Nun hat er es amtlich gemacht: Nino Matich beendet zum 1. März seine Ratsarbeit

Dass es mal einem Rat der Stadt (heute nennt sie sich ja stolzgeschwollen Kreisstadt) Unna geben könnte, dem der „Hauer“ nicht angehören würde, war noch vor einem Jahr so vorstellbar wie eine Deutsche Meisterschaft für Schalke 04 (sorry ihr Martins, Ullis, Karls oder Manuela). Aber seit die SPD ihre Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahlen am 25. Mai 2014 bekanntgab und der Name Franz-Georg Matich nicht auftauchte, musste man sich ja daran gewöhnen. Gestern, am Donnerstag, den 20. Februar 2014, wurde es in der Ratssitzung bekannt: Unnas dienstältestes Ratsmitglied Nino Matich gibt sein Ratsmandat mit Wirkung vom 1. März zurück.

Der Hauer ist personifiziertes Königsborn, versammelt alle Eigenschaften dieser Keimzelle der gesamten Stadt Unna anscheinend in seiner Person, er war einst aktiver Bergmann, Hauer eben, er ist, wie alle Bergleute immer einer geblieben, auch wenn seine von der früheren Arbeit und dem Eigengewicht geschundenen Knie in den vergangenen Jahren immer häufiger nach dem Schongang verlangten. Seinen Vornamen hörte er nur, wenn seine liebe Frau nach ihm rief oder ein guter Freund mal ein richtig ernstes Wort mit ihm wechseln wollte. Ansonsten war er „Nino“, benannt nach einem Superboxer der 1950-er Jahre, Nino Valdez glaube ich war’s

Als er zum ersten mal am 9. November 1969 in den Rat einzog, berichtete mein Freund Konrad Harmelink in der Westfälischen Rundschau über einen der jüngsten damaligen Ratsherren. 33 Lenze zählte unser Nino seinerzeit, damals war er 15 Jahre Mitglied der SPD, und die Zahl seiner Kilogramm Lebendgewicht war noch ebenso gering wie seine kommunalpolitische Erfahrung, die er allerdings zuvor in sachkundiger Bürgerschaft erworben hatte.

Seit dem 4. Juni 1975 ist er in Personalunion auch Ortsvorsteher seines Lieblingsstadtteils, ist respektierter Ehrenbeamter, geliebtes Mitglied in vielfältigen Freundeskreisen, stets beachtetes und geachtetes Mitglied seiner SPD-Fraktion, deren Vize er lange Jahre war. Und er ist allerorts gerühmter Fan eines Vereins, dem auch ich leidenschaftlich angehöre. Seine Schwäger, die Kampmann-Brüder, sorgen seit Jahrzehnten dafür, dass ein Unnaer Verein nur ein paar Spielklassen unterhalb des schwarz-gelben Wunders großartig geführt wird und sogar einst die Deutsche Amateurmeisterschaft nach Mühlhausen-Uelzen holte.

Genossen, die sich richtig lieb haben. Nino umarmt den damaligen Bürgermeister Wilhelm Dördelmann.

Genossen, die sich richtig lieb haben. Nino umarmt den damaligen Bürgermeister Wilhelm Dördelmann.

Legendär sind Ninos Auftritte, wenn er Anekdotisches erzählte, sei es vor Parteifreunden oder im „Spiegel“ am Tresen. Die Begegnung mit einem Ordnungshüter beispielsweise, weil er auf dem Fahrrad fahrlässiges Fehlverhalten an den Tag gelegt haben sollte, uihh konnte der Nino zornig werden: „Kerl, den hatte sich doch am Tag vorher gesehen, wie er ….“ Am Ende behielt aber der Vertreter der Ordnungsregeln Recht und Nino sah das ein.

Ebenso legendär seine Beiträge in Ratssitzungen. Mit einfachen Worten gelang es ihm kompliziert Erklärende so nachhaltig zu erschüttern, dass auch die Sitznachbarschaft von Ninos Hartnäckigkeit angesteckt wurde und ihrerseits sich traute, doch noch mal „eine Verständnisfrage“ zu stellen. Wenn Nino Matich das Wort ergriff, begann das kluge Ratsmitglied genau hinzuhören, weniger kluge begannen einen Dialog mit dem Nachbarn. Er ist bei seinen Beiträgen immer so deutlich-ehrlich, dass er mich mit seiner Art an den angeblichen Sänger von Weltruhm Garðar Hólm in  Halldór Laxness Roman „Fischkonzert“ erinnert. Von ihm sagten sie, er singe „mit dem Herzen“ (wenn auch ziemlich falsch). Nino redet mir dem Herzen, und das ziemlich korrekt und konkret.

Also noch einer, der dem neuen Rat in vielerlei Hinsicht fehlen wird. An seiner Stelle wird ab dem 1. März Sebastian Laaser dem Unnaer Rat angehören. Der weiß, in was für Riesenstapfen er behutsam treten wird, und er wird klug genug sein, sich von dem Hauer immer wieder mal einen Rat einzuholen.

4 comments for “Nun hat er es amtlich gemacht: Nino Matich beendet zum 1. März seine Ratsarbeit

  1. Manfred Hartmann
    21. Februar 2014 at 20:29

    Ich kenn‘ manche, die waren empört und tranken trotzdem einen mit. Aber der ehemalige Präses der westfälischen Landeskirche Alfred Buß war das nicht mit dem Vorgarten 😉

    • 21. Februar 2014 at 20:37

      Ich weiß, Manfred, damals war er noch ganz frischer Pfarrer in Königsborn und Nino begegnete ihm zunächst reserviert, weil der so merkwürdig norddeutsch sprach, aber das legte sich wie gesagt schnell

  2. Manfred Hartmann
    21. Februar 2014 at 20:05

    Also, man sollte hier nicht idealisieren. Wenn der Vorgarten nicht gefiel sagte er: „Du gehörst nicht nach Königsborn!“

    • 21. Februar 2014 at 20:15

      Ja, Manfred, das konnte geschehen. Der Angesproche hatte die Wahl entweder empört zu sein oder mit Nino einen zu trinken. Alfred Buß wählte die zweite Möglichkeit, und verschaffte sich lang anhaltenden Respekt bei dem Hauer der auf Gegenseitigkeit beruhte. Ich idealisiere ihn nicht, ich bin ehrlicher Fan, weil es immer weniger von dieser Sorte gibt.

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