Respektloser geht’s nimmer!

Wer weiß, um welche Spezies es sich handelt, wenn die BILdhafte Sprache ebenso hemmungs- wie hirnlos ins Füllhorn des aktiven Wortschatzes ihrer Macher greift und dabei die Vokabel „Einarm-Bauer“ heraus kommt? Jetzt will ich es mal nicht allzu spannend machen und fix aufklären. Wer so respektarm tituliert wird, das ist ein lebendiger und unter uns weilender Mensch, von Beruf Landwirt und von Geburt an ohne seinen rechten Arm. Mit Vornamen wurde er Franz getauft, die Medienwelt bedient sich nur dieser vertraulichen Anrede, und so ist er der „Bauer Franz“.

Er wurde, so wird berichtet, aus der Sendung „Bauer sucht Frau“ (High-Class-Unterhaltung bei RTL) katapultiert, weil der Redaktion anscheinend seine Geschichte nicht vielversprechend genug erschien. Schnipp-schnapp raus aus dem Scheunenfest, zu dem er noch eingeladen worden war. Ok, kann passieren, und wenn man sich drauf einlässt, bei eher ergänzungsbedürftigen Vorfürshows im TV mitzuwirken, dann muss man auch mit so was rechnen.

Aber schier atemberaubend scheint mir, wie verächtlich medial mit Menschen umgegangen wird, ihnen sozusagen aus boulevardtechnischen Gründen ein Etikett angepappt wird, ein genetischer Zufall als Kennzeichnung einer Person hergenommen wird.

Wer bittesehr erwartet von der gesellschaftlichen Umgebung allen Ernstes noch, dass sie respektvoll miteinander umgeht, wenn es „Protz-Bischöfe“ oder „Einarm-Bauern“ oder „Internet-Deppen“ (Daniel Brunkhorst, SPD) als alltägliche Boulevard-Vorführung gibt. Und bei den sprachlichen Verstecken haben wir da ja noch gar nicht angefangen.

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