Gefunden: „RUNDSCHAU-Telefonverzeichnis der Lokalredaktionen – Stand Januar 2006“

Ich räume so ein bisschen vor mich hin, schmeiße einen mittleren Mischwald in das Rundarchiv, will gerade wieder ein Blatt hinzufügen … doch halt: Das werde ich nicht wegwerfen. Ich hänge träumerisch blickend an der Zeile:

 

 

 

 

„RUNDSCHAU-Telefonverzeichnis der Lokalredaktionen

– Stand Januar 2006″

Sieben Jahre blieben meiner Rundschau noch. Dann, am 15. Januar 2013, wurde den Kolleginnen und Kollegen bunter Altersgruppen eisig-kalt eröffnet, dass ihre Arbeitsplätze mit Wirkung vom 1. Februar 2013 spurlos weg sein werden, dass ihnen unterschiedlich fristige Übergänge in ein eher mal unsicheres Dasein in weiterer Zukunft angeboten würden, dass sie stille zu schweigen hätten, damit sie sich nicht selbst diese Großzügigkeit ihres Mutterkonzerns zerreden.

WAZ für ein Widerspruch zwischen dem, was einst Erich Brost und Jakob Funke als inhaltliches Fundament für ihren Verlag ansahen und dem, was ihre Nachnachfolger den Fundamenten der Tagesarbeit, den Redakteurinnen und Redakteuren an Kaltschnäuzigkeit entgegen schlugen.

Da merke ich doch, dass lange nicht verarbeitet ist, was ich zwar aus „sicherer Entfernung“ als meine Kolleginnen und Kollegen miterlebte, aber dennoch mit ihnen litt. Mit ihnen auch litt, als sie vor dem Rundschau-Haus gegen die schamfreie Art der Amputation eines Traditionsblattes in Dortmund demonstrierte, weil es saukalt war und kein Glühwein dieser Welt die wütend-hilflose Schar hätte aufwärmen können. Und mit meinen Unnaer Freunden an der Massener Straße litt, als sie mit Tränen in den Augen ihre Redaktionsräume erst aufräumten und dann räumten.

(Foto: Rudi Bernhardt)

Der letzte Tag an der Massener Straße, Ende einer Redaktion: Jens Schopp, Karl Dittrich, Henryk Brock, Petra Wirth, (hinten) Andreas  Reitmajer, Peter Gräber, Mareike Wewering, Bettina Szallies, Rolf Pfeiffer. (Foto: Rudi Bernhardt)

Ich ging noch mal alle Namen auf der Telefonliste durch. Angesichts der meisten entstand auch ein Gesicht vor dem inneren Auge, manches sehe ich nahezu täglich, wenn ich das „fratzebuch“ aufschlage, leider sehe ich manche Mitstreiter zwar vor mir, weiß aber, dass sie nicht mehr am Leben sind. Nein, diese Zettel, die inzwischen auch erkennbar an Frische verloren haben, werde ich nicht beseitigen, wie die Funke-Manager das mit der gesamten Rundschau gemacht haben. Ich werde ihnen irgendwo daheim ein Plätzchen im Privatarchiv schaffen.

Viele kamen vor einem Jahr bei klirrender Kälte zu Rundschau-Demo und zogen durch die Innenstadt auf den Dortmunder Alten Markt. (Fotos: Rudi Bernhardt)
Viele kamen vor einem Jahr bei klirrender Kälte zu Rundschau-Demo und zogen durch die Innenstadt auf den Dortmunder Alten Markt. (Fotos: Rudi Bernhardt)

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