Steil hinab die Klippe vom rettenden Helden zum Verfemten, der vergessen werden muss

Nun hat sich die Wucherungsphase in der bundesdeutschen Schlagzeilen-Plantage zu diesem Thema ja gelegt, zu überwältigend sind anscheinend die überwiegend oberflächlich analysierten, aber eindeutig furchterregenden Ereignisse in der Ukraine. Da machen Medien gern mal eine Enthüllungs-Pause, selbst in Nachrichten um Sebastian Edathy. Okay, dann nutze ich die eben.

Fällt jemandem auf, dass dieser Mann vor ein paar Wochen noch ein wahrer Held für alle war, die den Rechtsstaat vor Rechten beschützt sehen wollen? Dass dieser Mann im NSU-Untersuchungsausschuss, dessen Chef er war, der Held aller wurde, die merkwürdig unprofessionelles Verhalten mancher staatsschützender und ermittelnder Behörden im Lande erstens aufgedeckt und zweitens kritisiert sehen wollten? Dass er von Parteifreunden und wohlbekannten Top-Funktionären als zukunftsträchtiger Stern am Himmel der Politik gesehen wurde?

Damit niemand auf falsche Gedanken kommt: Sebastian Edathys Verhalten soll hier weder beschönigt, noch entschuldigend erläutert, noch sollen die ernsten Vorhaltungen, die man ihm macht, mildernd umgedeutet werden. Sebastian Edathy hat seinem Amt in Berlin, seiner Person und seinen Verdiensten, die er ohne Zweifel hat, schlimmsten Schaden zugefügt. Unentschuldbar.

Doch es bleiben Verdienste, die, wenn man so will, in einer Art früherem Leben erworben wurden. Als noch niemandem bekannt war, dass der Mann, der sie erwarb, ein muffiges Zweitleben in der Dunkelkammer führte.

Sie wurden aber mit dem erschrockenen Wimpernschlag der Erkenntnis, dass es ein Zweitleben gab, verdrängt. Und zwar so, als hätte es diese nie gegeben. Partei, Politik jeder Verfärbung, Öffentlichkeit – jede Schicht einer Gesellschaft hat den neuen Belzebuben ins Visier genommen.

Natürlich werden – so denn alles am Ende schlüssig nachgewiesen sein wird – Sebastian Edathys Verdienste von vor ein paar Wochen nichts von dem relativieren, was heute bekannt ist, aber sie irgendwann mal wieder zu beachten, wäre fair.

Es lohnt sich zu lesen: spiegel.de

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