Wenn der Sigmar Gabriel gar nicht mehr mit der Marietta Slomka kann

Ich will es gar nicht so lang machen, aber nun eine eher mal belustigende Auseinandersetzung zwischen Herrn Gabriel und Frau Slomka in die Nachbarschaft einer staatskrisenähnlichen Attacke auf das Grundrecht des freiheitlichen Journalismus zu heben, halte ich für nachgerade ulkig. Generationen von Journalisten, und das waren welche und die konnten verdammt was, mussten es sich gefallen lassen, vor laufenden Kameras abgekanzelt zu werden und sie machten eines nicht: Sich lauthals darüber zu beklagen und alle möglichen Stellvertreter ihre Schlachten schlagen lassen. 

Friedrich Nowottny, Ernst-Dieter Lueg, um nur zwei ganz große beim Namen zu nennen, fingen sich gelegentlich schon mal Rüffel von Willy Brandt oder Herbert Wehner ein – um auch auf dieser Seite der Rampe ganz große Namen zu nennen; dass es nur so knisterte an der Mattscheibe. Sie hatten fix subtile Gemeinheiten auf Lager, womit sie es den hoffärtigen Politikern heimzahlen konnten. Beispiel: Wehner, … Sie mit Ihrem wenn-Sie, wenn-Sie, Herr Lüg!“ Lueg darauf: … nun, Herr Wöhner …!“

Ich gestehe, mir fiel es als werktätiger Redakteur bisweilen schwer, mich zu beherrschen, wenn ein Politiker ums Verrecken nicht verstehen wollte, was ich ihn fragte und wenn mir das allzu sehr aufs sonnige Gemüt schlug, dann konnte ich auch mal eine rhetorische Verrenkung machen, die ich – falls sie umgekehrt an mich gerichtet gewesen wäre – als glatte Beleidigung empfunden hätte. Zu Ruhrpottdeutsch: Ich machte meinem Gegenüber höflich , aber schwer missverständlich deutlich, dass ich es für blöd hielt.

Daher hätte ich mir auch gefallen lassen müssen, dass andere Politiker mir dasselbe in Erinnerung gerufen hätten, wären meine Frage allzu merkwürdig ausgefallen. Nun habe ich zu Frau Slomka meine Meinung, die hier nichts zur Sache tut. Nun habe ich zur Rechtmäßigkeit einer Mitgliederbefragung innerhalb der SPD auch meine Meinung, die hier schon was zur Sache tut. Ich meine, dass sie zwar gewagt und mutig ist, aber alles andere als verfassungswidrig. Wer so etwas vor sich hin klagt, über den habe ich auch eine Meinung, die wiederum nichts zur Sache tut.

So hat der an diesem Abend der charmearme Herr Gabriel eigentlich in meinen Augen nichts anderes getan, als der netten Frau Slomka versucht klar zu machen, dass ein jeder Mensch das verbriefte Recht hat, größtmöglichen Blödsinn zu erzählen. Ich räume ein, für meinen Teil hätte ich es eleganter formuliert, aber inhaltlich wohl ähnlich.

Und ich habe umgekehrt, mir einstmals in der Redaktion die Freiheit genommen, einem von mir aus auch ausgewiesenem Fachmann, zu erläutern, dass wenn er darauf bestünde, dass diese seine Meinung veröffentlicht werden solle, er dann auch mit einer kritischen Kommentation zu rechnen habe, und ob er sich dieses Risikos aussetzen wolle.

Ansonsten zitiere in auch gern mal Jakob Augstein, der in spiegel.de feststellt: „Gabriel hat Recht, und Slomka hat es nicht begriffen!“

150JahreSPD6

Bei seinem Besuch in Unna im Sommer dieses Jahres, war Sigmar Gabriel ein sehr charmanter Unterhalter. (Fotot: Rudi Bernhardt)

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