Ich will mir meine kleinen Zeitreisen nicht nehmen lassen, Finger weg!

Die bundesweiten Leidmedien und deren liebgewonnenen publikaffinen Politikaster haben das überragende Problem der Zeit ausgemacht, erfasst und beginnen den Kampf gegen ein Geschwür, das auszumerzen sie ihre geballte Kraft einsetzen. Und so signalisieren sie jedermensch, dass sie grimmig entschlossen seien, die Sache zu regeln. Warum eigentlich? Weil sie es können!

Gut, lasse ich den Unsinn, unwichtige Nebenkriegsschauplätze zu erfinden, um wirklich ernsthafte in den Hintergrund zu verlegen, kommentarlos über mich ergehen. Ich habe mit dem allseits zitierten Jetlag nach der alljährlichen Zeitenwende kein Problem, ich habe ebensowenig Schwierigkeiten damit, dass Meinungsverschiedenheiten darüber ausgefochten werden, dass die eine oder auch andere Lösung unnötig Geld kostet. Warum auch, der Berliner Flughafen kostet auch unötiges Geld und ist selbst so wie er ist unnötig.

Letztlich finde ich es auch vernachlässigbar, dass jede Menge wichtigtuerisch Dreinblickender sich selbst und ihre Ansicht für wesentlich erachten, sollen sie doch.

Mir geht es eigentlich nur darum, dass wir auf jede Menge Anekdotisches verzichten müssten, verlören wir die Lust an der Sommer- oder Winterzeit. Nehme ich nur meine Person am Morgen der diesjährigen Aktion. Da saß ich wohlgelaunt im Wohnzimmer, studierte die Tagesneuigkeiten und hatte bereits beschlossen, gleich noch Brötchen zu erwerben. Da betrat die schönste alller Frauen den Raum und flötete ebenso wohlgelaunt: „Na, hast du die Öffnungszeitdes Bäckers verpasst?“

Gelassen entgegnete ich: „Ich geh‘ gleich, ist doch erst 10.“ Während ich noch grübelte, warum die schöne Frau leichte Süffisanz in ihr Lächeln mischte, half diese mir: „Du orientierst dich gerade an der einzigen Uhr in der Wohnung, die sich nicht automatisch auf die Sommerzeit umstellt.“

Autsch, Bäcker hat geschlossen. Wie peinlich!

Gleich fiel mir ein, dass ich einen lieben Freund und Kollegen hatte, der sich nach der Ersteinführung der Zeitumstellung jahrelang standhaft weigerte, seine Armbanduhr auf die jeweils neue Zeit zu eichen. Das ging auch jahrelang gut, bis es geschah, dass er sich mit seiner lieben Frau verabredete, pünktlich wie immer zur Stelle war… Nur um eine komplette Stunde verspätet. Er hatte sehenden Auges seiner sommerzeitlich falsch eingestellten Armbanduhr vertraut.

In den folgenden Jahren gewöhnte er sich an, seine Zeitmesser den neuen Regeln folgen zu lassen, dem sanften Druck seiner Gattin gehorchend.

Das wäre ohne dieses Zeitgewusel alles an mir vorüber gegangen.

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