Eine Traumehe ging plötzlich und ohne Rosenkrieg ins Scheidungs-Verfahren

Heute morgen erschütterte mich eine Nachricht durch Mark, Bein und Hirn, ließ mich innerlich nicht mehr zur Ruhe kommen, verdarb mir jeden weiteren Gedanken an bevorstehende Genüsse, versetzte mir einen lange nicht mehr gekannten Kulturschock. Nein, es war nicht der Umstand, dass Frau Merkels SMS oder ihre Telefonate der Vertraulichkeit entzogen wurden, und das seit 2002 (oder noch länger), nein, es war auch nicht Sebastian Vettels vierter WM-Titel in Folge. Und noch mal nein, es handelte sich auch nicht um die Ankündigung eines unmittelbar bevorstehenden weiteren Weltunterganges. Es war viel bedeutender: MacDonald’s trennt sich nach über 40 Jahren geschmacklicher Ehe  von Heinz Ketchup. Mir gefriert das Blut, meine Geschmacksknospen geraten in Aufruhr, in beginne am Management-Verstand eines Weltkonzerns zu zweifeln.

Nun sollten die verehrte Leserin, der feinschmeckende Leser aufgeklärt werden, dass ich als ausgemachter Gourmet schändlicherweise dazu neige, Bratkartoffeln, Rührei, Steaks (ich mag keine Filets, bevorzuge Ribeye) in Wogen von Heinz Ketchup zu ersäufen. Ich führe ihn auch gern mal auf einem wachsweich gekochten Ei zum Munde oder nage ihn begeistert von einem Drumstick. Also, Heinz Ketchup, diese völlig offene Werbung sei mir gestattet, verzuckert mir leicht säuerlich manche Malzeit, die andere pur genießen, was auch ihr gutes Recht ist.

Und noch was gestehe ich: So ein paar Male im Jahr heißhungert es mich nach einem Burger, und zwar nur von der schottisch-stämmigen Bräterei, den königlichen kann ich nun gar nichts abgewinnen. Und die haben stets und allerorts ein- und denselben Geschmack. Darauf ist Verlass. Das liegt unter anderem an diesem Heinz Ketchup, dessen unvergleichliche Rezeptur geradezu symbiotisch mit eingeweichten Trockenzwiebeln und Gürkchen und einem kleinen Schüsschen Senf das gehackte Beef abrundet.

Und was nun, wenn ich da beim nächsten Mal diese Geschmacksgewohnheit nicht mehr so vorfinde, wie sie mir seit nunmehr vier Jahrzehnten bekannt und gewohnt ist? Was, wenn da ein Ketchup durchsticht, der die Komposition verändert? Nicht auszudenken. Und noch weniger will ich mir vorstellen, dass die seit 1976 produzierende Firma Heinz (Betrieb eines deutschen Auswandererkindes) durch die Trennung in für die USA unwirtschaftliches Fahrwasser geriete. Ich mag mir wirklich die Konsequenzen nicht vorstellen. Und das bloß, weil bei Heinz ein Manager anheuerte, der zuvor bei den königlichen Burgern von den Konkurrenz still vor sich hin managte. Nicht nur ich bin verwirrt, das können andere offenbar auch.

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