Warum Dieter Nimzyk vor 50 Jahren SPD-Mitglied wurde: Mein Vater wurde ins KZ gesperrt!

Unna. Jubilare habe ich ja schon so manche geehrt, früher. Ich selbst wurde unlängst zum 2. Mal als ein solcher öffentlich beschrieben. Beim Stadtmusikkorps auf dem Breitenbach-Gelände hatte die SPD-Oberstadt sich wirklich jede Menge Mühe gegeben und dem (endlich) strahlenden Maiwetter noch zusätzlich ein schönes Ambiente beigegeben, dass die langjährigen Mitglieder der Partei auch gehörig Wohlfühlstimmung erfuhren. Der Noch-EU-Abgeordnete Bernhard Rapkay, Landtagsabgeordneter Hartmut Ganzke, Stadtverbandsvorsitzender Volker König, sie bildeten die Laudatoren-Troika und hatten richtig zu tun, denn da waren einige zu ehren für ihre Treue zur SPD.

Viele altgewohnte und sehr vertraute Gesichter taten gut, und sie Zuversicht gebend zu sehen war gut. Manche neue und Hoffnung gebende waren unter der zahlreichen Gästeschar auszumachen. Und es fehlten auch manche (sie waren verhindert an diesem Sonntag), die ich allzu gern begrüßt hätte und deren Wärme mich nun schon 40 Jahre und länger begleitet. Aber es war für alle, die dabei sein konnten, ein schöner Vormittag, auf den zu verzichten man sicher bedauert hätte. Und am Ende des offiziellen Teils klampfte Rolf Stöckel das Steigerlied, und wir sangen alle gemeinsam vom Arschleder und Schnapsdurst der Gründerväter unserer Region. Otto Mehrke brauchte keinen Zettel mit dem Text, er kann das immer noch auswendig.

Und dann war da noch der Moment, da ich gerade eben die Körperbeherrschung wahren konnte. Dieter Nimzyk, der gemeinsam mit Friedhelm Rediger, Heinrich Kampmann und Wolfgang Schubert 200 Jahre SPD-Geschichte und beharrlicher Zugehörigkeit zu einer Partei des Ausgleichs und der Solidarität verkörpert, er hatte nahezu aus dem Ärmel schüttelnd sein Antwort auf die Frage parat, was ihn denn zum Beitritt in die SPD damals bewegt habe: „Mein Vater war schon in den 1930-er Jahren im KZ!“ Begründung genug! Was sind da 40 Jahre, was zählen noch inhaltlich ausformulierte Gründe, es zählt der Wille, nie wieder zulassen zu wollen, was dem Vater geschah.

Kiron verschläft den historischen Moment. Mutter Marina-Maria, Opa Werner und Papa Jan begrüßen ihn mit Bernhard Rapkay als jüngstes Mitglied der Unnaer SPD. - Fotos: Rudi Bernhardt

Kiron verschläft den historischen Moment. Mutter Marina-Maria, Opa Werner und Papa Jan begrüßen ihn mit Bernhard Rapkay als jüngstes Mitglied der Unnaer SPD. – Fotos: Rudi Bernhardt

Doch der heimlich Star zählte erst drei Lebensmonate. Kiron heißt er und wurde an diesem Morgen Mitglied der SPD. Sein frisches Parteibuch wurde von allen Anwesenden unterschrieben, politische Paten sozusagen. Der Vater Jan Kern wiegte den Säugling zärtlich auf dem Arm, der diese historische Minute selig verschlief. Und Opa Werner lächelte glücklich, denn hier wurde eine Tradition fortgesetzt. Er hatte ebenfalls seine Söhne einst von Geburt an zu Muttermilchsozen gemacht. Im Alter von 16 Jahren (heute 14) konnten sie dann entscheiden, ob sie es bleiben wollten. Bleibt Kiron es, wird er im zarten Alter von 50 Jahren dereinst Goldjubilar sein.

„Als mich damals die Parteibürokraten darauf aufmerksam machen wollten, dass diese frühe Mitgliedschaft aber nicht Rechtens sei, habe ich denen nur gesagt, dass dann eben 16 Jahre Beitragszahlung auch nicht mehr zählten und ich das Geld zurückfordern werde“, grinst der unnachahmliche Werner anschließend am Buffet. „Ich habe nie wieder was von denen gehört!“

40 Jahre … uih. Bisschen wehmütig war mir beim Rückweg schon, dass diese lange Zeitspanne so wacker vorüber gegangen ist, war doch erst – na, höchstens vorgestern. Aber egal, weiter geht’s, und ich mach das mal anders und sage meiner Großfamilie was: Danke, SPD!

10 Jahre:
Jung Simone
Beisenherz Ludwig
Gischas- Hörnke Monika
Sakowski Elisabeth
Ludwig Melanie
Hartung Renate
Kailuweit Britta

 

25 Jahre:
Dreisbusch Bernd
Rüdiger Annette
Thomae Achim
Hoffmann Manfred
Winkelkötter Dirk
Grassat Hans-Dieter
Kutter Uwe
Klappholz Ulrike
Schauder Jürgen
Sprigade Michael
Gesing Marion

 

40Jahre:
Bernhardt Rudolf
Schürmann Karl-Heinz
Thiel Dieter
Wolfkuehler Wolfgang
Hermansen Klaus
Pross Gerhard
Neuenstein Heinrich
Burgemeister Willi
Hartmann Karl-Heinz
Voss Hubert
Hütter Hermann
Hoffmann Michael
Wessel Horst
Koslowski Hildegard
Hoffmann Eleonore
Horstmann Adalbert
Zülch Anneliese
Pitthoff Lothar

 

50 Jahre:
Rediger Friedhelm
Kampmann Heinrich
Schubert Wolfgang
Nimzyk Dieter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.