Prunk, Pracht, Protz: Nun lasst mal langsam die Kirche im Dorf

Nun mal ein wenig herunterfahren, das Glas mit dem Pharisäer austrinken, an inzwischen schier alltägliche Fehltritte völlig alltäglicher Zeitgenossen und -innen erinnern: Franz-Peter Tebartz-van Elst, seines Zeichens Bischof zu Limburg, inzwischen auch gern mal BILDhaft zum Protz-Bischof befördert, ist nicht das Gesicht das Falschen, die Symbolfigur des messianisierenden Verschwenders, der Bösewicht einer ganzen Kirche; auch dann nicht, wenn er mir als gebürtigem Katholiken (bleibt man ja ein Leben lang) und jahrzehntealtem Heiden rein physiognomisch nicht zwingend zum Beagle des amtlichen Katholizismus wird. Also, liebwerte enttäuschte Gläubige, bestverstandene fromme im Armutgelübde, hochverehrte Würdengebürdete: Fragen wir doch mal was Franz-Peter Tebartz-van Elst eigentlich getan hat, unser Protz-Bischof von BILDhaften Weihen.

Er hat ein Projekt mit einer Anschubfinanzierung von 5 Millionen Euro kurzerhand auf angeblich schwindelerregende 41 Millionen Euro gebracht. Ich sehe schon, wie Hartmut Mehdorn schwindelnd erstarrte, als er vor dem Milliardengrab des Flughafens BER stand. Oder die Dortmunder Kommunalpolitik insgesamt, als sie erbebend zur Kenntnis nahm, dass ihr schönes „U“ teurer wurde als das „X“, das man ihnen vorgemacht hatte. Die Zahl der Beispiele ist ab hier freihändig erhöhbar, ich belasse es aber mal dabei. Will sagen: Franz-Peter Tebartz-van Elst wird bis hin ins Übelste gegeißelt (ich will gar nicht werten, ob zu Recht oder nicht) für eine Kostenexplosion, die nicht einmal in die Nähe eine Rekordverdächtigkeit gelangt.

Oder nehmen wir mal kirchenintenere Kriterien. Mir wäre neu, dass der dralle Katholizismus über Nacht in ein Mäuslein mutiert sein könnte. Der Petersdom ist Protz, die traumhafte Basilika in Florenz ist Prunk, die Piazza dei Miracoli in Pisa ist Pracht pur, der Kölner Dom thront über seiner Stadt und plustert sich nicht rein zufällig so auf. Wir alle (ja, auch ich) bewundern dies alles und fragen uns eher selten, was das wohl alles gekostet haben mag. Nicht einmal (ehrlich) fragen wir danach, ob das wohl Menschenleben gekostet hat.

Prunkt und Pracht – ja auch neudeutsch Protz – gehören nun einmal von jeher zum Katholizismus, ebenso wie Franziskus, der gern Zwiesprache mit Tier und Natur hielt und ansonsten in für seine Herkunft auffälliger Bescheidenheit lebte. Und bei einem Franz-Peter Tebartz-van Elst drehen wie gesellschaftlich am Rad, menetekeln den unmittelbar bevorstehenden Untergang des Abendlandes an die Wand. Und nehmen so nebenbei mal noch wahr, dass die Rekordausgabe für einen zweibeinigen Fußballer von derzeit 100 Millionen Euro bereits in Kürze geknackt werden wird.

Franz-Peter Tebartz-van Elst hat ganz sicher unter einem schweren psychischen Schaden zu leiden: dem Verlust der Realitätsnähe. Daran sollte er dringendst arbeiten und sich auf seine seelsorgerischen Verpflichtungen besinnen. Aber mit dem Verlust der Realitätsnähe steht er so schrecklich allein nicht. Also sei eine solche flächendeckend empfohlen. Und der empörten Öffentlichkeit sei empfohlen, diese Gemütslage zu bewahren und in exakt dieser Form auch dann zu äußern, wenn demnächst wieder ein Manager mit Millionen-Abfindungen in Gebüsch geschickt wird, ein zweibeiniger Fußballer horrendes Geld will oder Scheich in Katar jedes Geld dafür ausgeben, eine WM zu ergattern. Oder … die Nachricht nebenbei einrinnt, dass überall auf der Welt gehungert werden muss, unter anderem, weil an Börsen mit Lebensmitteln spekuliert wird.

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