Der Tag, als unser Nino den Rat seiner Stadt nach 45 Jahren verließ

Unna. In der Ratssitzung am 10. April 2014 verabschiedete Bürgermeister Werner Kolter das langjährige Ratsmitglied Franz-Georg („Nino“) Matich. Der Rat zeichnete ihn für seine Verdienste um die Kreisstadt Unna mit dem Großen Historischen Stadtsiegel aus.

Bürgermeister Werner Kolter hatte Nino zu Ehren die Amtskette umgelegt.

Bürgermeister Werner Kolter hatte Nino zu Ehren die Amtskette umgelegt.

Soweit die offiziell tönende Saite. Der Tag, an dem Franz-Georg Matich, also Nino, denn nur seine Anneliese ruft ihn beim Taufnamen, der Tag, als er nach 45 arbeitsreichen Jahren von seinem Freund und Wegbegleiter, Bürgermeister Werner Kolter, aus dem Rat verabschiedet wurde, war in jeder Hinsicht ein besonderer.

Nino zu Ehren hatte Werner Kolter die Bürgermeisterkette angelegt, Nino zu Ehren war der Ratssaal gefüllt, als hätte die Stadt angekündigt, es werde alsbald eine Schule unwiderruflich geschlossen. Nino zu Ehren herrschte während der Feierstunde eine stille Aufmerksamkeit, als habe die Versammlung Sorge, dass der Bürgermeister nicht ausreichend Gehör finden könnte. Und erst als der Nino zu seinen Dankesworten anhub, leistete sich das Auditorium befreiende Gelächtern, was meinem Freund den Redefluss erleichterte. Denn dem knorrigen Bergmann war anzuhören, dass Klöße gleich Dutzendweise sperrig seine Sprache störten.

Und wer da alles miterleben wollte, wie Nino Matich ehrende Worte erfuhr, die er und seine Arbeit für Königsborn und die Stadt Unna verdient haben wie kaum ein anderer. Gleich im Fünfer-Pack trafen die Schwäger ein: Franz, Alois, Anton, Heinrich und Hubert – alle mit Nachnamen Kampmann und alle aus dem Doppeldorf Mühlhausen-Uelzen und alle dem Fußball des SSV verbunden, wo auch Nino mal gekickt hatte, als seineKnie vom harten Bergmannsberuf noch nicht so zerschlissen waren.

Der überfüllte Ratssaal - die Gäste erhoben sich und spendeten stehenden Applaus für Nino Matich.

Der überfüllte Ratssaal – die Gäste erhoben sich und spendeten stehenden Applaus für Nino Matich.

Wilhelm Dördelmann, Volker Weidner, die ehemaligen Bürgermeister Unnas, Wilfried Bartmann, viele Jahre Stellvertreter in diesem Amt, der ehemalige Stadtdirektor Klaus Dunker, Ninos Ratskollege über viele Jahre, Otto Mehrke, zwei alte Freunde aus der niederländischen Partnerstadt Waalwijk, René van Boxtel und Nol de Klein, Elke Küpper (früher Chefin im Ratsbüro), die eigentlich hätte ihren Geburtstag feiern sollen, sie alle wollten miterleben, was an Ninos letztem Tag als Unnaer Ratsmitglied geschah.

Werner Kolter verneigte sich in seiner Rede vor den Lebensleistung der Legende aus Königsborn, der mit vielen anderen jungen Leuten damals in die Unnaer Kommunalpolitik gedrängt sei, Wilhelm Dördelmann und der Massener Rainer Scheuer beispielsweise, weil die Nazis plötzlich im Rat der Stadt saßen. Ihnen den demokratischen Widerstand zu leisten, das war für Nino und seine Freunde der Anlass für ein Engagement an der Stadt und ihren Menschen, das dann schier zur Lebensaufgabe geriet. Und wenn man sich das Königsborn von heute anschaue, das sähe man überall handfeste Spuren, die der Kommunalpolitiker Nino Matich hinterlassen habe. Auch mit seiner Hilfe habe der Stadtteil eine großartige Entwicklung genommen.

Tapfer kämpfte Nino während seiner Dankesrede gegen die Klöße im Hals. Beigeordneter Uwe Kutter gab gern mentale Hilfestellung. (Fotos: Rudi Bernhardt)

Tapfer kämpfte Nino während seiner Dankesrede gegen die Klöße im Hals. Beigeordneter Uwe Kutter gab gern mentale Hilfestellung. (Fotos: Rudi Bernhardt)

„Ich habe der Stadt gedient, das könnt Ihr mir glauben!“

Mit diesem knappen Satz leitete Nino Matich seine letzte Rede im Rat ein.

„Ja, und wir haben die NPD demokratisch niedergeknüppelt!“ So nahm er in seiner stets griffigen Sprache Bezug auf des Vorredners Worte.

„Heinz Steffen, wir haben viel erreicht!“ Zu seinem Freund mit großer Bergbautraditon in der Familie gewandt, rühmte er das Blindvertrauen, das unter den Ratsmitgliedern im Stadtteil herrschte.

Großen Dank und einen Blumenstrauß gab es natürlich für Anneliese Matich, Ninos geduldige Ehefrau seit 53 Jahren.

Großen Dank und einen Blumenstrauß gab es natürlich für Anneliese Matich, Ninos geduldige Ehefrau seit 53 Jahren.

Und dann schaute er zu seiner Frau: „53 Jahre bin ich nun verheiratet. Sie (Anneliese) hat viel mit mir mitgemacht. Ich trinke ja gern mal ein Glas Pils. Und wenn ich mal mit dem Türschloss zu Hause nicht klar kam, hat sie mir immer geöffnet.“ Mühsam bewahrte Nino die Körperbeherrschung, aber er wollte unbedingt loswerden, wie sehr er seiner Frau, seiner Familie danken wollte.

Sebastian Laaser (Foto: Stadt Unna)

Sebastian Laaser (Foto: Stadt Unna)

„Und Dir, Sebastian (Laaser), du sitzt ja jetzt auf meinem Platz, das ist gut so, wünsche ich viel Glück.“ Sebastian Laaser, der, wie er selbst sagt in gewaltige Fußstapfen zu treten hat, dankte dem Hauer, der vom Querbalken des Verwaltungsvorstandes sprach. Neben dem Namensschild des Ratsneulinges, der im Anschluss offiziell verpflichtet wurde, lag eine kleine Schultüte. Lebenslanges Lernen ist sein Prinzip.

Begrüßungsgeschenk für den Frischling im Rat der Kreissstadt Unna.

Begrüßungsgeschenk für den Frischling im Rat der Kreissstadt Unna.

„Nicht was der Mensch will, geschieht, sondern was er tut!“ Schlusssatz des nachdenklichen Bergmanns aus Königsborn.

Und: „Werner, darf ich noch hier sitzen bleiben?“ Natürlich durfte er.

Gleich anschließend zog die Karawane weiter in den Katharinenhof, wo für Nino und alle Freunde noch ein Imbiss bereitstand, dass die Plauderei in lockerer Runde eine feste Grundlage bekam. Viele trafen sich strahlend wieder, tauschten aus, was sie heute so anstellen und wie früher es doch schön war. Mit Hubert schwelgte ich in Erinnerung an die Deutsche Amateurmeisterschaft des SSV in den frühen 1980-er Jahren, von Anton ließ ich mir erzählen, wie der junge Nino in jungen Jahren manchmal orientierungslos auf dem alten SSV-Platz stand und seine Mitspieler ihm den Weg zum Angriff in die korrekte Richtung wiesen … und dann fiel mir ein, dass auch der Vater der Kampmanns Anton hieß. Er sang mir gern bei Peter Gutowski sein Lied von „Bill“ vor, „der weiß , was er will …“

Nino wusste und weiß auch stets, was er will: mit einem Minimum an Reibungsverlusten und Streitereien im Rat das Beste für die Menschen und ihre Heimatstadt zu erreichen.

Mach’s gut, Hauer! Du und Deine herrlich direkte Art, ihr werdet im neuen Rat fehlen.

Zurück zum Offiziellen:

Franz-Georg Matich wurde am 9. November 1969 erstmals in den Rat gewählt und gehörte während seiner Amtszeit vom Schlachthofausschuss bis hin zum Haupt- und Finanzausschuss nahezu jedem städtischen Gremium an. Auch nach außen vertrat er die Kreisstadt Unna in zahlreichen Aufsichtsräten, Kommissionen und Gremien. Seinen Schwerpunkt legte der Königsborner Sozialdemokrat aber auf die bauliche Entwicklung Unnas. So amtierte er von 1979 bis 2004 als Vorsitzender des Bauausschusses.
Zum Auftakt der Wahlperiode 2009 führte Matich als Altersvorsitzender des Rates den wiedergewählten Bürgermeister Werner Kolter in sein Amt ein.

Als Ortsvorsteher kümmerte er sich seit 1975 um seinen Stadtteil Königsborn. Diese Funktion behält Matich auch nach seinem Ausscheiden aus dem Rat bei.

In einer persönlichen Rede erinnerte Bürgermeister Werner Kolter an die kommunalpolitische Tätigkeit von Nino Matich und dankte ihm stellvertretend für den gesamten Rat für seine herausragenden Verdienste um Unna. Als besondere Ehrung verlieh der Rat das Große Historische Stadtsiegel aus dem Jahr 1390. Wie man ihn kennt, dankte Matich kurz aber aussagekräftig seinen Mitstreitern in Politik und Verwaltung für die gute Zusammenarbeit. Mit dem Steigerlied verabschiedeten ihn seine Mitstreiter aus dem Rat.

Nino singt

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