Menno, die Zeit vergeht: Nun ist Wilhelm Dördelmann schon 70!

Unna. Ich musste wohl gerade begonnen haben, mich in Unnas Gesellschaft einzukuscheln, und ich hatte wohl auch meinen Jungredakteursspaß an der Überschrift:… Die -männer kommen, irgendwas in der Art. Weil mehrere Frischlinge im Rat der Stadt die Endung „mann“ im Nachnamen trugen. Einer davon wurde ein sehr guter und treuer Freunde: der spätere, langjährige Bürgermeister Wilhelm Dördelmann, und der wird heute, 15. April 2014, damals noch fast unvorstellbare 70 Jahre alt. Wie ich von ihm weiß, ist er aus diesem Anlass an einen mir bekannten Ort geflohen, daher auf diesem auch von ihm gern genutzten Wege: Alles Gute, beste Gesundheit und feier schön mit deiner Lilo, Willm!

Altbürgermeister Wilhelm Dördelmann

Wilhelm Dördelmann

 

 

 

 

 

 

 

Ja, wir haben viel miteinander und manchmal auch beieinander erlebt. Wir hockten zusammen bei Axel Sedlack und sponnen wunderliche Pläne für eine kulturelle Zukunft der Stadt, wir kramten gemeinsam mit Uli Böhme Mehrheiten zusammen, dass er Stellvertretender Bürgermeister wurde. Wir bastelten ihm ein gelungenes Drehbuch, dass er als Unnaer Bürgermeister beim ZDF-Wettbewerb um den Titel der Kulturstadt Deutschlands mit bekanntem Erfolg in Berlin umsetzte. Nebenbei, ich sumpfte damals eine Nacht lang mit ZDF-Kulturredakteur Alexander U. Martens durch Unna und briefte ihn am feuchten Ende, er möge Willm doch während seines obligatorischen Interviews fragen, was denn aus diesem fantastischen Schornstein auf dem Gelände der Lindenbrauerei werde.

Und da war Wilhelm in seinem Element: Der müsse natürlich erhalten bleiben, visionierte er vor Millionenpublikum. Und, was geschah? Der Turm steht noch heute und trägt das Meisterwerk von Mario Merz leuchtend über die Stadt: die Fibonacci-Reihe. Alexander wäre mächtig stolz, wüsste er, dass er das bewirkt hatte.

Zahlreiche Wahlstrategien bereiteten wir in dem traumhaften Garten in Lünern vor, wo der Baum steht, auf dessen knorrigen Ästen er als Kind gern saß und die Gedanken schwärmen ließ. Einmal raunte er auch von einer wunderbaren Frau, die er später heiraten sollte und mit ihr zwei wunderbare Kinder großzog.

Bis in manch tiefe Nacht hockten wir am Schreibtisch, nippten an manchem Glase und feilten Formulierungen, dass sie in gesprochenem Wort treffend dem Auditorium Standpunkte und Überzeugungen klarmachten. Und ich lernte, dass eine gescheite Rede in unserer Region mit einem herzhaften Glückauf zu enden hat… und ich lernte noch viel, viel mehr von meinem Freund.

Historisches Foto: Kurz vor der entscheidenden Stichwahl zwischen Wilhelm und Volker Weidner fotogtrafierte ich den Bürgermeister mit Billi Reina, damals Stürmerstar beim BVB, dem Verein, dessen uneingeschränkte Fan-Freundschaft Wilhelms galt. Kurz vor dem Heimspiel wünschte der liebenswerte Italo-Unnaer seinem Stadtoberhaupt Glück. Wie's ausging wissen wir ja. (Foto: Rudi Bernhardt)

Historisches Foto: Kurz vor der entscheidenden Stichwahl zwischen Wilhelm und Volker Weidner fotogtrafierte ich den Bürgermeister mit Billi Reina, damals Stürmerstar beim BVB, dem Verein, dessen uneingeschränkte Fan-Freundschaft Wilhelms galt. Kurz vor dem Heimspiel wünschte der liebenswerte Italo-Unnaer seinem Stadtoberhaupt Glück. Wie’s ausging wissen wir ja. Übrigens: Auch Billi hat heute Geburtstag, er wird 42 Jahre alt. (Foto: Rudi Bernhardt)

Und auch an diesem widerwärtigen Sonntag im Herbst 1999 waren wir zusammen, wenn ich auch – dafür war ich geradezu dankbar – die finale Nachricht nicht miterlebte. Wilhelm, der so viele Jahre der Stadt Bestes in unterschiedlichen politischen Rollen gesucht hatte, ihm versagte die Wählerschaft den Wunsch, erster hauptamtlicher Bürgermeister zu werden. „Dass man verlieren kann, ist in einer Demokratie ausdrücklich erlaubt, man muss sich aber nicht darüber freuen.“ Das sagte er damals. Als wir uns in der Wahlnacht in den Armen lagen, sagte er nichts.

Er wurde nicht der erste hauptamtliche Bürgermeister Unnas, er legte seinen Ehrgeiz wieder in den angestammten Beruf als Tiefbauingenieur bei der Stadt Kamen. „Nun werde ich da bester Sachbearbeiter in dieser Stellung“, kündigte er leicht verbittert an. Hat er aber mit Sicherheit so gemacht, Spaß an halben Sachen hat er nicht.

Mhhh, klingt alles so als beschriebe ich den gemeinsamen Weg eines untadelig-perfekten Menschen mit meinen Trippelschritten. Nein, perfekt ist mein Willm nicht. Oft gab es Gelegenheit ihn in seinem Zorn daran erinnern zu müssen, dass Freunde mit ihm am Werk sind und keine Gegner. Ich mache auch eine Wette darauf, dass manch‘ Rathausmitarbeiter ins Schlottern geriet, wenn er ins Bürgermeister-Büro gerufen wurde. Dabei wollte der dem Mitarbeiter doch nur zum Geburtstag gratulieren. Und der eine oder andere Bürger hat sicher nach einem Gespräch nicht richtig unterscheiden können, ob das gerade engagierte Leidenschaft oder helle Empörung war, die Wilhelms Argumentation ihm gegenüber bewegt hatte.

Nun wird er 70, ist mir als Rentner Jahre voraus, genauso viele an Lebensjahren, steht davor, alsbald in seine zweite Rentner-Phase einzusteigen, die Ehrenbeamtenschaft als Ortsvorsteher in Lünern niederzulegen. Aber aktiv wird der Mann bleiben, da bin ich sicher. Und daher: Glückauf, lieber Wilhelm!

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