Was so alles „sexy“ getauft wird – selbst kriegsbereite Bündnisse laufen unter diesem Bildhaften Ticket

Wird die NATO wieder sexy? Ernsthaft, das blinkte mir heute Morgen ins Auge. Eine blödere, in Frageform gedrängte Überschrift habe ich ja schon lange nicht mehr gelesen.  

Selbst als diese North Atlantic Treaty Organisation, unter den Francophonen auch OTAN (Organisation du Traité de l’Atlantique Nord) genannt, noch deutlich über die Schar unentwegter Kaltkrieger hinaus als notwendig betrachtet wurde, hielt man das transatlantische Bündnis unter den Vernunftbegabten für ein blockpolitisch wesentliches aber keineswegs emotional anregendes Instrument.

Schließlich waren die Geburtshelfer, namentlich im kriegsvernarbten Europa, Ängste – vor einer immer häufiger beschworenen bewaffneten Attacke, natürlich aus dem Osten.

Sexy, das kann eine Frau sein, bisweilen auch ein Mann, das kann im übertragenen Sinn benutzt ein cooles Auto beschreiben (gern auch eines aus den 1960-er Jahren), das kann für einen musikalischen Trend stehen, für Ähnliches aus dem Bereich des Tanzes oder auch ein schäumendes Fest. Aber für die Abkürzung eines Bündnisses, dessen bei Licht betrachteter Sinn auf Kriegerisches ausgerichtet ist?

Und da hätten wir es wieder einmal: Allzu gern werden aus meiner Zunft heraus sprachlich Dinge, Vorgänge oder Handlungen verquast, so dass sie Betrachtern beiweitem nicht mehr so bedrohlich erscheinen wie sie es in Wahrheit sind. NATO=wehrhaftes Bündnis=Verteidigungsbereitschaft=Bereitschaft zur bewaffneten Auseinandersetzung=Kriegsbereitschaft, und das alles wird als „sexy“ beschrieben. Es geht kaum niedlicher, würg.

Aber da haben wir ja reichlich an historischen Vorbildern… was vorbereitende Sprachentgleisungen angeht.

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