Erinnerung an eine alte Überschrift: „Der Mai ist verkommen!“

Ich erinnere mich an eine Überschrift, die ich angelegen der Eindrücke eines Maifeiertages einst aus dem ganzen Fundus meiner Garstigkeit kramte: „Der Mai ist verkommen“. Anlass gab mir damals das endzeitliche Abschmettern eines Spielmannszuges, der nach kraftvollen Worten und kämpferischen Parolen eines Gewerkschaftsführers munter intonierte: „Ja, und im Wald, da sind die Räuhäuber… „

Das also sollte das akustische Finale eines Kampftages der Arbeiter sein? Jo, war’s wohl. Und es musizierte symbolisch auch etwas vom Zeitgeist ins unschuldige Chronistenohr: Mit lustiger Folklore beenden wir das tradierte Arbeiterfrontgedusel (ist ja auch nur Folklore) und blasen zur Tagesfreizeit, die am 1. Mai schon mit der Morgendämmerung beginnt.

„Haymarket Riot“, Chicago, August Spies, 1. Mai 1886, Stichworte zur Entstehung des Internationalen Arbeiterkampftages. Der Aufruf zur Kundgebung am 4. Mai, der damals verfasst wurde, erschien noch zweisprachig, Englisch und Deutsch und der Haymarket wurde „Heumarkt“ benannt.

Am Kundgebungstag warf jemand eine Bombe, unter den Dutzend Toten war auch ein Polizist, da Anarchisten zu den Rednern zählten wurden die sogleich mit dem Bombardier verbunden, sieben Todesurteile gab es, eines davon traf August Spies, den Chefredakteur der sozialistischen Arbeiterzeitung. Proteste gegen die Urteile nach unbewiesenen Vorwürfen und Zusammenhängen mit dem Attentat u.a. von George Bernhard Shaw und Pjotr Kropotkin verhallten ungehört. August Spies werden die Worte zugeordnet: „Man kann nicht ewig wie ein Stück Vieh leben!“

Das war die Geburt des Maifeiertages. Viele folgten und lange litten diejenigen, die ihn mit Entschlossenheit begingen. Ja, und es war auch ein Tag zum Feiern, denn eine Zeitlang gab’s fünf Mark (’nen Heiermann) Maigeld, die dazu dienten, im wahren Wortsinne die heimische Wirtschaft anzukurbeln.

Tapfer werden viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auch am 1. Mai 2014 in den Internationalen Tag der Arbeit ziehen, auf zahllosen Kundgebungen für die Rechte der abhängig Beschäftigten streiten. Sie werden sich und ihre Anliegen mit Recht ernst nehmen.

Und das ist gut so! Sie allein können es sein, die bewirken, dass ihre politischen Arme zukünftig nicht erlahmen werden, denn das dürfen sie nicht. Das Kapital und dessen ausführende Arme sind im Laufe der vielen Jahrzehnte seit dem ersten 1. Mai nicht schwächer geworden, sie gehen allenfalls intelligenter zu Werke.

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