Lars Reckermann, vom Pott in die Oschtalb

Unna/Ostalb. Er war einmal mein kollegialer Konkurrent, und das machte er verdammt gut. Er war auch mal mein Mitarbeiter, und auch dabei war er verdammt gut. Und dann wurde er der Lokalchef des Ladens, wo ich meine schönste Arbeitslebenszeit verbrachte, und auch da war er verdammt gut. Irgendwann stieg er zum stellvertretenden Chefredakteur der Westfälischen Rundschau auf, vermutlich war er auch in dieser Position verdammt gut, ich konnte es nicht so richtig beurteilen, weil ihm nur kurze Zeit blieb, es zu beweisen, denn ein allwissendes Management machte mal eben den Laden komplett dicht, „rettete“ den Titel und redete höhnischen Unsinn.

Die Rede ist von Lars Reckermann, dem Jungen aus Holzwickede, dessen Vater Friedel als FDP-Ratsherr mir gern freundschaftlich Rede und Antwort stand, als ich noch bei Lars‘ späterem Arbeitgeber beschäftigt war, dem Hellweger Anzeiger. Nun ist dieser Lars Reckermann seit geraumer Zeit wieder in Arbeit, was auch klasse ist, denn er ist noch viel zu jung, dass er mit ebenso junger Familie in eine Perspektivlosigkeit hätte taumeln dürfen.

So saß er eines Tages in einem Bewerbungsgespräch. Angenehm sei das gewesen, erzählt er. Und weiter: „Als ich hier (beim Vorstellungsgespräch) gefragt wurde, wie es sich so anfühle, im Internet mit „das war’s Lars“ bezeichnet zu werden, sagte ich, die Zeit sei die traurigste und schlimmste Zeit in meinen Berufsjahren gewesen und dass die Erinnerungen an die Rundschau höllisch schmerzen. Im Nachhinein sagte mir mein Geschäftsführer, dass er mich unter anderem deshalb genommen hat, weil ich ehrlich und menschlich auf diese Frage geantwortet habe.

Für mich ein Zeichen, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Es gilt eben doch noch, wenn Blut durch die Adern fließt und nicht nur Bilanzsummen. Ich mache jetzt das, was ich immer am liebsten gemacht habe: Lokaljournalismus. Und das in einer Gegend, in der andere Menschen  Urlaub machen. Ich nehme mich selbst nicht so ernst, lerne viel von den Schwaben und die Schwaben von den Westfalen. Win-Win würde ich sagen!“

In der Ostalb lebt und arbeitet er nun, das ist ganz tiefes Ländle, da liegt auch Heidenheim, die süddeutsche Partnerstadt von Döbeln, da hat man auf der Stelle Fan des Vereins für Rasenspiele Aalen 1921 e.V. zu werden, da lernt man flugs, dass es Oschtalb heißt und nix Hochdeutsches, „das wir sowie nicht können wollen“. Da war ich in der Nähe am Wochenende und suchte Anschluss ans schnelle Netz, vergebens, aber sie haben ein solches, angeblich.

Las Reckermanns Blog. (Banner: SchwäPo)

Las Reckermanns Blog. (Banner: SchwäPo)

Und, was macht der Lars da? Er ist nun seit einigen Monaten Chefredakteur der „SchwäbischePost“, und je länger ich mir das anschaue, desto mehr bin ich geneigt zu sagen: Das macht er wieder einmal verdammt gut!

Er wollte für dieses Portal immer mal ein paar Sätze übers Schicksal im Allgemeinen, seines im Besonderen schreiben, so ein wenig Gemütszustand nach einem fiesen Verlust und dem Neubeginn in Süddeutschland, wo er sich mundartlich ebenso radikal umgewöhnen musste wie ich, 1959, als ich von Stolberg bei Aachen kommend in Dortmund einfiel. Bisher hatte das noch nicht geklappt mit den autobiografischen Berichten (das O-Ton-Zitat oben erreichte mich gestern… klasse), was mich eigentlich ja auch beruhigt, denn er hat so viel zu tun, dass da offensichtlich wenig Raum bleibt. Und der Zeitung und ihrem wesentlich frischeren Stil als man hier oben glaubt, dass Zeitungen „da unten“ ihn haben, tut er gut.

„WestfAalen – vom Pott in die Oschtalb“ nannte er seinen persönlichen Teil des SchwäPo-Blogs. Die Leserinnen und Leser mögen ihn auf diesem Wege besser kennenlernen, bittet Lars.

Da schreibt er lustige Begebenheiten wie diese unter dem Titel „Samstag innen Garten“ – „Heute ist der 22. März, ein Samstag. Und es regnet. Das rettet mir die Haut. Als Westfale, der mit seinem Garten bis vor kurzem solide in der Kreisliga gespielt hat, bin ich auf der Ostalb nämlich in der Champions League gelandet. Sie können sich diesen immensen Druck gar nicht vorstellen. Die meisten Gärten auf der Ostalb sind top gepflegt….

… Im Ruhrgbiet, also zumindest in meiner bisherigen Nachbarschaft, lungerte der fleißige Gartenbauer zwischen 14 und 15 Uhr im Garten herum, in der Hoffnung ein Nachbar mit einer Flasche Pilsbier sorgt für Ablenkung. Um 15.30 Uhr musste laute Gartenarbeit sowieso eingestellt werden, weil auf WDR 2 Fußball übertragen wurde. Das war immer exakt die Zeit, zu der sich zur Flasche Bier der Gartenstuhl gesellte und gefachsimpelt wurde, was noch alles so im Garten erledigt werden muss – dann aber an einem spielfreien Samstag versteht sich….

…Als wir im September aufs Härtsfeld gezogen sind, hatten wir noch exakt zwei schöne Samstage, also so mit Wetter für den Garten, also so aus meiner Sicht. Ich glaube, die Bierflaschen, mit denen ich meine Nachbarn von der Arbeit ablenken wollte, liegen heute noch in meiner Garage, direkt neben meinem Kirmeswerkzeug. Wie, Sie wissen nicht, was Kirmeswerkzeug ist? Das ist dieses hochwertige Werkzeug, welches es an den Kirmesbuden als Trostpreis gibt. Nichts dolles, aber um Steine aus den Rillen der Sohle zu prockeln*, ist das ganz okay. *(procklen = Ruhrgebietssprache für herumstochern)…“

Wer alles lesen möchte und noch mehr http://larsreckermann.schwaepo.de/

Ich trüffel da jetzt öfter mal herum, weil es schön ist, Gedanken und auch klare Ansichten von jemandem zu lesen, den man gut kennt, und der seine Lebensumstände komplett umkrempeln musste, weil allwissende (oder auch nicht) Manager ihm im angestammten Heimatbereich den Boden wegzogen. Lars blieb aber auf den Beinen und geht wieder mal neue Wege. Weiterhin viel Erfolg dabei!

P.S.: Fiel es eigentlich auf, dass Lars „… innen Garten“ schrieb und nicht, wie es sich in der alten Heimat gehört „… innen Gatten“?

2 comments for “Lars Reckermann, vom Pott in die Oschtalb

  1. 9. April 2014 at 07:52

    …und ich schließe mich Rudis Meinung und den guten Wünschen an Lars Reckermann an!

    • Lars Reckermann
      23. April 2014 at 23:20

      Lieber Reinhard, danke für die Grüße und liebe Grüße von der Ostalb nach Griechenland

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