Aus dem alten KiBiz kann wirklich noch was werden

Im Kindergartenjahr 2014/2015 steht die nächste große Korrektur des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) an: nach dem Einstieg in die Gebührenfreiheit will die Landesregierung nun vor allem den Bildungsort Kindertageseinrichtung (Kita) stärken. Die Kita bietet wichtige Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten für Kinder. Hier verbringen sie erstmals einen Teil des Tages außerhalb der Familie; hier warten neue Anforderungen auf sie. Anlass genug für den SPD-Landtagsabgeordneten Hartmut Ganzke und seine Fraktion, das Thema mit den beteiligten Akteuren und Einrichtungen vor Ort in Unna zu diskutieren. Als sachkundige Verstärkung hatte er seinen Kollegen und familienpolitischen Sprecher Wolfgang Jörg eingeladen.

 „Für uns beginnt Bildung mit der Geburt, findet zunächst in der Familie statt und setzt sich dann in gemeinsamer Verantwortung in der Kita fort. Diese Lebens- und Lernphase ist nicht einfach nur ‚vor-schulisch‘, sie hat einen eigenen Charakter und eigene Inhalte. Kinder lernen in diesen Jahren Entscheidendes für ihr späteres Leben. Daher halten wir den Elementarbereich für das wichtigste und entscheidende Glied in der Bildungskette“, machte Wolfgang Jörg zu Beginn deutlich. Trotzdem sei dieser Bildungsbereich immer noch unterfinanziert.

Wolfgang Jörg stellte anschließend die wesentlichen Ziele der Revision vor und machte deutlich: Frühe Bildung in NRW wird besser – Schritt für Schritt.

  1. Bildung soll gerechter werden: Mehr Bildungsgerechtigkeit ist für uns der Kern der nächsten KiBiz-Korrektur. Wir werden künftig Ungleiches nicht mehr gleich behandeln und Einrichtungen mit sozial benachteiligten Familien fördern. Diese Kitas erhalten mindestens 25.000 Euro pro Jahr zusätzlich.
  2. Sprache früher fördern: Künftig wird jedes Kind deutlich früher als bisher sprachlich gefördert, sobald es in den Kindergarten kommt. Außerdem werden Erzieherinnen und Erzieher die Sprachfähigkeit im alltäglichen Zusammensein ermitteln und daran die Förderung ausrichten. Bisher testen Außenstehende die Sprachkompetenz der Kinder erst zwei Jahre vor der Einschulung.
  3. Was ist mit Bildung?: Mit der Korrektur wird gesetzlich festgelegt, was unter frühkindlicher Bildung zu verstehen ist und welche Rolle Familie, Tageseinrichtung und Tagespflege spielen. Im Zentrum steht dabei das Kind mit seinen Bedürfnissen – und nicht die Institutionen.
  4. Mehr Geld für Personal: Für alle Kitas soll eine Verfügungspauschale gezahlt werden. Diese ist nach der Größe der Einrichtungen gestaffelt. So soll das pädagogische Personal entlastet und die Bildungsarbeit gestärkt werden.
  5. Gemeinsame Bildungsverantwortung: Eltern und Einrichtungen haben eine gemeinsame Verantwortung für die frühkindliche Bildung. Diese wird an unterschiedlichen Stellen des Gesetzes verstärkt.
  6. Planungsgarantie: Träger von Kindertageseinrichtungen erhalten künftig eine Planungsgarantie für das nächste Jahr. Unser Ziel: weniger befristete Arbeitsverträge für Erzieherinnen und Erzieher.
  7. Rücklagen: Die Träger dürfen nur noch finanzielle Rücklagen bilden, wenn sie die gesetzlichen Personalstandards erfüllen und einhalten.

In der anschließenden Diskussion, zeigte sich grundsätzlich Zustimmung, wenngleich Zweifel geäußert wurden, ob die Maßnahmen wirklich die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten und mehr Zeit für die Kinder bleibt. Besonders die überbordende Bürokratie im Elementarbereich wurde kritisiert. Die beiden Abgeordneten nahmen die Anregungen auf, um sie im weiteren Gesetzgebungsverfahren einzubringen.

Hartmut Ganzke MdL, Wolfgang Jörg MdL, Moderatorin Heike Gutzmerow (v.l.n.r.). (Foto: Sebastian Laaser)

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