Chapeau, Peter Demnitz: Der letzte SPD-OB Hagens verlässt nach 36 Jahren seine Partei

Hagen. Chapeau, Peter Demnitz! Es ist einen Tag her, da wurde ich für 40-jährige Mitgliedschaft in der Partei geehrt, aus der du gerade nach 36 Jahren ausgetreten bist. Nun, ich würde das nicht tun, selbst, wenn ich das wenig beneidenswerte Pech hätte, dem Unterbezirk Hagen anzugehören. Wohlgemerkt: An dessen vielen Mitgliedern (könnten ein paar mehr sein) habe ich nichts auszusetzen, aber dessen anführende Boy-Group ist bestenfalls belächelnswert bis (wie in deinem Fall) final ärgerlich. Aber einen positiven Aspekt hat dein Schritt : Er macht ganz breit öffentlich, dass in Hagen mit verdienten Genossinnen und Genossen umgegangen wird, als seien sie Kericht, den man vor die Türe schaufeln muss.

Wie gesagt, ich träte niemals aus, meine sozialdemokratische Muttermilchspenderin in Sachen Politikbewusstsein hat mal versucht, mich loszuwerden, was aber nicht gelang, weil zuviel Solidarität aus der Mitgliedschaft für uns (einer davon wurde Landesminister) den damaligen Allwissenden entgegen schlug. Verständlicherweise verlässt man eine Partei mit solch‘ großartigen Mitgliedern nicht.

Aber nachvollziehbar ist das, was Peter Demnitz tat. Nachvollziehbar ist auch sein Zorn gegenüber denen, die sich nicht daran erinnern wollen, dass Menschen sich einmal Verdienste um eine sozialdemokratische Partei und damit auch um deren Emporstebende von heute gemacht haben. Nachvollziehbar ist auch die scharfe Kritik an den amateurhaften Diskretionen in Sachen der Dezernenten-Neubesetzung. Und angesichts der mühsam von einer unbeugsamen Mitgliedschaft aufrecht erhaltenen Wahl-Kampagne, die stellenweise den Eindruck vermittelt, als wolle man gar nicht gewinnen, ist es auch nachvollziehbar, dass ein Peter Demnitz seinen Austritt so inszeniert, damit in der Stadt, deren Oberbürgermeister er mal war, noch ein paar Wertebewahrer wach werden können.

Die Boy-Group wird es nicht so wirklich stören, dazu sind ihre sozialdemokratischen Fasern zu sparsam ausgeprägt, sie sehen die Partei mehr als eine Karriere-Plattform an. Offen wird längst gezwitschert, dass diejenigen, die heute noch – relativ jung – aber den Weg zu Positionen verstellen, die Group-Members besetzen wollen, bereits ins Visier genommen sind. Und die machen ihren Job an den Stellen, wo sie Politik gestalten, nachweislich recht gut. Was den Schluss zulässt, dass es im Focus nur darum geht, die eigene Leiter zu klettern und nicht darum, dass die SPD in Hagen aus Hagen hochwertiges Personal in höhere Parlamente schickt.

Und auch das macht den Schritt von Peter Demnitz nachvollziehbar. Als Hagener Einwohner mit parteipolitischer Außenansicht gelingt es mir kaum, fassungslos den Kopf zu schütteln. Aber die Mitglieder der örtlichen Partei tun mir leid, daher sei ihnen und Peter Demnitz ein herzhaftes Glückauf gegönnt.

1 comment for “Chapeau, Peter Demnitz: Der letzte SPD-OB Hagens verlässt nach 36 Jahren seine Partei

  1. 23. Mai 2014 at 10:41

    Ich kenne die Hagener SPD und auch die Boygroup, eine Katastrophe, wirklich eine Katastrophe! Mit Sozialdemokratie hat das, was da abläuft, nichts mehr zu tun.
    Gut erinnere ich mich noch daran, was da alles ablief als sich 1997 die Hagener Schwusos gründete ungefähr genau das, was jetzt dort in Hagen abläuft. Bedrohungen, Einschüchterungen, Androhungen von Unterlassungsklagen durch kostspielige Anwälte (nicht Hagener) gegen aufsässige Mitglieder, (politische) Hinrichtung einer bürgernahen Bürgermeisterin, nicht wegen Inhalte, nein weil man den Posten brauchte. Und bitte, ich war bestimmt keine Freundin von Peter Demnitz, aber diesmal ziehe ich den Hut vor seinem Schritt! Aber ist es in Berlin so völlig anders????? „Schlammschlacht der Genossinnen“ titelte eine Zeitung weil ich für den Mindestlohn eintrat – gegen eine amtierende Stadträtin und einen „Genosse Boss“. Die Basis der SPD sollte sich besinnen und schauen, was wirklich los ist, sonst ist die Volkspartei bald eine 18% Gurkentruppe.

    Anmerkung der Redaktion: Zuschriften entsprechen nicht in jedem Fall der Meinung der Redaktion. Das Recht auf Kürzungen ist ebenso vorbehalten wie die redaktionelle Überarbeitung.

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