Es ist schwer, sich daran gewöhnen zu müssen: Dieter Hildebrandt lebt nicht mehr

Dieter Hildebrandt ist tot. Er starb im Alter von 86 Jahren in einem Münchner Krankenhaus. So tickert es spiegel.de durch das weltweite Netz. Knapp und nachrichtlich, wie es sich gehört.

Als ich  wahrnahm, drehte sich der physische Erdball zwar immer noch weiter, aber der Augenblick blieb einfach stehen. Unwirklich, ein Zustand ist eingetreten, an den man sich zwar gewöhnen muss, aber es nicht will, es vorher auch gar nicht wollte, weil im Inneren stets der Gedanke herrschte, dass er ewig Bestand haben werde.

Dieter Hildebrandt, Klaus Havenstein, Jürgen Scheller, Hans-Jürgen Diedrich, Ursula Noack – die Münchner Lach- und Schießgesellschaft und Sammy Drechsel. Nun leben sie alle nicht mehr, die Helden meiner heranwachsenden Zeit. Nur Dieter Hildebrandt schien bis heute in seiner unverwechselbaren Art mit dem Ungesagten das Zutreffende auszusagen, alle Zeiten überleben zu wollen.

Der gebürtige Schlesier und adoptierte Münchner Dieter Hildebrandt bohrte seinen fröhlich-bissigen Humor durch jedes sich nach dem Kriege anbietende Polit-Segment und tat Repräsentanten jeglicher Couleur damit weh, was Politiker und Wirtschaftsführer am meisten peinigen kann – er sprach ihnen öffentlich ab, dass sie ernst genommen werden müssen. Die Spätfolgen ihres Jobs sind allerdings schon gravierend.

Auch wenn ihm bisweilen ein Bannstrahl nach dem anderen um die Ohren flog, er überstand sie alle. Und stammelte sich weiter durch die real existierenden Gesellschaftsformen deutscher Provenienz, ganz im Stile eines Werner Finck, der ihm anscheinend Vorbild war, im Einlassen auf Auslassungen und Wortspielen, die so aus ihm fielen, als ob sie ihm mal so eben einfielen.

Der legendäre Finck trat übrigens im Theater „Die kleine Freiheit“ in München auf, Erich Kästner schrieb an den Programmen und Dieter Hildebrandt war wesentlich dafür verantwortlich, dass das Publikum es bequem hatte – als Platzanweiser. Ganz so eine Nachkriegskarriere, die ihn in Höhen führte, dass alle, die politisches Kabarett nach ihm lebten, an seinem Können gemessen wurden.

Das Folgende ist nur wirklich meine Ansicht, mein liebevolles, an einem großen Künstler und klugen Menschen Festhaltenwollen: Sie können sich allesamt bemühen, solange und so viel sie wollen, niemand wird so hinreißend und lustvoll je wieder sprachlich und mimisch die Kaste karikieren, die meint, diese Republik lenken zu wollen.

Mit Dieter Hildebrandt starb ein Mensch, den ich leider nie persönlich kennenlernen durfte, aber der mir so häufig aus dem Herzen sprach, dass ich heimlich vermutete, er und sein aufrechter Menschengang müsse einfach zu mir gehören. Ade, Dieter Hildebrandt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.