Ja und sie bejubeln sich und suhlen sich im formidablen Exporterfolg

Hei die Weih, was können wir uns wieder suhlen, so richtig sonnig-wonnig in einer bundesweiten „Wow-was-sind-wir-doch-gut“-Einstellung. Doitschtümelei auf breiter Front: Wirrr sind der Wirtschaftsmotor Europas, wirrr sind die extraordinären Exporteure, wirrr sind die Besten und was wollen die neidischen anderen eigentlich von uns. Weil wirrr doch nix anderes machen, als den anderen die besten Autos, die besten Kettensägen, die besten Nähmaschinen und die besten Gummibärchen zu verkaufen.

Und das lodert doitscher Fackeln gleich durch Wirtschaftsgazetten, durch TV-Magazine, durch die Talkshows jeden Senders, durch Parteien fast jeder Ideologie bis in eine aufnahmefreudige Gesellschaft, wo immer mehr Menschen das sinnfreie Vokabular der jeweiligen Vorredner übernehmen. „Warmwasserländer“, lese ich da, und gemeint sich die Anrainer des Mittelmeeres, auf dessen Stränden wir so ungemein tüchtigen Doitschen im Sommers Zeiten uns so gern flezen. Und, „wir zahlen uns doch dumm und dämlich“ hört man hier. Ja, dämlich ist so manches, auch an den vorgeblichen Hilfen, die das mittlere Europa anderen Ländern angedeihen lässt.

Also ich spinne mal wieder: Erstens ist ein Großteil des doitschen Wirtschafts- und Exporterfolges darauf zurückzuführen, dass es einen Euro gibt, dass jede Menge Importländer ihre Einfuhren mit geliehenem Geld bezahlen, was sie sich wiederum  unter anderem bei unseren Banken geliehen haben.

Zweitens entzieht es sich meiner Kenntnis, ob in den Exporterfolg der doitschen Wirtschaft auch schon die submarinen Militaria eingerechnet wurden, die mit jeder Menge Leihgeld bezahlt wurden und Europa an den äußeren Grenzen gegen jede Menge Gefahren schützen sollen, die von wo auch immer drohen. Gleiches gilt für die Exporteure von gepanzerten Geländefahrzeugen aus der Serienfertigung von Krauß-Maffei oder diverser Handfeuerwaffen.

Und drittens will ich mir auch gar nicht vorstellen was da noch so alles den wahnsinnigen Exporterfolg bereichert. Medikamente, die noch getestet werden müssen, jede Menge Produkte, mit denen im Importland keiner was anfangen kann, aber es wird sich ja ein Grund finden lassen, dass sie da auf den Markt kommen.

Ach ja, und da wäre auch noch ein viertens: Im Billiglohnland Doitschland können so manche Produkte super günstig gefertigt werden, weil sich viele, immer zahlreicher werdende Hersteller einen Teil der Arbeitskraft ihrer Mitarbeiter vom Staat (will sagen von uns allen) bezahlen lassen, Kombilohn über Umwege: „Geh ins Jobcenter und lass dir den Rest als Aufstocker bezahlen!“ Und wenn es einmal schief geht, so wie bei den Banken, dann werden natürlich auch die Verluste sozialisiert, weil das ja alles „systemrelevant“ ist.

Ich hielt bis vor ein paar Jahren dem Markt für anarchisch, entsprach ja auch einer Wirtschaftstheorie. Korrigiere mich: Der Markt ist so was von zielorientiert, wenn es darum geht, sich selbst und die Gewinne seiner Hauptakteure zu beschützen. Er ist das System über dem System, das alle Systeme beherrscht.

Wow, was sind wir doch gut!

 

3 comments for “Ja und sie bejubeln sich und suhlen sich im formidablen Exporterfolg

  1. 15. November 2013 at 14:45

    @Carlo: Hi mein Lieber. Du hast ja vollkommen Recht. Der Beitrag ist ja auch vollends sarkastisch gemeint und eigentlich komplett gegen die allgemeine deutsche Gemütslage. Gerade weil Deutschland auf Kosten seiner Nachbarn Rekorde feiert, gehen manche Meinungen in unserem Land mir ja so was von quer. Aber schön, dass du das gelesen hast. Liebe Grüße.

  2. carlo
    15. November 2013 at 14:30

    Ganz ohne Zweifel gibt es in diesem Zusammenhang auch die egoistische Komponente….aber du erwähnst nicht, dass sich die EU-Mitgliedsstaaten ein Regelwerk gegeben haben. Ein Regelwerk, das für alle die gleiche Gültigkeit besitzt. Eine dieser Regeln besagt, dass ein Mitgliedsland nicht einen bestimmten Exportüberschuss übersteigen darf. Damit soll verhindert werden, dass es ein Ungleichgewicht zwischen dem stärksten und dem schwächsten Wirtschaftsmitgliedsland entsteht.

    Dieses ist die Regel!

    Aufgabe Deutschlands (als aktueller Motor der EU) wäre es, durch Verhandlungen eine Milderung dieser Regel zu erreichen, um aus der Kritik und der Schusslinie raus zu kommen.

  3. 14. November 2013 at 15:04

    …wow, wirrr sind so gut, dass wirrr wohl als Sieger in den Abgrund von Egoismus, Gier und sozialer Kälte fallen werden, oder?

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