30 Jahre und weder müde noch überflüssig: Die Werkstatt im Kreis Unna ist sozialpolitische Säule im regionalen Arbeitsmarkt

Unna. Keine Lehrstelle – kein Arbeitsplatz? Bei dieser elementaren Frage mit oft weitreichenden persönlichen Folgen ist die Werkstatt im Kreis Unna die 1. Adresse: Über 60.000 Menschen haben bisher die Angebote der größten regionalen Weiterbildungseinrichtung in Anspruch genommen. Jetzt feiert die Werkstatt Geburtstag. 30 Jahre jung wird die „Werkstatt im Kreis Unna“ – eine ungewöhnliche Firma mir rund 200 Angestellten. Eigentlich ein „freier Träger“ und Mitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes wird die Werkstatt von der Kreisstadt und den Nachbarkommunen als „unverzichtbarer Motor der sozialen Stadt“ genutzt.

So sehen auch die Aufsichtsratsmitglieder der Werkstatt im Kreis Unna das eigene Unternehmen. Es übernehme seit 3 Jahrzehnten eine Vorbildrolle in der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik, erklären Wilfried Bartmann, langjähriger Vorsitzender der Werkstatt, sowie Peter Sylvester, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, die beide schon bei der Gründung mit Pate standen. „Wir wollen und werden uns auch nach 30 Jahren nicht damit abfinden, dass trotz eines wirtschaftlichen Aufschwungs gerade benachteiligte Jugendliche hier nach der Schule keine Stelle und Ausbildung finden“, sagt die Werkstatt-Vorsitzende Heike Gutzmerow.

„Ein Unternehmen, das im Aufsichtsrat alle kommunalen Kräfte bündelt, ohne kommunale Tochter zu sein“, diese Konstruktion habe sich bewährt, so lobt Aufsichtsrat Michael Hofmann: „Die städtischen Gelder für die Werkstatt sind hervorragend investiert. Mit diesem Geld mobilisieren wir jährlich rund 10 Mio. Euro, um benachteiligten Menschen eine Chance zu geben.“ Besonders bedeutsam sei dabei, dass die Unterstützung der Werkstatt stets im Partei übergreifenden Konsens erfolgt ist. Dass die Werkstatt gerade für Menschen, die sonst keine Chancen hätten, „Perspektiven schafft“, würdigt Franz-Josef Klems (Freie Liste Unna), der als langjähriger Unternehmer und ehrenamtlicher Spendensammler für arme Kinder täglich mit dem Problem befasst ist. „Ohne die Werkstatt würden wir noch mehr Menschen aus der jungen Generation verlieren“, ist Franz-Josef Klems zutiefst überzeugt vom gesellschaftlichen Nutzen der Einrichtung.

Zudem verbinde die Werkstatt wirksam die Bildung und Beschäftigung für jährlich rund 3.000 Menschen mit Investitionen in die soziale Infrastruktur, bilanziert Unnas Sozialdezernent Uwe Kutter: „Jugendliche, die beim Bau von Spielplätzen oder der Skaterbahn ihre beruflichen Fähigkeiten testen und entwickeln, Erwachsene, die beim Catering unserer Kindergärten und in der Pflege in Krankenhäusern den Wiedereinstieg schaffen – das sind wirkliche Synergieeffekte, die eigentlich niemand bezahlen kann.“ Kutter und die Aufsichtsräte sind auch stolz darauf: Zahlreiche Modellprojekte hat die Werkstatt entwickelt. Parallel ergänzt sie das Angebot der Schulstadt Unna: Das Werkstatt Berufskolleg arbeitet seit 2013 mit 120 Berufsschülerinnen und – schülern in fünf Klassen.

Gemeinsam mit der heimischen Wirtschaft – das Bildungsunternehmen kooperiert mit 1.500 Firmen – würden hier Brücken gebaut, um „möglichst allen Menschen unserer Kommune die Teilhabe an Ausbildung, Arbeit und sozialem Leben zu ermöglichen“, sagt die Aufsichtsrätin Dagmar Kayser-Passmann (CDU), als Steuerberaterin täglich mit harten Finanzfragen konfrontiert: „In der Werkstatt werden keine unsinnigen Warteschleifen gedreht, hier werden Menschen fit für die Anforderungen der Betriebe und für den 1. Arbeitsmarkt gemacht.“ Was ihr wichtig ist: Jeder Euro für die Werkstatt vermeidet damit soziale Kosten für Menschen, die sonst auf Transferleistungen und kommunale Hilfen angewiesen sind.

Zum Feiern hat die Werkstatt eigentlich keine Zeit. So kommt NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider am 29. August nicht einfach als Gastredner zum Geburtstag: Der Minister würdigt den Erfolg der Produktionsschule, die die Werkstatt einst mit Hilfe von Jobcenter und Land als Modell entwickelt hat. Inzwischen ist das Angebot mehrfach kopiert und von der Bundesagentur für Arbeit als „Berufsvorbereitung Pro“ zum Regelangebot für Jugendliche geworden, die in anderen Bildungseinrichtungen keine Perspektive fanden.

Termin: Im August feiert die Werkstatt mit dem Landesarbeitsminister Guntram Schneider und vielen Partnern 30 Jahre ihrer Arbeit. Parallel informiert eine Ausstellung in der Bürgerhalle über die Arbeit des Unnaer Bildungsunternehmens.

Die Leistungsdaten: 1.100 Ausbildungs- und Weiterbildungsplätze bietet die Werkstatt im Kreis Unna heute an, sie erreicht damit jährlich rund 3.000 Menschen. Darüber hinaus arbeitet sie mit 20 Schulen zusammen. Über 2000 Schüler werden sich so mit Hilfe der Werkstatt beruflich orientieren.

Die berufspraktische Qualifizierung findet in 20 Berufsfeldern statt, mit 1.500 Betrieben arbeitet die Werkstatt dabei eng zusammen. Mit einem kommunalen Zuschuss von 650.000 Euro fördern die Stadt Unna (jährlich 500.000 Euro) sowie Bönen, Holzwickede und Fröndenberg das Unternehmen. Die Werkstatt aktiviert dafür jährlich 10 Mio. Umsatz, den größten Teil aus Landes-, Bundes- und EU-Arbeitsmarkttöpfen, für die Region. 190 Beschäftigte sind bei der Werkstatt aktiv.

Beitragsbild: Günter Klumpp

1 comment for “30 Jahre und weder müde noch überflüssig: Die Werkstatt im Kreis Unna ist sozialpolitische Säule im regionalen Arbeitsmarkt

  1. 8. Mai 2014 at 17:42

    …na dann gratuliere ich auch ganz herzlich zum Geburtstag, und das meine ich ehrlich!

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