Bernd, Detlef, Michael aus dem Hochhaus und ich: Und was hat das mit dem Ableben der WR zu tun?

Eine Geschichte, fand ich, müsste es wert sein, erzählt zu werden. Ich mach das mal einfach, obwohl ich weiß, dass der Anfang so alltäglich zu sein scheint, dass es zur Petitesse gereicht, die man kaum wahrnehmen will.

Kollege und Kumpel Bernd Berke, dessen Wege sich mit den meinen schon so häufig in einer langen gemeinsamen Vergangenheit kreuzten, und dennoch die Zahl unserer persönlichen Begegnungen eher ergänzungbedürftig war, hatte im „fratzebuch“ ein Bild (oben) veröffentlicht. Es zeigte ein erbarmungswürdig heruntergekommenes Hochhaus am Rheinlanddamm in Dortmund kurz vor der Schnetgerbrücke stadtauswärts.

Und ich textete erfreut, wenn auch mühsam übers Handy, dass oben, da wo wir heute das Penthouse-Wohnen ansiedeln, einmal ein Freund aus Kindertagen gewohnt habe, dessen Namen ich auch prompt mangelhaft schrieb, weil die Autokorrektur aus dem korrekt erinnerten Nachnamen ein „Schobert“ drechselte. Ich hatte ernsthaft lächelnde Gedanken und ließ erinnernd an mir vorüber ziehen, was ich mit diesem Michael so alles angestellt hatte, bevor wir uns so Anfang der 1970-er Jahre endgültig aus den Augen verloren.

Am M0rgen darauf las ich in meinen Nachrichten einen Hinweis von Detlef Schlüchtermann, dem alten Rundschau-Kollegen. Erst mal korrigierte er die Schreibweise des Freundesnamens, dann erläuterte er mir, dass er in den End-1960-ern mit ihm Fußball gespielt habe, bei der Eintracht in Dortmund, ein gewisser Ingo Peter war auch dabei.

Schon lächelte ich wieder und antwortete vergnügt, dass auch ich als Schüler bei der Eintracht gekickt hätte, dass auch bei mir ein gewisser Ingo Peter dabei gewesen sei, dass ich schon damals bewundernd Pause machte, wenn ich sah, was der mit der Kugel so alles anstellte, dass ich ihn noch heute manchmal in Unna treffe.

Worauf die Nachricht eintraf, dass Detlef sich stets an den Michael aus dem Hochhaus erinnere, sobald er an jenem über die B1 kommend vorüber fahre, auch heute noch. Und das geschehe häufig, da er nahe der Nicolaikirche wohne.

Nun, da ich mit Michael in dieser Kirche konfirmiert wurde, ergaben sich da auch wieder lebensläufige Schnittmengen. Und für Detlef keimte eine weitere Parallel-Erfahrung, denn er und sein Trauzeuge Dirk Berger seien seinerzeit im Kreuzviertel positiv aneinander geraten.

Und so war es eingekreist, allerdings ohne den initialzündenden Michael einbeziehen zu können: Detlef Schlüchtermann, Dirk Berger, Bernd Berke und ich, wir waren allesamt aus der Südwest-Ecke Tremoniae (Doartmund), wir waren allesamt über einen langen Zeitraum bei der Westfälischen Rundschau und – Dirk sei ausgenommen – begegneten wir uns kaum.

Also, Dortmund ist doch ein Dorf, ging es mir durch den Kopf. Aber schön, solche ein Ketten-Zufall.

Und nach diesem langatmigen Vorwort kam mir dann in den Sinn, dass es so zufällig vielleicht gar nicht war. Heute vor einem Jahr entbeinten die WAZisten unsere WR von allen menschlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Heute vor einem Jahr, am 15. Januar 2013, kündigte die machenden Manager an, dass alsbald nur noch die hohle Röhre eines Titels existieren werde, inhaltsleer fremdgefüllt.

Und damit verschwand ein gutes Stück Dortmund und Umgebung von der medialen Bildfläche. Und mit ihm ein wichtiges und ebenso gutes Stück regionaler Geschichte. Diese Zeitung gehörte zu dieser Stadt, wie diese Menschen, von denen ich gerade erzählt habe. Sie fehlt uns heute.

Zufälle gibt es! So unglaublich wie die üblen Einfälle mancher Manager.

Die Familienzeitung

Diese schöne Erinnerung habe ich von Wolfgang Thomas, auch ein lieber Kollege aus besseren Zeiten unserer alten Zeitung. Ist nicht am Layout eine tarzaneske Handschrift zu erkennen? (Bild: Privatarchiv Thomas)

4 comments for “Bernd, Detlef, Michael aus dem Hochhaus und ich: Und was hat das mit dem Ableben der WR zu tun?

  1. Detlef Schlüchtermann
    23. Februar 2014 at 20:57

    Lieber Rudi, erst heute bin ich auf Deine schöne Geschichte zu den nicht zufälligen Verbindungen ehemaliger WR-Kollegen im Kreuz-Viertel gestoßen. Sehr gut erzählt.
    Doch bei der Bertelmann-Geschichte muss mein Name wohl unabsichtlich eingeflossen sein. In den revierpassagen taucht wohl dazu der richtige Detlef auf. Zu Günter Wewel könnte ich ne Menge erzählen, aber Fred Bertelmann lief mir nie über den Weg. Vielleicht lässt sich das ja schnell korrigieren.
    Gruß aus dem Cross Quarter
    Detlef. s

    • 23. Februar 2014 at 22:25

      Hallo Schlüchti, danke für den Hinweis, habe es korrigiert. Lustig, bei dem Namen Detlef neige ich offenbar dazu gleich dich zu assoziieren. Bis bald mal.

      • D. Schlüchtermann
        23. Februar 2014 at 22:55

        Das gefällt mir natürlich, bis die Tage mal, vielleicht ja mal mit Dirk in Unna aufn Bier. Morgen düse ich aber erstmal für 10 Tage ins Baskenland.

        • 23. Februar 2014 at 23:32

          Viel Spaß und bring eine schöne Geschichte und Bilder mit, LG Rudi-

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