Eine Stimme der jungen Republik ist verstummt: Chris Howland lebt nicht mehr

An dem Tag erreichte ich gerade eine für mich einst unvorstellbare Hürde, ich wurde 65 Jahre alt. Zwei Tage danach erfahre ich, dass John Christopher Howland am selben 30. November 2013 gestorben ist, an dem ich Geburtstag hatte. Das macht mich sehr, sehr traurig, denn Chris Howland, „Heinrisch Pumberniggel“, er war eine der prägenden Stimmen meiner Kindheit.

Er war jemand, dessen kultivierter britischer Akzent und dessen unvergleichlicher Humor mich jahrzehntelang begleitete. Chris Howlands Erkennungmelodie riss mich möglichst nahe ans Radio, dass ich seine Musikauswahl mitkriegte, ohne meine Eltern mit dieser „Negermusik“, wie sie sie anfangs nannten, aufmerksam zu machen. Wenig später hörten auch sie begeistert zu.

„… und hier ist wiederrr Ihrrr Heinrrrisch Pumberniggel!“ So begann es immer. Und dann legte John Christopher Howland, der 1928 in London geboren wurde, los. Und seine Vitalität schien noch im Juli dieses Jahres 2013, als er seinen 85. Geburtstag feierte, ungebrochen. Damals hatte er verkündet, dass ihm das noch lange nicht reiche, denn er lebe doch schon lange so gesund (kein Bier, kein Tabak), dass sich diese Bemühungen lohnen sollten. Leider blieb ihm nur noch wenig Zeit.

Eigentlich hatte er ja Imker werden wollen und diesen Beruf auch erlernt. Doch nach dem Krieg begann er in den Spuren seines Vaters zu wandeln, der ihm als BBC-Redakteur als Vorbild diente. Über den legendären Sender BFN (British Forces Network) geriet er mit dem erblühenden  NWDR (später WDR und NDR) in Kontakt. Da hatten sie schon längst von den Qualitäten des Chefsprechers im Soldatensender gehört und engagierten ihn als „Schallplatten-Jockey“ (ja, das nannten die damals wirklich so).

„Heinrich Pumpernickel“ war geboren, Chris Howland stieg schnell zum Star seiner Generation auf. Spielte mit allen Top-Athleten des deutschen Unterhaltungsfilms, sang selbst lustige Schlager wie „Das hab ich in Paris gelernt“ oder „Fraulein“ und bewahrte sich über Jahrzehnte eine ungebrochene Popularität, die bis zu seinem Tode anhielt, wenn sie auch in eine stille Verehrung mündete, was sie nicht minder werthaltig machte.

Richtig, Fernsehen: „Versteckte Kamera“, die zwar anderenorts (natürlich in England) erfunden worden war, aber von Chris Howland ins deutsche Quoten-Spitzenreitertum erhoben wurde. Er und Helli Pagel spielten Streiche, die jedermensch treffen konnten, aber auch gern mal die Mitprominenz. Ob nun eine Isetta (Antwort von BMW aufs Goggomobil) mit einer Spritmenge gefüllt wurde, die dem Tankwart die Hysterie in die Augen trieb, oder Helli dem Briefträger einen Geldschein in die Hand drückte, den er just vor dessen Augen vom Trocknen an der Wäschleine gepflückt hatte, die Republik kugelte sich vor Lachen.

Und Chris Howlands Rollen in den Karl-May-Verfilmungen, die allein waren es wert, sich diese Streifen anzusehen. Seine Auftritte blieben in Erinnerung und ihre Qualität wurden dann auch mit dem „Scharlih“ ausgezeichnet, der für besondere Dienste am und Verdienste um das kulturhistorische Erbe eines der deutschesten aller deutschen Unterhaltungsschriftsteller verliehen wird.

Zuletzt lebte Chris Howland im Örtchen Hoffnungsthal. Von dort fuhr er jeden Dienstag auch noch hochbetagt  nach Köln, um in WDR4 seine Radiosendung Spielereien mit Schallplatten zu moderieren. Das machte er seit 2004 wieder bei seinem alten Stammsender. Spielereien mit Schallplatten hieß die Sendung auch, als er sie 1952 erstmals als „Heinrich Pumpernickel“ ausstrahlte.

Bye, Chris.

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