Vom Rennpferd zu pfeilschnellen Tauben: Jürgen Malte Markhoff züchtet sich in die Erfolgsspur

Schwerte/Welver. Das 20. Jahrhundert war wohl so rund 69 Jahre alt. Genau so volljährig wie Jürgen Malte Markhoff, als er eine Leidenschaft für Tauben und deren untrüglichen Kompass während eines Heimfluges für sich ausmachte. Damals lernte ich den künstlernden Journalisten (!), den schreibenden Künstler (?), okay, einigen wir uns auf den kunstvoll treffliche Artikel verfassenden Schwerter Chronisten, kennen.

Ich enterte damals die Redaktionsräume der ach so ruhigen Nachrichten (Zusatz: Schwerter Zeitung) in der hübschen, aber von Einbahnstraßen zerfurchten Stadt an der Ruhr, die seinerzeit noch dem Kreis Iserlohn angehörte (heute MK). Da saßen Chef Malte und der leider allzu früh verstorbene Klaus Mendel (besonders gut konnte er Lokalsport, aber noch viel mehr) und irgendwann am Tage, aber täglich auch Rosel Linner, begnadete „Newshen“ (Nachrichtenhenne=Nachrichtenbeschafferin) und machten das für mich bis dato Beeindruckendste an lokaler Zeitung.

Malte Markhoff sollte fortan mein absolutes Vorbild werden. Ich begann mich sogar dabei zu erwischen, dass ich seine Gestik nachahmte oder versuchte (blieb bestimmt bei dem Versuch) zu kopieren, wie er in seiner bedächtigen und ultra-genauen Weise 1:1-Formulare für RN-Satzspiegel bemalte. Die pädagogisch aufmunternden Korrekturen an meinem Schreibstil, die erläuternden Tipps, wie man korrekt eine Zeitungsseite aufteilt, dass sie dem Leser, der Leserin später ebenso überschaubar wie liebkosend fürs Betrachterauge in den Briefkasten gestopft wurde, sie gaben mir im ersten Volontärsjahr wegbereitende Prägungen mit auf den inzwischen hinter mir liegenden Berufsweg.

Seine Leidenschaft galt noch nicht völlig rückhaltlos den Pferden, aber Pferdestärken, die saßen unter der Haube eines MG Midget II (wenn meine Erinnerung mich trügt, korrigiere mich, Malte), und er konnte mich selig machen, wenn ich mal mitfahren durfte (geiles Teil). Auch die „Renner der Lüfte“ waren noch nicht sein finales Ding. Aber von beiden erzählte er. Und bei den Einzelheiten in Sachen Taubensport lernte ich manches, womit ich manchen später verblüffte. Die Sachen mit den Pferden hatte ich alsbald vergessen, „Fury“ war schon früher nicht meine liebste Serie.

Und kürzlich sah ich im fratzebuch, dass Malte sich über Tauben-Nachwuchs in seiner Zucht gewaltig freute. Ich fragte neugierig nach, und um mich schlauer zu machen, verwies er auf seinen Blog markhoff.me, wo er übers Landleben zwischen Pferden und Tauben berichtet. Ich las mit Spannung, Malte schreibt:

Der Anfang: Ein neues Hobby für den 69-Jjährigen

Es hat mir niemand erzählt, dass man erstmal fünf Schläge bauen sollte, bevor Tauben angeschafft werden. […]

Was ging denn da ab? Ich versuchte mir diese Frage mit dem Internet zu beantworten und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Tauben, die soviel kosten wie  Rennpferde (der Rekord liegt inzwischen -Frühjahr 2011 – bei 156 000 € für den “Blauen Prinzen”) – und für noch mehr Geld von den Belgiern an Deutsche, Japaner, Amerikaner und vor allen Dingen an Chinesen versteigert werden. Und deren Geschwister dann bevorzugt im Alter von wenigen Wochen per Flugzeug in aller Herren Länder verschickt werden, um gleich in ihrem ersten Jahr unter absolut gleichen Bedingungen ( die während aller bei uns üblichen Wettflüge immer ein Wunschtraum bleiben) bei den sogenannten One-Loft-Rennen um gehörige Sieggelder und viel Ruhm für ihre Züchter zu fliegen.

Da hatte sich abseits der Öffentlichkeit international eine Szene entwickelt, die sich bis auf Tauben und teilnehmende Züchter überhaupt nicht mehr mit den Zuständen in Deutschland vergleichen läßt. Hier in Deutschland dümpelt der Taubensport am Rande des Vergessens, stirbt unaufhaltsam mit seinen betagten Anhängern. Alle Organisationen vom Verein, der manchmal auch nur noch aus einem Mitglied besteht, bis hin zum Verband können sich kaum mehr mit der sparsamen Öffentlichkeitsarbeit von Freimaurerlogen vergleichen. Woher sollen da Neuzugänge kommen.

Auch mir waren die Tauben während meiner Pennälerjahre und im Berufsleben regelrecht aus den Augen geraten. Obwohl sie mir als Journalisten durchaus in den Themenkreis gepasst hätten. Ich hab über das Aus-Sexen der Küken durch die Japaner geschrieben. Ich bin nach einer Serie über die moderne Rinderzucht mit einem Preis der Landwirtschaft gekört worden. Doch die Tauben kamen mir nie in den Sinn.

Dabei hatte ich bereits im Vorschulalter Tauben. Die zahmste von ihnen, ein Dunkelgehämmerter, musste mit auf „Tour“ in unserem Kinderzirkus und hüpfte dann in irgendwelchen Scheunen naher ländlicher Ortschaften über die Rücken aufgestellter Lexika-Reihen. An Gummiringe und eine teure Uhr war nicht zu denken. Und die Tauben sorgten nach wenigen Monaten für ein Festessen der Familie, weil der kleine Schlag auf der Loggia des Miethauses den Nachbarn nicht verborgen blieb. […]

Kleine Bilanz des vierten Jahres: 2011

Jetzt (21-1-12) wurden die ersten neuen Tauben beringt. Da wird es langsam mal Zeit, eine kleine Bilanz des vergangenen Jahres zu ziehen. Ich errang die Bronze-Medaille bei den Jungtauben. Dagegen reichte es diesmal nur zu einer Derby-Medaille, weil die Konkurrenz zahlreicher wurde – die Kollegen waren nicht mehr so knauserig bei den Einsätzen wie in der Vergangenheit.
Auch im dritten Jahr meines Taubensports ist noch reichlich Luft nach oben. Ohnehin wird es bei meiner Lage innerhalb der RV reichlich schwierig sein, Anschluss an die Spitze zu finden. Dafür mache ich auch immer noch – teilweise durch den verbesserungswürdigen Schlag – zuviele Fehler.
Kurzum: Ich stand nach meiner ersten Saison an 89. Stelle von hundert Züchtern. 2011 war es schon besser:

11. VB-Jungtaubenmeisterschaft
10. RV-Jährigen-Weibchenmeisterschaft
12. RV-Weibchenmeisterschaft

Und ohne zwei technische Handicaps hätte es noch besser ausgesehen. Auf dem letzten Altflug wurden meine Tauben nicht eingekorbt, weil die Uhr an zwei Einsatz-Antennen nicht funktionierte. Zum Jungflug hatte ich dann eine neue Anlage. Doch sie registrierte keine Ankunft, weil ein Kabel defekt war…“

Ich sehe, da arbeitet sich ein Profi systematisch in den eigenen Erfolg. Jürgen Malte Markhoff macht gern ganze Sachen, ob als musischer, als journalistischer, hippophiler oder columbaphiler Mensch.

Beitragsbild von Jürgen Malte Markhoff: Die junge Garde: Langsam wechselt sie vom beängstigenden Schwalben-Flug zur Schwarm-Formation…

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