Vergessen: Niemals! Beeindruckende Gedenkstunde zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

27. Januar 2014 – Auschwitz-Gedenktag in Unna. Schülerinnen und Schüler des Ernst-Barlach-Gymnasium rahmten mit bedrückenden und beindruckenden Beiträgen eine großartige Veranstaltung im Ratssaal des Rathauses ein. Sie formulierten dabei auch das Ziel: mitzuhelfen, mit dem Erinnern den Ungeist des Vergessenmachens zu bekämpfen. In einer Stadt, deren damalige Machthabende eilfertig zu den höher geordneten Machthabenden meldeten, dass die Kommune nun „judenfrei“ sei .

Denn die jungen Menschen hatten intensiv daran gearbeitet, deutlich zu machen, dass auch in Unna Menschen jüdischen Glaubens von Nachbarn, ehemaligen Freunden, früheren Vereinsmitgliedern, vormaligen Arbeitskollegen verfolgt, verraten verschleppt und vergessen worden waren. Dass die Opfer keine anonyme Masse waren, deren Zahl so obszön wirkt, dass sie fast ungreifbar wird. Es waren Unnaer, und es wurden Unnaer Schicksale beschrieben, während des gesamten Vortrages der Schülerinnen und Schüler über eine Präsentation alle Namen und (wenn nachvollziehbar) alle Leidenswege dieser Unnaerinnen und Unnaer gezeigt wurden.

Die hochengagierten jungen Leute gruben so intensiv und mit besonderer Deutlichkeit das Nachdenken über die schrecklichen Schicksale bekannter und unbekannter Unnaer Namen in die Gedanken des zahlreichen Auditoriums, dass zum Ende ein langer Applaus als Dank kam. Und gedankenverlorenen Gesichtes mancher und manche den Ratssaal wieder verließen, um der Kranzniederlegung am Friedensstein in der Bürgerhalle beizuwohnen.

Ganz im Sinne der Unnaer Philosophie, dass die Jugend stets die mahnende Erinnerung weitertragen möge, verstanden die Schüler ihre Vorarbeit und ihre sprachlichen wie musikalischen Beiträge als Transmissionsriemen in einem Generationenprozess: Vergessen, niemals!

Klezmer-Melodien und Roma-Weisen ließen die Nachdenklichkeit in den Pausen der Gedenkstunde nicht abreißen. Und auch da, eine mitnehmende Detailverliebtheit. Die Klarinette, die ihre Melodien perlen ließ, wurde 1944 kurz nach der Befreiung in Paris gebaut. Vermutlich bejubelten ihre ersten Töne das Ende eines Grauens, auf das die Insassen von Auschwitz noch bis zum 27. Januar 1945 hoffen mussten.

Bürgermeister Werner Kolter, sein Stellvertreter Werner Porzybot und Landtagsabgeordneter Hartmut Ganzke während der Feierstunde. (Foto: Rudi Bernhardt)

Bürgermeister Werner Kolter, sein Stellvertreter Werner Porzybot und Landtagsabgeordneter Hartmut Ganzke während der Feierstunde. (Foto: Rudi Bernhardt)

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