„Pralinothek Unna“ – hier findet die Tradition des Café Prünte einen süßen Nachfolger

So langsam ist es absehbar, unsere Stadt wird sich an einer zentralen Ecke am nördlichen Eingang der Fußgängerzone richtig einschneidend verändern. Solange die meisten Unnaerinnen und Unnaer denken können, genau seit dem 1. September 1955, trinken Unnaer gern ihren Kaffee im „Café Prünte“. Inhaber Uwe Petersmann kündigte allerdings an, dass in diesem Jahr Schluss mit dieser Tradition sein wird. Der gesamte Komplex werde einem Neubau weichen, abgestimmt mit dem Denkmalamt in Münster, obwohl keines der Häuser, die weichen werden, wirklich unter Denkmalschutz steht.

Die erste Veränderung ist bereits vollzogen. Im Sparkassen-Areal an der unteren Bahnhofstraße, dort, wo früher mal im „Golden Goal“ allerlei Fußball-Devotionalien zu erwerben waren, hat sich mächtig was getan. „Pralinothek Unna“ strahlt über dem Eingang, aus dessen Richtung jedes Mal ein unvergleichlicher Duft strömt, sobald ein Kunde die Türe öffnet. Hier hat Uwe Petersmann, der das „Café Prünte“ seit dem 1. Januar 1993 mit Ehefrau Sigrid führt, Unnas erste Confiserie ins süße Leben gerufen. Und an der duftöffnenden Frequenz der Eingangstür lässt sich erkennen, dass zunehmend mehr Kundinnen und Kunden gefällt, was da in den Auslagen zu sehen und zu kosten gibt.

Uwe Petersmann ist echt stolz darauf, so eine große Auswahl an Leckereien anbieten zu können. (Fotos: Rudi Bernhardt)

Uwe Petersmann ist echt stolz darauf, so eine große Auswahl an Leckereien anbieten zu können. (Fotos: Rudi Bernhardt)

Nur mal nebenbei: Ich hab da auch unlängst was auf meiner ziemlich gut geschulten Zunge zergehen lassen und urteile absolut unvorein-genommen: „Köstlich, super, mehr davon!“

Und doch, obwohl Uwe Petersmann in seiner „Pralinothek“ einen wesentlichen Teil der Prünte-Tradition fortführt, obwohl auch der unvergleichliche Baumkuchen (ist ja eigentlich auch ein Super-Konfekt) dort erworben werden kann und weiterhin in alle Welt verschickt wird, wenn es wieder mal an der Zeit ist, Uwe wird es mir nachsehen, wenn ich freimütig gestehe, dass dieses „Café Prünte“ mir fehlen wird. Da hängen einfach zu viele Erinnerungen dran. Aber ich bin ja trotz methusalemischen Alters ein moderner Mensch und weiß: Lebbe geht weiter.

Lange wird das "Café Prünte" nicht mehr Gastlichkeit bieten. Seit 1955 ist es hier zu finden.

Lange wird das „Café Prünte“ nicht mehr Gastlichkeit bieten. Seit 1955 ist es hier zu finden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie zählten zu meinen ersten sozialen Kontakten, als ich, der redaktionelle Frischling zu Unnas Ruhrnachrichten-Redaktion an den Hellweg stieß. Peter Sombold, damals noch Jung-Ovator, sein Vater Hans, eine Legende unter Unnas Politikern wie auch Anglern, Karl Pfisterer von Foto-Porst, den sie gern Friedolin nannten und Karl-Heinz Prünte, von seinen Freunden gern zärtlich „Plätzchen“ gerufen. Sie und ich, der eigentlich aus der Fremde kam, saßen nahezu jeden Mittag an einem kleinen Tisch, der damals noch direkt hinter dem Eingang Platz fand und tratschten. Coole Nachrichtenfundgrube für einen aufstrebenden Jungredakteur.

Tja, und nun wird der gewohnte Schriftzug über dem Café bald nicht mehr zu sehen sein. Statt dessen entsteht ein neuer Komplex, der Unnas City richtig gut tun wird, denn: Eine Stadt wird niemals fertig, und daher kann auch im Laufe der Jahrhunderte nichts auf ewig bewahrt werden.

Uwe Petersmann hat mit der „Pralinothek“ die Geschäftsräume im Sparkassen-Komplex schon mal vorauseilend aufgewertet. Und er hat eine süße Attraktion geschaffen, die über die Grenzen Unnas hinaus attraktiv sein dürfte und viele Freunde finden wird.

Und ich werde Ende dieses Jahres still dem „Café Prünte“ adé sagen. Alles und jeder hat seine Zeit.

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