„Takis“ Kapourelakos: Ein Paneuropäer kämpfte stets für Demokratie und Freiheit

von Rolf Stöckel

 

O Takis: Er ist eben Grieche, kann Geschichten erzählen, die glaubhaft sind, aber mit 80 Jahren keine genauen Daten mehr nennen, hat alle Unterlagen mal verloren. Ich habe mich gestern eine Stunde mit ihm unterhalten und Fragen stellen können. Er kann zwar sagen, wo er in Duisburg – Wanheim ab 1960 gewohnt hat, dort als erster „Gastarbeiter“ an einer SPD-Veranstaltung teilgenommen hat und auch offiziell begrüßt wurde, und auch in Hamburg ab 1967 in Altona, dann war er, weil er vor der Geheimpolizei der griechischen Junta auch aus Deutschland flüchten musste, ein Jahr in Australien bei seinem Bruder, dass muss 1969 gewesen sein. Er kehrte aber nach Hamburg zurück und eröffnete später über 7 Jahre lang das erfolgreichste ausländische Restaurant „Hellas“ im „Neuen Graben“. O Takis!

Aber von Anfang an: Als Kind mit seiner Familie in Parasiro bei Gythio aufgewachsen, ein kleines Bergdorf, damals ca. 300 Einwohner heute noch 25 (!), deutsche Besatzung, Luftangriffe auch auf sein Dorf, weil dort Partisanen vermutet wurden wie sie überall in der Mani, einer wilden Gegend, versteckt gekämpft hatten. Für getötete Wehrmachtssoldaten wurden 20 Dorfbewohner liquidiert. Und doch, sein Vater war schon bei den Sozialisten und Takis als junger Mann bei der PASOK.

Takis (links) erzählt Rolf Stöckel spannende Geschichten aus seinnem turbulenten Leben. (Foto: Privat)

Takis (links) erzählt Rolf Stöckel spannende Geschichten aus seinnem turbulenten Leben. (Foto: Privat)

Er ist als einer der ersten Gastarbeiter ohne Familie 1960 nach Deutschland gekommen, angeworben vom Kabelwerk Duisburg, einer AEG-Tochter. Die damalige Militärjunta hatte mit der deutschen Regierung einen Vertrag geschlossen. Wenn der Lohn an der Maschine 5 bis 6 DM pro Stunde betrug, bekam der griechische Staat 3,50 bis 4  DM und die überlassenen griechischen Arbeiter 2,02 DM (Zitat Takis). Er hat einen der ersten erfolgreichen Streiks dagegen organisiert, wurde dennoch Vorarbeiter und war in der Firma äußerst geachtet und beliebt.

Er hat Akkord und Doppelschichten geleistet, um aus dem Nichts etwas zu schaffen. Er hat sich gleichzeitig an der Auslandsorganisation der PASOK in Deutschland beteiligt, Konferenzen mit Andreas Papandreou und Melina Mercuri mitorganisiert. Er wurde von der Deutschen Welle in Köln als PASOK-Aktivist für das Radio interviewt. Kurz danach bekam er in Duisburg-Wahnheim nachts Besuch von einem griechischen Geheimpolizisten, der ihm offen damit drohte „er würde seinen Kopf verlieren (also umgebracht), wenn er so weiter öffentlich in Deutschland arbeite“.

Takis, der damals in seiner Wohnung kein Telefon hatte, hat ihm gesagt, dass sie in Deutschland und nicht in Griechenland seien und gedroht die Polizei anzurufen, so dass der Agent flüchtete. Einmal bekam er (wohl durch bewusste Sabotage in der Post) eine Akte der griechischen Junta zugespielt, die für die griechische Botschaft in Bonn bestimmt war und Namen und Adressen von oppositionellen Griechen enthielt, die in Deutschland arbeiteten und beobachtet werden sollten. Diese Akte enthielt auch Mordaufrufe. Das war wohl der Grund für ein Jahr nach Australien zu gehen, wo er sich zwar sicher, aber nicht wohl fühlte.

Seine dortige Firma schickte ihn nach Hamburg, und da machte er weiter für PASOK und auch in der SPD. In Hamburg, das muss 1968 gewesen sein, wurde eine große PASOK-Protestveranstaltung mit einem griechischen Marineoffizier, vorbereitet, der sich gegen die Junta gestellt hatte und nun zur Linken bekannte. Takis gehörte zu der Organisatorengruppe, die diesen Offizier am Vorabend der Veranstaltung zum Hotel gebracht hatte. Der Offizier wurde im Hotel betäubt, entführt und 3 Monate später als Wasserleiche in einem Seitenkanal der Elbe aufgefunden. Die Veranstalter warteten am anderen Tag vergebens auf ihn. Gefahrlos war Takis Arbeit für Recht und Demokratie in seiner Heimat auch in der Bundesrepublik nicht.

Später kaufte er ein Restaurant, dass  als „Hellas“ Im neuen Graben in Hamburg ein beliebter Treffpunkt für Sozis und PASOK-Migranten in den 70/80ern wurde.

Er vermittelt mir das untrügliche Gefühl, dass er schon immer PASOK -Mitglied war und von 1963 bis 1988 in der SPD Duisburg und Hamburg aktiv mitgearbeitet hat und einer der führende Kontaktleute der PASOK hier war, aber nie formal in einen SPD- Ortsverein als Mitglied aufgenommen wurde. Er kann sich daran auch nicht erinnern, sagt aber stolz und selbstbewusst, er habe regelmäßig an die SPD gespendet und sei bei vielen Veranstaltungen und Parteitagen dabei gewesen. Da wird mir ehrlich warm ums Herz: Ein paneuropäischer Streiter für Demokratie und Ideale, die griechische PASOK und deutsche SPD gemein haben – das ist er: O Takis.

Nun berichten auch bedeutende griechische Zeitungen über unseren Freund Takis. (Foto: Reinhard Jakob)

Nun berichten auch bedeutende griechische Zeitungen über unseren Freund Takis. (Foto: Reinhard Jakob)

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