So unterschiedlich können Wirtschaftsweise den rechten Weg weisen

Es wirkt inzwischen beinahe hilflos, so fechten Experten, die sich mehr der deutschen Wirtschaft als der deutschen Gesellschaft verpflichtet fühlen, gegen Mindestlohn und andere Folterwerkzeuge einer Politik, die sich versucht, wieder den Bedürfnissen von Menschen zuzuwenden und weniger den Nutzbarkeitsdimensionen dieser Menschen für wie auch immer geartete Märkte.

Christoph Schmidt einer der Wirtschaftsweisen, die mehr Politik zu machen versuchen als Politik zu beraten, sieht nach eigenem Bekunden in der Maybritt Illner Talkshow des ZDF Deutschland hinter die Agenda 2010-Reformen zurückfallen. Er menetekelt Düsteres, das unsägliche Drohpotential Mindestlohn vor Augen: „Die Frage ist nicht nur, wie viel Euro ein Arbeiter durch den Mindestlohn nachher mehr bekommt, sondern vor allem, wer nachher noch seinen Job hat.“

Und dann liest mensch im Handelsblatt Einschätzungen von Adam Posen. Der US-Ökonom und von den deutschen Fachblättern als Top-Wissenschaftler gepriesen leitet das Peterson Institute in Washington und zählt zu den renommiertesten Geldpolitik-Experten der Welt. Von 2009 bis 2012 war er als erster Ausländer Mitglied im geldpolitischen Rat der Bank von England: „Erstens investieren der deutsche Staat und die Unternehmen viel zu wenig. Und zweitens bezahlen sie ihre Mitarbeiter zu schlecht. Beides führt zu globalen Ungleichgewichten und bringt andere Länder in Schwierigkeiten – vor allem in Europa. In den vergangenen 15 Jahren sind die Lohnerhöhungen in Deutschland fast immer hinter den Produktivitätszuwächsen zurückgeblieben.“

Nun sind derzeit die amerikanischen Ökonomen nicht so ganz gut auf die deutsche Wirtschaft und ihr mäßig rücksichtsvolles Handeln gegenüber der weltweiten Nachbarschaft zu sprechen. Aber wie gern nehmen die doitschen Experten sie als Zitatquellen her, wenn ihnen die Ansichten gut passen. Also nehmen wir ein unverdächtiges Zitat aus dem Munde von Franklin Delano Roosevelt. Sein Verhältnis zu Steuern, die weise beratende Wirtschafter als den Todesstoß der Konjunktur ansehen, so sie denn schichtenspezifisch steigen sollten, beschrieb er so:  „Steuern sind letztlich der Preis, den wir für die Mitgliedschaftsprivilegien in einer organisierten Gesellschaft zahlen.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.