Friedhof Wehringhausen: Hinfälliger Bewahrer historisch bedeutsamer, großer Namen

Erst mal wählen gehen. Gesagt, getan, zwei Kreuze und dann wieder in den Sonntag Morgen, ein wenig zu würdig erschienen mir die Mitglieder des Wahlvorstandes. Schau da, die Sonne bestrahlt auf einmal die Szene. Gleich nebenan liegt ein Friedhof, den mir Andrea schon lange mal zeigen wollte. Vom Bergischen Ring in Hagen aus habe ich ihn schon oft gesehen. Zugänglich ist er aber nur von der Grünstraße, wo auch das Wahllokal lag, in das wir zum Kreuzemachen spaziert waren. Diesmal und auch weil die Sonne uns wärmte, marschierten wir hinein. Es war nicht etwa ein nekrophiler Anfall meinerseits, ich wollte nur ein wirklich wesentliches Stück Hagener Stadtgeschichte aus der Nähe sehen, und das ist der ehrwürdige und an so vielen Stellen leider auch hinfällige Friedhof in Wehringhausen ganz sicher.

Als Liselotte Funcke 2012 starb, da war ich wieder auf den Wehringhausener Friedhof aufmerksam geworden, weil ich las, dass die große und bewundernswert aufrechte alte Dame der FDP dort zu Grabe getragen wurde. Und nicht sehr weit entfernt vom Eingang vorbei an einigen Grabstätten, die zwischen ungemein gepflegt und da und dort auch pflegebedürftig schwanken zwingt mich zunächst der Namenszug Osthaus zur Aufmerksamkeit. Dann die bescheidene, aber edle Grabplatte verstorbenen Ehrenbürgerin Liselotte Funcke, der Name Harkort taucht auf, dann Elbers, Post. Der nicht so furchtbar große, mit seiner beinahe Innenstadtlage auch nicht so völlig idyllisch-ruhige Friedhof ist ein veritables Stück Industriegeschichte der Stadt Hagen und des Ruhrgebietes. Und viele Grabstätten – auch wenn manche von ihnen inzwischen altersgrau und die eine oder sogar bemoost – sind auch kulturgeschichtliche Zeugen einer Zeit, in der Hagen-Wehringhausen eine der bürgerlichen und besonders wohlhabenden Gegenden der Stadt war.

Kommerzienräte, Sanitätsräte, Doktores ing., phil. oder jur., Generationen übergreifende Gruften, große Familiengrabstätten, Einzelgräber. Auch Grabstätten, die aufgelassen, Grabsteine, die noch erinnern, aber kein Grab mehr kennzeichnen, Stehlen moderner Herkunft. Gräber, deren Zustand den Eindruck macht, als seien inzwischen auch die Hinterbliebenen nicht mehr am Leben. Der kleine Friedhof wirkt wie ein historischer Querschnitt durch die Hagener Stadtgeschichte und wie deren Spiegel. Denn auch die Stadt blüht hier, bröselt da und wird dort umgepflügt, in der Hoffnung, dass irgendwann in naher Zukunft die entstandene Brache mit neuem Leben bevölkert.

Und einige Stellen des schönen alten Geländes zeugen davon, dass private Initiative Geld aufbrachte, um alte Zeitzeugen jungen Nachkommen zu erhalten. So wie beim Mahnmal an Hagener Soldaten, die 1870 gegen Frankreich zu Felde zogen. Da muss meiner Einschätzung nach noch viel mehr in den kommenden Jahren kommen, denn dem Kulturschatz zwischen Bergischem Ring, Lange- und Grünstraße sollte mehr Pflege angedeihen, als es in der siechen Kommune Hagen geleistet werden kann. Viele der Frauen und Männer, die dort zu Grabe getragen wurden, entstammen einer großen Tradition Wohlhabender, die es noch verstanden Gemeinsinn und Geschäftssinn erfolgreich zu verbinden. Sie zu ehren, könnten die Wohlhabenden von heute zur Verpflichtung führen, sich dort dem Gemeinsinn zu widmen.

Frühherbstliche Farbtupfer, es ist lebendig auf dem Friedhof. (Fotos: Rudi Bernhardt)

Frühherbstliche Farbtupfer, es ist lebendig auf dem Friedhof. (Fotos: Rudi Bernhardt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liselotte Funcke , Hagens Ehrenbürgerin, die große FDP-Bundestagsabgeordnete, liegt hier zur letzten Ruhe.

Liselotte Funcke , Hagens Ehrenbürgerin, die große FDP-Bundestagsabgeordnete, liegt hier zur letzten Ruhe.

 

 

 

 

 

 

 

 

Eindrucksvolle Grabstätte der Familie Elbers.

Eindrucksvolle Grabstätte der Familie Elbers.

 

 

 

 

 

 

An der Mauer Richtung Langestraße findet sich ein zweites Elbers-Familiengrab, ebenso imposant.

An der Mauer Richtung Langestraße findet sich ein zweites Elbers-Familiengrab, ebenso imposant.

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Nähe die Grabstätte der Familie Post, in deren Villa heute die VHS untergebracht ist.

In der Nähe die Grabstätte der Familie Post, in deren Villa heute die VHS untergebracht ist.

 

 

 

 

 

Viele Grabstellen sind offenbar schon lange aufgelassen.

Viele Grabstellen sind offenbar schon lange aufgelassen.

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.