Da schossen Emma, Stan und Rudi die stürmischen Bayern in fünf Minuten ab

88 mal trafen bisher der Ballspielverein Borussia Dortmund und der FC Bayern München aufeinander. Bayern war nicht dabei, als die Bundesliga ins Leben trat, der BVB war einmal ein paar Jahre (habe verdrängt, wann das war) nicht dabei, als sie bereits herangewachsen war. So bleibt es dabei, dass der HSV der letzte Dino des fußballerischen Paläolithikums ist, aber es bleibt auch dabei, dass der BVB gegen die Bayern seit vielen Jahren das Spiel der Spiele darstellt.

Abgesehen davon, dass ich am liebsten das Torverhältnis unserer Schwatz-Gelben in der Höhe sähe, wie das aktuelle Verletzten-Verhältnis, nämlich bei 5:3 für den BVB, abgesehen davon, sei allen Gourmets im Stadion und in der Welt gewünscht, ein tolles, torreiches Spiel zu sehen … und das am besten ohne Kommentar, denn seit Manni Breuckmann (falsche Farbe, ich weiß) hat’s keinen mehr, der wirklich was vom Fußball erzählen kann.

Und was gab es für Spiele, bei denen ich jede Kommentar-Minute genoss. Oder sie auch mit jedem mir zur Verfügung stehenden Verdruss an mir vorüber rauschen ließ. In der Saison 1971/72 beispielsweise, als dieser Herr Gerd Müller viermal gegen den BVB traf und es insgesamt elf mal gegen Dortmund klingelte und unsere gerade mal zu einem Törchen kamen. Da sträubten sich mir die Nackenhaare, den Bayern richteten sich die Brusthaare auf. Sie hatten damals den höchsten Sieg in der Bundesliga eingefahren. Und das ausgerechnet gegen uns. Der steuerauffällige Bayern-Häuptling Uli Hoeneß schoss damals auch zwei Tore.

Zehn Jahre später, genauer 1982/83 war es ebenso legendär, was sich im Westfalenstadion abspielte. Ein gewisser Reinhard Saftig war gerade Nachfolger von Pal Csernai als Bayern-Trainer geworden und wollte es bei der Schwarz-Gelben vormachen: „Ich kann was!“ So ganz gelang das nicht. Es fielen zwar acht Tore, aber jede Mannschaft schoss vier und Marcel Raducanu zauberte goldfüßig durch die bayerischen Reihen.

1968/68 liefen die jungen Bayern in der Roten Erde auf und machten mutig Druck. Dortmunds erfahrene Truppe um Emma, Libuda, Hoppy Kurrat und Rudi Assauer ließ es ruhig angehen und schon in der zweite Hälfte innerhalb von nur fünf Minuten die stürmischen Gegner ab. Drei flotte Tore zum 6:3-Endstand, da hingen nicht nur beim späteren Dortmunder Trainer Reinhard Saftig traurig die Ohren.

Und dann hätte ich noch, damit die Bauern nicht allzu sehr von ihrem 11:1 träumen, das Pokalendspiel in Berlin von 2011. Ich konnte die schiere Verzweiflung fühlen, am Fernseher. Immer wenn die Bayern ein Tor schossen, drehte Dortmund auf und legte lächelnd nach, bis zum Endstand von 5:2 für den BVB. Hach, war das schön!

Ok, wird schwer, ich weiß. Aber wie betitelte Frank Fligge sein neuestes Buch über große Spiele dieser großen Mannschaft: „Jetzt muss ein Wunder her!“ Und die gibt es immer wieder. Wir werden sehen.

Ja, es war tiefe Trauer. Aber es blieb noch größer Stolz auf die Mannschaft.

Wir woll’n euch jubeln seh’n, wir woll’n euch jubeln seh’n! (Foto: Rudi Bernhardt)

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