Nun entscheidet mal schön!

Bisweilen gelingt nur mit größter Anstrengung das milde Lächeln, wenn sinnvernebelnder Wahlkampfmodus seine Wirkfähigkeit auf medial prima verbreitbare Parteiinhalte zeigt. Vor überfallartigen Attacken dieses Modus ist, nebenbei bemerkt, keine der gern farblich beschriebenen Denkrichtungen geschützt, zurzeit amüsiert mich indes ein Ideenfunke besonders: der CDU-Vorschlag, die Bürger mögen über die Existenz des Kulturzentrums Lindenbrauerei entscheiden.

Passt doch: Am 25. Mai wird der neue Rät gewählt. Den Wählerinnen und Wählern vorzuführen, dass sie letztinstanzlich schmerzhafte Entscheidungen fällen können, macht eindeutig einen schlanken Fuß.

Einerseits kann man anscheinend überzeugend Bürgernähe signalisieren. Zudem schlüpft man selbst aus einer in allerlei Hinsicht unangenehmen Schlinge der persönlichen Entscheidung, denn irgendwer würde am schlechten Ende sauer sein. Und zum Dritten gewinnt man mutmaßlicherweise enorm an Popularität.

Kämmerer und Bürgermeister nebst Kulturverantwortliche haben vermutlich recht lange abgewogen, ehe sie ihren zukunftssichernden Vorschlag für die Finanzierung des Brauereivereins unterbreiteten. Grundgedanke war der, dass eine Stadt, die sich über alle Parteigrenzen hinweg allzu gern Kultur attestiert, an der Existenz eines selbstverwaltetesn Kulturzentrums nicht rühren will. Solches war bisher auch nie eine politische Entscheidung.

Also wäre es klarer, wenn welche Parteigliederung auch immer eine Abstimmung herbeiführen würde, darüber, ob Unna das Kulturzentrum auch zukünftig bezuschusst oder nicht – im letzteren Falle seine Existenz beenden würde. Die CDU könnte ja theoretisch sagen, dass sie das Zentrum nicht mehr will. Aber das ist ja wieder auch nicht so richtig populär.

Stelle ich mir nur mal so vor: Die Bürger hätten über das Ende des Freizeitbades in Massen abgestimmt. Klare Mehrheit für den Fortbestand in Massen, klare Mehrheit für die Schließung in der Oberstadt, Unentschieden in Königsborn, keine Meinung in Mühlhausen, „Freizeitbad?“ fragt Hemmerde erstaunt.

Okay, mal im Ernst: Aus gutem Grunde wurde mal die repräsentative Demokratie als Staatsform für die Bundesrepublik gewählt. Bis heute fiel niemandem eine bessere und gleichzeitig praktikable ein. Aber das will ja nichts heißen. Man darf ja alles durchdenken. Auch die selbstgewählte Abschaffung kommunaler Räte und die komplette Verantwortungsübertragung auf plebiszitäre Abstimmungen.

Viel Freude bei zukünftigen Haushaltsaufstellungen.

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