Gedanken, die sich Karl Feldkamp gern macht: Vergangenheitsbewältigung

Die Zukunft liegt hinter mir. Ohne es zu bemerken,  muss ich sie irgendwann eingeholt haben. So wünsche ich es mir jedenfalls. Dann könnten Geschäftemacher und Politiker mir ihren Fortschritt nicht mehr als Attraktion verkaufen.

Unverdrossen lebe ich jetzt humaneren Zeiten entgegen, in denen selbst von Kaufleuten nicht mehr alles nur mit Zahlen und Zahlungsmitteln gemessen wird.

Als Helfer rückschrittlicher Statistikfanatiker kann dann selbst der komfortabelste und schnellste Computer, der bekanntlich nur immer bis zwei zählt, Menschen und ihre Lebensäußerungen nicht weiter auf jene eingeschränkte Zählweise einschränken.

Doch zurzeit sind vor allem Statistiken für jene Wirtschaftsfortschrittler anerkannte Zaubermittel, mit denen Politik gemacht und Gewinne gemessen werden. Fast nichts ist für einen heutigen Politiker ehrenrühriger als der Vorwurf, nicht die neuesten Zahlen der Meinungsforscher zu kennen.

Kann der politische Gegner neuere Zahlen präsentieren, hat er damit alle gerade noch aktuellen Argumente unhinterfragbar widerlegt.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig die angeblich aktuelleren Zahlen hinterfragt werden. Sie können allenfalls von noch neueren überholt werden. Und das von Mal zu Mal schneller, da die Computer ständig neue Zahlenkombinationen ausspucken, die der schlaue Politstratege umgehend per Handy abfragen kann.

Ein unglaublich rückschrittliches System, das außer an bereits vorhandenen Statistiken kaum etwas ändert.

Dieser von Soziologen und Statistikern beförderte Zahlenfetischismus mit seiner Sucht nach Geschwindigkeit, Größe und Gewinn gibt das vermeintlich immer schneller zunehmende Tempo der Zukunft an. Sinnvolles und gründliches Nachdenken über menschliche Zukunftswerte wird dadurch gezielt vermindert. Wozu selber denken, wenn der Computer ohnehin die besseren Argumente liefert?

Der moderne Menschentyp der wirtschaftsaufschwungsorientierten Zukunft liebt nicht den Fortschritt sondern das Fortrennen.

Menschlichem Tempo angemessen fortzuschreiten und genau diesen rasenden Zahlenwahn als unheilvolle Vergangenheit zu bewältigen, wäre ein Angriff gegen alle Rekordversuche von Ökonomen und Politstrategen.

Natürlich wollen auch sie keinesfalls der Vergangenheit angehören. Im Gegenteil. Trendsetter wollen sie sein und bleiben, damit ihre Geschäfte die erfolgreichsten und ihre politischen Ideen die zukunftsträchtigsten bleiben.

Folglich brauchen sie elektronische Hilfsmittel, die sie und ihren Wissenzuwachs noch schneller, noch größer und damit unüberholbar machen, denn ihre  Zukunft findet bekanntlich nur auf der Überholspur statt.

Der eigentlich viel modernere und gelassenere Zeitgenosse fristet menschlichem Maßstäben folgend mit gesenktem Blutdruck und ruhiger Herzfrequenz auf Parkplätzen oder in Raststätten sein gemächlich gemütlich gesundes Dasein.

Und an ihm vorbei rasen die vermeintlich Zukünftigen ihren körperlichen und psychischen Unfällen entgegen.

 

Karl Feldkamp wurde 1943 in Lübeck geboren und lebt seit 2011 In Engelskirchen-Wallefeld. Er schreibt Lyrik, Prosa, Satire, Aphorismen und Rezensionen. Bisher veröffentlichte er 5 Bücher, (darunter AngstAugen, Dittrich Verlag, Köln 1997) ein E-Book, ein Hörspiel sowie Lyrik und Prosa im In- und Ausland in Literaturzeitschriften, Schulbüchern, Anthologien und im Rundfunk. 2 Bücher gab er zudem heraus. Er erhielt den Xylos-Lyrikpreis 1981, 2009 den Preis des Stadtverbandes Kultur Bergisch Gladbach Der Bopp. Er ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller (VS) sowie in diversen Kulturinitiativen. Sein Motto: Bei jedem Irrtum gewinnt die Wahrheit Zeit.

Karl Feldkamp wurde 1943 in Lübeck geboren und lebt seit 2011 In Engelskirchen-Wallefeld. Er schreibt Lyrik, Prosa, Satire, Aphorismen und Rezensionen. Bisher veröffentlichte er 5 Bücher, (darunter AngstAugen, Dittrich Verlag, Köln 1997) ein E-Book, ein Hörspiel sowie Lyrik und Prosa im In- und Ausland in Literaturzeitschriften, Schulbüchern, Anthologien und im Rundfunk.
2 Bücher gab er zudem heraus. Er erhielt den Xylos-Lyrikpreis 1981, 2009 den Preis des Stadtverbandes Kultur Bergisch Gladbach Der Bopp. Er ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller (VS) sowie in diversen Kulturinitiativen. Sein Motto: Bei jedem Irrtum gewinnt die Wahrheit Zeit.

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