Na und, vielleicht mag Joachim Gauck Wintersport grundsätzlich nicht

Da hat der Bundespräsident nun mal keine Vorliebe für den Wintersport im Allgemeinen, noch weniger für oligarchische Protzsucht osteuropäischer Musterschüler in Sachen Kapitalismus, auch nicht für weltsüchtig Herrschende, die insgeheim vom wiederkehrenden Zarismus träumen … und schon wettern medial wirkende Alleswisser, dass Herr Gauck da aber mal sooo einen politischen Fehler begangen habe, ja so was von einem, dass man es in BILDhafter Sprache ja beinahe einen „Gauck-Gau“ nennen könnte.

Putin-Kumpel Gerhard Schröder kommt kaum mehr in den Schlaf, eine Kanzlerin merkelt an, dass man nicht allzu schnell Stäbe über alles Mögliche brechen darf, Zar Putin wirkt angepisst und schweigt salomonisch oder vielleicht auch grimmig. Und ich frage mich, was der Herr Bundespräsident wohl vielleicht für einen Fehler gemacht haben könnte.

Ja, er hätte sonnenklar sagen können, dass er aus einen zwingenden Grund die Reise nach Sotschi, dem Austragungsort der Winterspiele, nicht antreten will: Weil er der russischen Regierung damit zeigen will, dass deren holzschnittartige Interpretation der „vom-Kommunismus-befreiten-Nation“ auf dem Weg in eine Demokratie unter regelmäßiger Missachtung grundlegender Menschenrechte ihm zutiefst missfalle. Das wäre ehrlich und richtungsweisend gewesen, aber auch wieder „politisch unklug“, wie sicher manche nach so einer Äußerung befunden hätten.

Also kommentiert Joachim Gauck seine Entscheidung erstmal nicht, lässt sie für sich sprechen und lässt andere das entweder rühmen oder verdammen, wobei das Rühmen derzeit im Vordergrund bleibt. Überwiegend wird die Enthaltsamkeit von Wintersport und seinen Spielen als Gute-Zeichen-Tat bewertet. Und der verschnupfte Putin lässt ebenso unausgesprochen wissen, dass er so richtig sauer über des bundesdeutschen Präsidenten Absage ist.

Nun dürfen immer noch Schreiber wie SPIEGEL-Fechter Jakob Augstein bejammern, dass Gauck und seine Kanzlerin ruhig auch muskelspielend den USA zeigen sollten, dass diese nicht alles ausspähen dürfen, was nicht schnell genug unter die kryptische Schutzdecke gelangt, oder sie sollten sich auch mal ums rechte Gewirr in Deutschland kümmern. Aber das eine ist nicht Sache eines Präsidenten und das andere tut er. Und beides kann mensch nicht mit diesem Kommerz-Spektakel in Sotschi und seinem Boykott vergleichen.

Nöö, Joachim Gauck hat das schon ganz richtig gemacht. Und sollten die Medien und andere allzu lange nachfragen, warum genau er so entschied, dann möge er die richtige Antwort parat haben: Ich mag nicht einer Feier beiwohnen, mit der ein sündhaft teures Medienspektakel eröffnet wird, während mein Nachbar zur linken oder rechten Seite Oppositionelle im Gulag verschwinden lässt. So wie ein gewisser Stalin einst es vormachte. Und außerdem,  mir ist Schwimmen lieber.

Fazit: Joachim Gauck hat ein wuchtiges Zeichen gesetzt, dessen mediale Wirkung durch seinen Mangel an Kommentationsbereitschaft noch größer geworden ist, als es das unter wortreicher Begleitung geworden wäre.

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