Fußball-WM ohne Korruption ist wie Tour de France ohne Doping: Also ein Witz

Nun wogt er ständig höher, der Streit, wird es immer mehr ideologisierte Auseinandersetzungen über die political correctness der FIFA-WM in Brasilien geben, werden zumindest temporär Freundschaften schier zerklüftet wegen der individuellen Meinungsverschiedenheit darüber, ob mensch angesichts des offen klaffenden Armuts-Canyons zwischen den Mehrheitsbrasilianern und den Minderheitsmillionären auf den Fußballfeldern überhaupt im TV zugucken darf oder in eine individuelle Totalverweigerung fliehen muss.

Ich frage mal anders. Wann hätte es in der Vergangenheit mal eine fleckenfreie Weltmeisterschaft egal in welcher sportlichen Disziplin gegeben? Ist nicht im Zusammenhang mit irgendeinem weltumspannenden Wettbewerb das Verlangen nach political correctness am Austragungsort nahezu ebenso drollig wie die Forderung, eine Tour de France habe gefälligst frei von Dopingmitteln stattzufinden? Oder ähnlich lächerlich wie die Bedingung an die FIFA, sich von jeglicher Form der Korruption zu entblattern?

1978 wurde Argentinien Weltmeister im eigenen Land und jeder, der etwas vom Fußball verstand, fragte sich: Warum eigentlich? Damals fragte keiner danach, wie korrekt sich politisch die Gastgeber ihren Menschen gegenüber verhielten. Klar, das war ’ne Diktatur, na und? Hat ja auch nur wenige gestört, das mal Olympische Spiele während eines in deutscher Sprache für uns leicht verständlichen Faschismus stattfanden.

Also, warum denn nun Auseinandersetzungen führen, wenn es nach Brasilien geht? Oder nach Quatar, oder sonstwo hin? Jeder weiß, dass es – sieht man mal von den Spielern während eines Spiels ab – dass es beim internationalen Kick ausschließlich ums Geld geht. 2006 meinten FIFA-Blatteristen, in Dortmund müsse das U von der Westfalenhalle montiert werden, weil sich Plörre-Brauer in Atlanta möglicherweise in ihren exklusiven Werberechten gestört fühlen könnten. Ganz allgemein wollte man Werbung für Milch nicht zulassen, auch da drohten die Cokeser mit Einspruch. Dabei ist Milch nach bundesdeutschem Recht gar kein Getränk, sondern ein Lebensmittel. Um Sport geht doch schon ganz lange nichts mehr so richtig.

Also machen wir den Quatsch mit und haben Spaß oder wir lassen es und grummeln ungehört unseren Protest in eine Welt, die den ohnehin der versteht noch hören will. Und vor allem tun wir alle nicht so, als wäre die Entdeckung des politisch korrekten Verhaltens eine Erfindung von heute und nur weniger, ideologisch wertvoller Menschen.

Ball heil, hurra, Borussia!

 

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