Es ist 25 Jahre her, da wurde Nobby der unvergessliche „Held von Berlin“

Pott/Unna/Berlin. Vor genau 25 Jahren um diese Zeit begann mein Lampenfieber auch so zu steigen. Damals reisten Horst Köppel und der BVB Richtung Berlin, um dort gegen Werder Bremen anzutreten. Bremen war seinerzeit nahe der Unschlagbarkeit, Dortmund nahm gerade Anlauf, den ersten Höhenflug neuer Zeitrechnung anzutreten. Der unvergleichliche Norbert Dickel langte zweimal zu und leitete damit zwar sein verletzungsbedingtes Karriereende ein, aber auch den Triumph seiner Mannschaft. Ich höre ihn heute noch so gern, wenn er schäumend begeistert und für jedermensch hörbar das bienenfleißige Geschehen auf dem Rasen kommentiert.

Und da der BVB zu den Vereinen zählt, ja eigentlich der einzige seiner Art ohnehin ist, die aber gern historische Daten für den allseits bejubelten Erfolg wählt, ist nach meinem Gefühl ein neuerlicher, vielleicht noch triumphalerer möglich. Hach, was wäre das schön, was hätte das Pep und wäre das eine Höchststrafe für den steuerlich so inkompetenten Multimillionär in Landsberg am Lech.

Vor 25 Jahren wollte ich in der Woche drauf mit meinem Freund Uli Seliger sprechen, das gelang nur rudimentär, weil der immer noch keinen Ton aus seinen Stimmbändern quetschen konnte, der einigermaßen verständlich war. Sobald mir in diesen Tagen dann jemand – häufig waren die in Dortmund angesiedelt – seine Antworten ähnlich einem Don Vito Corleone ins Ohr knarzte, stellte ich die Frage: „Auch in Berlin gewesen?“ Ein lächendes Jo war meist die Antwort.

Und noch Jahre später, als ich mal ein Weihnachtsessen mit den Eltern im“ Wittekindshof“ zu mir nahm, waren diese Ereignisse in Berlin präsent. Ich hatte mich vor die Türe getrollt zu eine zu qualmen (war schon damals ohne Gesetzgeber höflich) und japste schier fassungslos: „Da, da, da…!“ Durch die Glastüre hatte ich Nobby gesehen. Meine Begleiterin hielt mich und meinen Gesichtsausdruck für temporär schwachsinnig, ein netter kleiner Junge schaute mich mitleidig an. „Was’n?“ wurde ich gefragt. „Da, daaas ist der Held von Berlin“, stammelte ich zurück. „Nöööö,“ maulte frohgemut der Bengel. „Das ist mein Papa!“

Als ich Nobby die Geschichte mal erzählte, hat er sich königlich amüsiert.

Okay, der Nobby von 2014 ist Lewa, zwei Tore – mindestens – von ihm  wären nicht nur schön, sondern ein würdiges Abschiedsgeschenk für Fans und den Verein, der ihn zum Weltstar reifen ließ. Und Nobby wird vermutlich gemeinsam mit Jupp Schneck (mein alter Freund und Volontärskollege) stockheiser werden, weil sich das für Borussen in Berlin so gehört.

Jetzt muss ich mal was ganz Peinliches gestehen: Als ich mal eine Karte fürs Pokalfinale in Berlin geschenkt bekam, das war ein 30. November (mein Geburtstag), da flog der BVB aus dem Wettbewerb (wie so oft). Ich bin dennoch zum Finale gefahren und sah: „Eisern“ Union gegen die aus – na komm‘, ich sag’s – gegen die aus Schalke. Union führte kurzfristig mit 1:0, eine Sitznachbarin quittierte meinen Jubel säuerlich: „Mensch, nun gönnt uns doch wenigstens das!“ Sie waren in diesem Jahr 2001 „Meister der Herzen“ geworden, und die Nachbarin hatte, woran auch immer, erkannt, dass ich Dortmunder bin.

So, nun ist aber alles anders. Der Gegner heißt mal wieder Bayern, der liegt uns recht gut (das letzte Mal 5:2). Also ist Optimismus angesagt. Und wenn es nicht klappen sollte, dann ist wieder Schalke schuld: Denn heute Morgen sagte mein Schalker Freund für morgen ab, weil er krank ist. Verlieren wir – was ich für so wahrscheinlich halte, wie Steuerehrlichkeit bei Uli Hoeneß – fehlte er als gutes Omen aus der fußballerischen Nachbarschaft.

Beitragsbild: Am Vorabend des Pokalfinales, Freitag, 16. Mai 2014, begrüßte Bürgermeister Werner Kolter eine Gruppe Jugendlicher aus Estland. Die 32 Schülerinnen und Schüler eines deutschen Gymnasiums in Tallin waren für eine Woche Gäste des Pestalozzi-Gymnasiums in Unna. Neben verschiedenen interessanten Zielen, wie z.B. der Signal Iduna Park in Dortmund oder das NS Dokumentationszentrum in Köln stand auch ein Besuch des Unnaer Rathauses auf dem Programm. – Foto: Stadt Unna

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