And the Winner is …: Tops und Flops einer unterhaltsamen Kampagne

Hagen. Nun sind es nur noch zwei Tage, dann öffnen die Wahllokale. Kleine Bilanz gefällig? Ihr könnt euch ja sowieso nicht wehren, was frage ich also. Nach dem jüngsten Bundestagswahlkampf kürte ich René Röspels Plakat zum eindeutigen Sieger in Sachen authtentisch-sympathisches Lächeln. Diesmal erweitere ich die Kategorien mal und erhebe keinen Anspruch auf Objektivität, lupenreine Parteilichkeit (ist ja bekannt, was ich von Muttermilch her bin) und auch nicht auf komplette Wahrnehmung aller Angebote, die mir als Mann, der durch die Stadt geht (war mal ’ne wunderbare Kolumne von Hans Kumbier in der Unnaer WR) gemacht wurden.

Beste Kampagne

Das ist einfach gut, siegt man vom für Betrachter erst zu erfassenden Wortspiel ab. Sich mit Multiplikatoren zeigen, die Botschaft, dass auch deren Follower um Unterstützung gebeten werden, ist gelungen.

Das ist einfach gut, sieht man von dem  Wortspiel ab. Sich mit Multiplikatoren zeigen, die Botschaft, dass auch deren Follower um Unterstützung gebeten werden, ist gelungen.

 

Er begann holperig, sein Auftakt-Plakat war ziemlich daneben (das war der Kandidat im Gespräch mit Bürgern, die er nicht anschaut, sondern den Passanten), aber dann steigerte sich der Vielparteien-Kandidat Erik O. Schulz (ist dieses „O.“ schön, wenn man es phonetisch direkt ans „k“ pappt) mächtig. Die Plakate wurden besser, seine Präsenz bei facebook näherte sich dem Vorbildlichen, plakative Auftritte mit gut ausgewählten Multiplikatoren bereicherten das Wahlkampfbild, öffentliche Auftritte wurden allgemein als souverän geschidert. Mein Essig im Wein verdünnte sich, nur die Skepsis wegen der Beliebigkeit des OB-Kandidaten, der nun mal vor Amtsantritt (der mir wahrscheinlich erscheint) durch den vorangegangenen Parteiaustritt wetterleuchten ließ, dass ihm Allparteien-Zusammenarbeit zumindest mit seiner alten SPD nicht so sehr am Herzen liegt, diese Skepsis bleibt.

Schlechteste Kampagne

Sieht man mal davon ab, dass auch vernachlässigbare und nur isoliert wählbare (Europa gab’s ja auch noch zu umkämpfen) Parteien in der Schlacht standen, gibt’s da gleich mehrere, die einer Aufzählung wert wären. MLPD beispielsweise, die rempeln sich faustreckend durch Wählerinnen und Wähler und streuen die Botschaft: „Wählt uns bloß nicht! Wir wollen unter uns bleiben!“

Wer solche Texte aufs Plakat bringt, will nicht gewählt werden. Unwesentlich besser macht es die LINKE. - Fotos: Rudi Bernhardt

Wer solche Texte aufs Plakat bringt, will nicht gewählt werden. Unwesentlich besser macht es die LINKE. – Fotos: Rudi Bernhardt

Oder Bürger für Hagen, denen Plakate serviert wurden, die nur durch den unübersehbaren Farbstich bestachen. Oder auch die LINKE, deren Forderungen und Slogans sich mit den mangelnden Plakat-Qualität darum stritten, wer von beiden wohl schlechter wäre.

Aber es waren ja auch etablierte Parteien unter denen, die richtig in die Tonne gegriffen haben. Meine SPD muss ich leider dazu zählen, weil da anscheinend Ratgebende am Werk waren, die auch von den politischen Gegnern hätten finanziert sein können. Nur bei den Portraitplakaten für die einzelnen Wahlkreiskandidaten und -innen gab es nicht zu mäkeln. Beispiel:

Bestes Plakat

Geht doch. Gutes Foto, alle Infos drauf und durch und durch Sympathie weckend - für Partei und Portrait.

Geht doch. Gutes Foto, alle Infos drauf und durch und durch Sympathie weckend – für Partei und Portrait.

Aber, um mal ganz neutral zu bleiben, Nesrin Öcal hat scharfe Konkurrenz. Rein vom professionellen Standpunkt liegt – gilt aber nur für die Europawahl – eine gewisse Kanzlerin mit ihr gleichauf.

Bestes Plakat

Absolute Klasse, was eine gute Fotograf, deren virtuose Beherrschung des Adobe Photoshop (CS 6, vermute ich) für dieses Plakat von Angela Merkel geleistet hat. Es ist das beste, das ich je von ihr gesehen habe.

Blödester Slogan

Den Vogel aber abgeschossen hatte die wirtschaftswissende FDP, die irgendwie bei jedem Slogan und jeder wahlkämperischen Forderung ins Grenzdebile driftete. „Bürger schützen, statt nur blitzen!“, war ihr Meisterstück. Deshalb kann ich auch nur posaunen: … and the winner is“ … die Partei mit den Pünktchen. Erik O. Schulz wäre überfordert gewesen, hätte er gleich drei Parteien gute Anregungen geben müssen, wie sie sich am gescheitesten präsentieren können.

Warum eigentlich, frage ich mich schon seit Beginn dieser Kampagne, kandidierte der nicht komplett auf eigenes Ticket, wäre doch auch eine coole Nummer gewesen? Hätte er auch nicht aus der SPD austreten müssen und sich garantiert jede Menge Stimmen abholen können. Einst machte es mein Freund Willi Stodollik in Lünen erfolgreich vor. Fragen über Fragen.

Das sympathischste Lächeln

Da liegt natürlich Nesrin Öcal (weiter oben) ganz vorn. Aber ich lasse sie mal außer Konkurrenz laufen, weil sie schon das beste Plakat ziert. Grundsympathisch und geradezu väterlich blickte Horst Wisotzki, der OB-Kandidat der SPD, auf jeden Betrachter seiner Werbemittel. Dass sein Bild miserabel in’s Plakat eingepasst wurde, dass er nicht weniger schlecht fotografiert wurde, bzw. nach der Fotografie ein schlechter Bildauschnitt gewählt wurde, dafür kann er ja nichts. Horst Wisotzkis freundliches Lächeln war das netteste dieser Kampagne.

Horst Wisotzki in Neuauflage. Wer nur beschert dem freundlichen Herrn solche Werbemittel?

Horst Wisotzki in Neuauflage. Wer nur bescherte dem freundlichen Herrn nur solche lieblos gestalteten Werbemittel?

Beitragsbild: Eindeutig der blödeste Slogan dieser Kampagne, fast neige ich dazu ihn als blödesten aller Kampagnen bisher zu bezeichnen, er kam von Hagens FDP.

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