Die einzig weisen Worte zum Rücksturz ins Unzivilisierte auf der Krim kamen von Egon Bahr

Da las ich heute morgen, dass sich mal wieder eine kassandrische Stimme aus dem politischen Off meldete, die sich erst lobend zur aussitzenden Kanzlerin als kündige Krim-Krisenmanagerin äußerte und dann Gazprompt der EU eine klare Mitschuld daran attestierte, dass es überhaupt so weit kommen konnte. Ihr werdet erraten, wer da seine zeigefingernde Weisheit verströmte: Richtig, es war Gerd Schröder, der zum Irrtum unfähige (kenne ich irgendwie) Ex-Kanzler.

Mag sein, dass die eine oder andere Sicht auf die Dinge bei ihm genauer ausfällt als bei sterblichen Menschen, dass er zweifelsohne den besseren Blick auf komplexe Dinge hat. Und es ist sicher so, dass er die geopolitische Betrachtung besser drauf hat, vielleicht sogar besser als sein lupenreiner Freund Putin.

Aber wirklich weise hat sich bisher in meiner Wahrnehmung nun ein großer Sozialdemokrat geäußert: Egon Bahr. Der machte unlängst Schülerinnen und Schüler darauf aufmerksam, dass es bei Entwicklungen, wie sie auf der Krim stattfinden, nie um Menschenrechte, Demokratie oder Bürgerrechte geht oder in der Vergangenheit ging, sondern immer um geopolitische Vorteile, die sich einzelne Staaten sichern wollten. Ob im Osten oder Westen.

Damit aber dem Ganzen ein völkerrechtlich halbwegs unbedenkliches Camouflage verpasst werde, wird vom Schutz ethnischer Minderheiten auf der einen oder von der Wahrung der Integrität staatlicher Souveränität und immer wieder der heeren Demokratie auf der anderen Seite geredet. Dabei geht es beiden Seiten nur um… unterm Strich um wirtschaftlich nutzbringende Einfluss-Sphären, geschwollenes Nationalego, wachsende Ängste ums Erdgas oder individuelles Ansehen im jeweiligen Volke.

Im Zweifel höre man auf die mahnenden Einsichten eines Egon Bahr.

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