jenes Signal zu geben, das zumeist aufwendig designte Blinkleuchten rund um ihr Fahrzeug ermöglichen. Einfach ausgedrückt: Jene blinken nicht, wenn Sie abbiegen wollen.

Selbst Fahrer von Nobelkarossen, die sich dadurch als Person und mit ihrem überteuren Auto fahrlässig in Unfallgefahr begeben, verzichten darauf. Sie gefährden durch diese Unterlassung nicht nur sich, sondern natürlich auch andere Verkehrsteilnehmer, die raten müssen, wohin die Fahrt wohl gehen könnte.

Auch in Politik und Gesellschaft wird es offenbar schwieriger, die weltanschaulich-politische Richtung gewisser deutscher Bundesbürger eindeutig auszumachen.

Waren einst Glatzen, Bomberjacken, Springerstiefel und Heil-Gebrüll unverwechselbares Richtungszeichen, neigen Rechte und Rechtsradikale heute zu wesentlich leiseren Tönen und tarnen sich mit unauffällig legerer Freizeitkleidung, mit Nadelstreifenanzügen oder gar mit Accessoires der Linken.

Nun verkleiden sich allerdings nicht unbedingt jene, die einst uniformiert und mit eindeutigen Kurz- oder Nichthaarfrisuren auftraten. Nein, es gibt offenbar inzwischen eine intellektuellere Abart rechter Denkweise, die in gehobeneren Gesellschaftskreisen um sich zu greifen scheint.

Gerade vor und nach den letzten Kommunal- und Europa-Wahlen beeinflusst, so lässt sich  vermuten, die Angst vor Fremden, aber besonders vor Geld- und Besitzverlust nachhaltig  ehemals vermeintlich differenziertere Denker.

Das einstige Problem eher bildungsferner europäischer Bürger macht sich mit vordergründig einsehbaren finanziellen und wirtschaftlichen Erklärungen immer häufiger auf den Weg ins verlustangstbesetzte Bildungs- und Besitzbürgertum.

Blicke durch den Angsttunnel, so erscheint es mir, verringern den Horizont sowie die Umsichtigkeit und beschränken damit die Vielfalt der denkbaren weniger von Angst gelenkten Möglichkeiten.

So lautet das neue Credo jener vermeintlich gebildeten Angstbesetzten: Europa den Europäern, aber bitte nicht denen der ärmeren europäischen Nachbarstaaten. Und selbstverständlich schon gar nicht den armen und damit extrem habgierigen potentiellen Migranten.

Habgierig sind wir schließlich selbst. Allerdings wollen wir besseren Deutschen – zum Beispiel – ganz und gar rechtmäßig nur das behalten, was ohnehin in unserem Besitz ist, selbst wenn wir es nicht immer mit moralisch zu rechtfertigenden Mitteln erworben haben.

Wer – wie wir – tatsächlich etwas von Wachstum, Wirtschaft und Konjunktur versteht, der kann Europa doch nicht gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verlieren überlassen.

Sollten sich die heimlichen Rechtsabbieger weiterhin, ohne den Richtungsanzeiger zu bedienen, durch Gesellschaft und Politik schlängeln, werden sich Zusammenstöße mit jenen kaum vermeiden lassen, die immer noch an die moralische Gradlinigkeit gewisser Eliten glauben. Manche werden ihnen, da sie derart seriös daherkommen, sogar blind folgen.

Da sind mir die ungetarnten neonazistischen Marschierer fast lieber als jene aus der Mitte nach rechts außen schleichenden vermeintlichen Bildungsbürger…

Karl Feldkamp wurde 1943 in Lübeck geboren und lebt seit 2011 In Engelskirchen-Wallefeld. Er schreibt Lyrik, Prosa, Satire, Aphorismen und Rezensionen. Bisher veröffentlichte er 5 Bücher, (darunter AngstAugen, Dittrich Verlag, Köln 1997) ein E-Book, ein Hörspiel sowie Lyrik und Prosa im In- und Ausland in Literaturzeitschriften, Schulbüchern, Anthologien und im Rundfunk. 2 Bücher gab er zudem heraus. Er erhielt den Xylos-Lyrikpreis 1981, 2009 den Preis des Stadtverbandes Kultur Bergisch Gladbach Der Bopp. Er ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller (VS) sowie in diversen Kulturinitiativen. Sein Motto: Bei jedem Irrtum gewinnt die Wahrheit Zeit.

Karl Feldkamp wurde 1943 in Lübeck geboren und lebt seit 2011 In Engelskirchen-Wallefeld. Er schreibt Lyrik, Prosa, Satire, Aphorismen und Rezensionen. Bisher veröffentlichte er 5 Bücher, (darunter AngstAugen, Dittrich Verlag, Köln 1997) ein E-Book, ein Hörspiel sowie Lyrik und Prosa im In- und Ausland in Literaturzeitschriften, Schulbüchern, Anthologien und im Rundfunk.
2 Bücher gab er zudem heraus. Er erhielt den Xylos-Lyrikpreis 1981, 2009 den Preis des Stadtverbandes Kultur Bergisch Gladbach Der Bopp. Er ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller (VS) sowie in diversen Kulturinitiativen. Sein Motto: Bei jedem Irrtum gewinnt die Wahrheit Zeit.

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