Gemüse Tage, Wirtschaftsfeind Steuern und Plastikstühle am Schwitzegesäß – Sorgen gibt’s

Es wird wohl alles an der wunderbaren Sommerhitze liegen, die manche einfach nicht gewöhnt sind, und wenn sie sich dran gewöhnt haben und wieder was Kluges aus ihnen heraus kommen könnte, dann ist sie wieder vorbei und alles beginnt von Neuem: das Warten auf sinnstiftende Einfälle, die unsere Gesellschaft wirklich mal weiter bringen würden.

Beispiel Berlin (die arme Stadt kann wirklich nichts dazu): Aufgeregt berichten Blätterwald und Medienlandschaft nahezu flächendeckend, dass sich die GRÜNEN wieder etwas ganz Sonderbares haben einfallen lassen und das auch noch programmatisch in festgeschriebenes Wort gießen. Damit es sich besonders gut anhört, bekommt auch noch einen englisch klingenden Namen verpasst: Veggie Day. „Gemüse Tag“ also. Nein, es wird nicht etwa dazu aufgerufen, dass Karotte, Kastanie (die zum Essen) oder Kerbel ureigene Welttage bekommen sollten. Es soll gleich nach der Wahl durch gezielte Förderung beispielsweise eingeführt werden, dass einmal die Woche rein Vegetarisches auf die Tische öffentlicher Kantinen, universitärer Mensen und kommunaler Caféterien zu kommen hat. Meine Sorgen möcht‘ ich haben! Sieht man mal ab davon, dass selbst so etwas gut begründet werden kann, dass selbst so etwas durchaus empfehlenswert wäre, dem einen oder anderen Infarkt  vorzubeugen, dass selbst so etwas auch anderen Polit-Köpfen entspringen könnte als Grünen. Sieht man einmal von alledem ab: Unter dem Strich sollen wir, die Verbraucher das regeln, was eigentliches Ziel ist. Tierfrischfleischindustrieproduktion soll ja ausgemerzt werden, was durchaus löblich erscheint. Könnte man ja auch beispielsweise über EU-Verordnungen regeln, aber dann müsste man sich ja offen als Allgewaltiger gegen die Tierfrischfleischproduktionsindustrie stellen und das gäbe Stress. Also machen wir einen Tag draus, an dem die Verbraucher das tun. Praktisch. Und was vermitteln wir wieder einmal. Gesetzgeber schnüren unsere individuelle Entscheidungsfreiheit ein. Ich muss also an einem bestimmten Wochentag „carne vale“ sagen, ob ich nun Appetit auf ein blutiges Rindersteak verspüre oder nicht. Ok, dann umgehe ich eben alle öffentlichen Mensen, Kantinen oder Caféterien weiträumig und konsequent an diesem Tag und die bleiben auf den liebevoll zubereiteten Veggies sitzen.

Beispiel überall in der BRD: Aha, nun wissen wir es: Berthold Leibinger, den die BILDhafte Sprache mal kurz zur republikanischen Manager-Legende erhob, warnt davor, dass Steuererhöhungen jede Menge Arbeitsplätze kosten würden. Ich bin zwar auch skeptisch, wenn es um neue oder wieder eingeführte Steuern oder Steuererhöhungen geht. Weil die nach meinem unscheinbaren Dafürhalten ohnehin nichts bringen, den größten Batzen zahlen ja eh nur diejenigen, die Lohnsteuer entrichten. Die richtig Großen im Geschäft zahlen 0,000 Gewerbesteuer, nutzen aber fleißig jede kommunale Infrastruktur und beschweren sich empört, wenn ihnen diese nicht wie gewünscht geboten wird. Sie menetekeln den absehbaren Untergang des industriellen oder finanziellen Abendlandes an jede sich bietende Mauer, falls Vermögenssteuern erhoben werden sollten, sind aber die ersten, die eine Lück erspähen lassen, die solche Zahlungen vermeidbar macht. Daher bin ich eher mal ein Verfechter der Methode, die Steuern auch wirklich einzutreiben, die schon heute erhebbar sind und ausdrücklich temporär gedachte Erleichterungen auch wirklich nur temporär zu gewähren. Dann bräuchte niemand mehr sich Gedanken zu machen, ob die öffentlichen Einnahmen stimmen oder die bettelarmen Weltweitoperierer (Apple beispielsweise) mit Steuern, die Europa zustünden in den USA Gewinne auswerfen, die nur den Aktionären dienen. So was wäre durchaus erfolgreich steuerbar. Würde mich ja interessieren, was Berthold Leibinger wohl dazu sagen würde und wie viele Arbeitsplätze seiner Analyse nach dann verloren gingen. Nach dem Motto: Ein Staat, der Steuern erhebt, der darf sich nicht wundern, wenn er keine Unternehmer mehr hat. Fast so blöd wie Forderungen nach Zwangsvegetariertum.

Beispiel Palma/Mallorca: Die lernen, dass man am besten mal gesetzlich was verbietet und anderes neu einführt – weil’s so in der deutschen Republik funktioniert. Also hübschen sie die Promenade von Palma anordnend auf, wollen Plastikstühle und allerlei Gewohntes verbannen. Ist doch gar nicht so blöd, denn die Plastehocker sorgten ja immer für Schweißnässe am Allerwertesten. Könnte also sinnstiftender sein als Veggie Days? Es bleibt dennoch die Frage, ob allerwelts keine anderen Sorgen herrschen.

1 comment for “Gemüse Tage, Wirtschaftsfeind Steuern und Plastikstühle am Schwitzegesäß – Sorgen gibt’s

  1. Manfred Hartmann
    5. August 2013 at 19:07

    Das Möhrchen ist nicht so heiß, wie es gegessen wird -aber dennoch schmeckt es der strukturkonservativen SPD bitter: Aus ZEIT ONLINE von heute: „‚Es ist absurd zu glauben, dass Renate Künast den Leuten ihre Würstchen wegnehmen will“, sagt die ernährungspolitische Sprecherin der Grünen, Nicole Maisch, ZEIT ONLINE. ‚Die politische Hysterie ist wohl dem Sommerloch und dem Wahlkampf geschuldet.“ Tatsächlich ist die Passage des Grünen-Wahlprogramms, die sich mit dem Veggie Day befasst, sehr vorsichtig formuliert: ‚Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein ‚Veggie Day‘ sollen zum Standard werden‘, heißt es darin. Von einem flächendeckenden Gesetz, gar einem Verbot, ist keine Rede.

    Sowieso: Das Wahlprogramm der Grünen ist bereits drei Monate alt, bisher störte sich niemand an der Formulierung. Schon 2011 verabschiedete die Bundestagsfraktion ein Papier mit dem vielversprechenden Titel: Veggie Day umsetzen. In diesem wird ebenfalls kein konkreter Verbotsfahrplan oder ähnliches dargelegt – sondern nur betont, dass die Grünen einen Veggie-Day in Kantinen gut finden und entsprechende Kampagnen wie den Vegetarischen Donnerstag, den es in Bremens Stadtverwaltung gibt, gutheißen.“

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