Wir hätten unser Bier doch schneller noch gemeinsam trinken sollen

Manchmal ist es ja eigentlich nur der Schrecken vor der eigenen Vergänglichkeit, der einen erfasst, wenn man vom unverhofften Tod eines bekannten Menschen erfährt. Als ich heute Morgen Rainer Spindlers Nachricht ebenso ungläubig wie erschüttert aufnahm, dass nämlich unser Klaus Dei nicht mehr lebt, war das völlig anders. Da wurde mir wie vielen, vielen anderen sofort deutlich, dass es der Verlust des wertvollen Bekannten, Kollegen, Freundes ist, der erschüttert und jeden Gedanken an das bevorstehende eigene Schicksal überdeckt.

Er kugelblitzte vor etlichen Jahrzehnten aus Altena anreisend in die Redaktion der Westfälischen Rundschau Unna und sollte dem Sport im Kreis ein Chronist von regionalem Rang werden. Ein wohlgelaunter Kerl, der fabelhafte Musikalität, virtouses Ballgefühl beim Tischtennis ebenso verkörperte wie sportjournalistische Sachkenntnis, großartige Kommunikationsfähigkeit lebte und gesellige Lebensfreude. Dabei konnte sein Wort, das er in den Kreisen des Sports führte, auch gern mal so kritisch werden, dass nicht nur direkt Getroffene ihm böse Worte nach sagten; zu Dauerverletzungen führte das allerdings so weit mir bekannt ist, nie.

Noch heute lächle ich über die Szene, da der ehemalige Sparkassenmann mal wieder einen gelungenen Coup an der Börse so wichtig nahm, dass er seinen Kolleginnen und Kollegen „einen ausgeben wollte“ und nicht so recht einzuordnen verstand, was die beschenkte Schar so erheiternd fand, als er mit zwei „Achterpacks“ welcher Marke auch immer ans Werk gehen wollte. Das passierte ihm allerdings auch nur einmal.

Oder wenn er, damals noch Junggeselle, mit dem Tageseinkauf von Schnückel zurückkehrte und Majala Traumcreme als höchste kulinarische Errungenschaft pries. „Kleines dickes Dei“ oder „Locke“, wie er liebevoll gerufen wurde, war eben Feinschmecker – und das sah man.

Aber wenn er für seine Band hinter die „Schießbude“ kletterte und ihr den Rhythmus schlug, oder wenn ihm gar einer seiner Mit-Musikanten zunickte, er sei jetzt an der Reihe das Solo zu spielen, dann mutierte unser Klaus zu einem Ein-Mann-Orkan, setzte dabei ein fast in sich gekehrtes Gesicht auf und marmelte stumm wie manch alter Jazzer Unverständliches ins Publikum und verzückte die Zuhörer mit seinem Wirbel auf den Drums. Das musste man erlebt haben.

Nun können wir unsere unlängst getroffene Verabredung nicht mehr einhalten, das gegenseitig versprochene Bier nicht mehr genießen und vor allem nicht mehr gemeinsam in Erinnerungen baden. Eben hörte ich zufällig im Radio „The House of the Rising Sun“. Klaus mochte Eric Burdon.

Viele trauern um einen guten, alten Freund:

sport-kreisunna.de

1 comment for “Wir hätten unser Bier doch schneller noch gemeinsam trinken sollen

  1. Rainer+Ulla
    18. Oktober 2013 at 09:26

    Hallo Klaus, Ulla und ich sitzen jetzt hier, heute am Freitag, am Frühstückstisch. Wir sprachen heute bereits schon um 1/2 5 Uhr in der Nacht von Dir.
    Es ist auch heute noch unfassbar für uns,was da unwiderruflich als Hiobsbotschaft uns hier in Hofgeismar erreichte.
    Es ist so besonders schwer zu verstehen, weil Du ja eigentlich noch mitten im Leben warst,und auch wir uns schon auf unser nächstes, geplantes Cousinentreffen gefreut haben. Du warst ein lieber, guter Mensch, der auch Sinn für die Familie hatte. Deine freundliche, herzliche, fröhliche Art hat mich immer sehr beeindruckt.
    Wir haben uns leider, wegen der Entfernung nicht so oft gesehen, standen aber doch immer irgendwie in Verbindung. Du wirst uns fehlen und Dein Tod hinterlässt ein unbegreifliches Vakuum.
    Deine Ulla und Rainer

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