Alles blau: ALUnna kriegt die Klimaschutz-Flagge des Kreises Unna

Der Kreis Unna zeichnete am 31. Januar 2014 das Aluminiumwerk Unna (ALUnna) als erstes Unternehmen 2014 mit der Klimaschutzflagge der Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Agenda 21 aus. 

Gewürdigt wird damit ein vorbildliches unternehmerisches Handeln für den Klimaschutz, insbesondere die Implementierung einer Nachhaltigkeits- und Energieeinsparphilosophie in die Unternehmenspolitik und deren umfangreiche praktische Umsetzung.

Bei der Übergabe der Auszeichnung an Wolfgang Brettschneider und Volker Findeisen, Geschäftsführender Vorstand der ALUnna AG, fasste Fachbereichsleiter Ludwig Holzbeck, Initiator des „gewerblichen Energiechecks“, die Verdienste für den Klimaschutz nochmal zusammen:

  1. Einführung und Zertifizierung von Energie-Managementsysteme gemäß ISO 14001 und 50001.
  2. Implementierung einer Nachhaltigkeits- und Energieeinsparphilosophie in die Unternehmenspolitik und deren allumfassende Umsetzung in die Praxis aus.
  3. Dadurch weitrechende Energieeinsparungen, die schon jetzt die ursprünglichen Prognosen deutlich übertreffen, so dass im Sinne einer nachhaltigen Selbstverpflichtung ein großer Beitrag für die Klimaschutzziele des Kreises Unna geleistet wird.

Geschichte, Daten, Fakten

Geschichte

Die Geschichte der Aluminiumwerk Unna AG beginnt am Standort Unna 1914, und zwar als Messingwerk Unna AG. Nach einer unruhigen Phase in den 1990-er Jahren gelang eine nachhaltige Sanierung durch das gemeinsame Engagement von Belegschaft und Führungskräften. Aktuell sind am Standort in Unna eine Gießerei, ein Strangpresswerk und ein Ziehwerk angesiedelt. Beschäftigt werden 350 Mitarbeiter.

Umwelt ist in Firmenphilosophie verankert

Die ALUnna AG investierte seit 2000 in Produkte, Produktionsanlagen, ihre Bausubstanz und in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter. Dabei wurden in vorbildlicher Weise die Markt-, die gesellschaftlichen und sozialen sowie die Umweltanforderungen berücksichtigt. Sie sind in der unternehmerischen Firmenphilosophie als grundlegende Basis verankert. Die Veränderungen im Unternehmen werden bewusst in diesem Dreiklang vorangetrieben.

So werden kontinuierlich alte unwirtschaftliche Hallen abgerissen und neue aufgebaut. Wie ein etwa 7.000 Quadratmeter großes Ziehwerk im Jahr 2004: „Die alte Hallensubstanz war damals energetisch eine Katastrophe“, gibt Wolfgang Brettschneider als Leiter Einkauf und Umwelt zu. Zusätzlich wurde auch eine Versand- sowie eine Öl- und Umwelthalle (2009 / 2010) errichtet.

Dort wird auch das Hydrauliköl für die Anlagen separiert und als eigenes Rezyklat dem Produktionslauf wieder zugeführt. Dadurch kann die benötigte Menge des neu zu beschaffenden Schmierstoffs drastisch reduziert werden: „Das ist ein wichtiger Beitrag für den Umgang mit Ressourcen“, betont Ludwig Holzbeck, Leiter des Fachbereichs Natur und Umwelt beim Kreis Unna. „Der Bau dieser Halle war ein entscheidender Schritt für die konkrete Umsetzung der Umweltpolitik des Unternehmens“, so Wolfgang Brettschneider weiter.

Energiepreise waren Auslöser für Energiemanagement

Doch letztendlich waren es die stetig steigenden Energiepreise, die ALUnna 2013 veranlassten, ein zertifiziertes Energiemanagement einzuführen. Aluminiumverarbeitung beinhaltet viele Umform- und Wärmeprozesse: 2013 wurden am Standort Unna 22,6 Millionen Kilowattstunden Strom (13,2 Prozent weniger) und 33,7 Millionen Kilowattstunden Erdgas (27,6 Prozent weniger) verbraucht. Bezogen auf die produzierte Wertschöpfung sank der Energieeinsatz um annähernd 9 Prozent. Über 10.000 Tonnen Aluminium werden jährlich auf 500 – 800 Grad C° gebracht – zum Teil sogar mehrfach, damit die Umformbarkeit des Werkstoffs erhalten bleibt. Umgerechnet auf den normalen Haushalt könnten damit mehrere Tausend Haushalte in Unna mit Strom und Gas versorgt werden.

Energie wird systematisch eingespart

„Den Gesamtenergiepreis können auch wir als gewerbliche Endverbraucher kaum beeinflussen. Die Stellschraube, an der wir drehen können, ist die Energiemenge“, macht Wolfgang Brettschneider deutlich. Damit können die Gesamtenergiekosten gehalten oder sogar reduziert werden. „Keine Frage, wir sind schon in der Vergangenheit sorgfältig mit Energie umgegangen. Jetzt können wir aber systematisch Energie einsparen“, betont er.

Grundvoraussetzung dafür war eine strukturierte Erfassung aller Energiemengen von Strom, Gas und Wasser sowie die Bewertung der Energieeffizienz einzelner Anlagen und Prozesse. Dieser Prozess wurde 2011 mit der Entscheidung zur Einführung eines Umwelt- und Energiemanagements eingeläutet und fand im Sommer 2013 mit der doppelten Zertifizierung nach ISO 14001 und 50001 auch ihre Anerkennung durch den TÜV Nord.

Den Einstieg dazu bot der „betriebliche Energiecheck“ – ein kostenloses Angebot der Umweltverwaltung des Kreises Unna und den Stadtwerken Unna. Damit kommt nicht nur System-Know-how (Systematik von ISO-Normen), sondern auch energiefachliches Expertenwissen von den Stadtwerken Unna ins Haus.

Weitere Schritte

Beispielhaft erläutert Wolfgang Brettschneider die weiteren Schritte, die das Werk in 2012/13 zur Ressourcengewinnung und zum Energiesparen unternommen hatte:

  • Eigenes und fremdes Aluminium wird zur Wiederverwendung im eigenen Ofen geschmolzen; die Voraussetzungen dafür sind ein exaktes Erfassungssystem, dass alle Abschnittsreste mit seinen genauen Legierungsbestandteilen erfasst und voneinander separiert.
  • Lufterhitzer wurden gegen andere wesentlich effizientere Heizungssysteme wie Hell- und Dunkelstrahler mit Wärmerückgewinnung ausgetauscht und bei Neuinvestitionen (Presse 114) gleich die Abwärmepotenziale aus der Produktion für die Beheizung von Büros genutzt.
  • Wärme und Isolierung: Die Abwärme aus den Produktionsanlagen genügt neuerdings in den bereits sanierten Bereichen, um die modernisierten Hallen im Winter zu erwärmen.
  • Nach und nach werden die teilweise über 100 Jahre alten Hallendächer saniert, um Tageslicht zu nutzen, moderne Beleuchtungstechniken einzubauen und wesentliche Dämmeffekt zu erzielen.
  • Das Druckluftsystem des Werkes war zuvor dezentral organisiert. Obwohl in einzelnen Teilen erst 2009 installiert, wurde ein zentrales, komplett neues System angeschafft (Dezember 2012).Dadurch konnte der Energieeinsatz von mehr als 2,2 Mio. Kilowattstunden Strom auf unter 700.000 Kilowattstunden gesenkt werden.
  • Das Messwerterfassungssystem zeigt seinen Nutzen und erkennt unbeabsichtigte Verbräuche – im Bereich Wasser, Gas und Strom.
  • Der Kühlwasserprozess konnte exakt analysiert und damit ein großes neues Projekt zum Schutz der Ressourcen angestoßen werden.
Werner Porzybot, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Unna, Jürgen Schäpermeier, Geschäftsführer der Stadtwerke Unna, Wolfgang Brettschneider von der Firma ALUnna und Ludwig Holzbeck, Leiter des Fachbereiches Natur und Umwelt beim Kreis Unna (v.l.n.r.). (Foto: Kreis Unna)

Werner Porzybot, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Unna, Jürgen Schäpermeier, Geschäftsführer der Stadtwerke Unna, Wolfgang Brettschneider von der Firma ALUnna und Ludwig Holzbeck, Leiter des Fachbereiches Natur und Umwelt beim Kreis Unna (v.l.n.r.). (Foto: Kreis Unna)

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